MieterMagazin

 Dezember 2003 - aktuell

Emnid-Umfrage zu Ärger mit dem Vermieter

Aussagekraft gering

Bundesweit hatten 15 Prozent der Mieter bereits einmal Ärger mit ihrem Vermieter. Dabei lag die Quote im Westen der Republik mit 17 Prozent höher als im Osten mit 9 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Emnid-Institut im vergangenen Sommer durchgeführt hat. Auftraggeber der Erhebung war die Fernseh- und Freizeitillustrierte "Auf einen Blick".

Emnid hatte im Juni bundesweit 1007 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Personen danach gefragt, ob sie "schon einmal Ärger mit ihrem Vermieter hatten". Die Anzahl der Befragten in den einzelnen Bundesländern richtete sich nach dem Verhältnis ihrer jeweiligen Einwohnerzahl bezogen auf ganz Deutschland. Nach den Ergebnissen der Emnid-Statistiker berichten Akademiker häufiger von Ärger mit ihren Vermietern als Mieter mit Hauptschulabschluss und ohne abgeschlossene Schulausbildung. Betrachtet man das Alter, so sieht man, dass jüngere Mieter häufiger Ärger mit ihren Vermietern haben als solche im Rentenalter. Man kann aus den Ergebnissen schließen, dass diese Bevölkerungsgruppen ein anderes Anspruchsniveau haben und sich häufiger trauen, sich zu beschweren.

Von den 746 Personen, die zurzeit zur Miete wohnen oder schon einmal zur Miete gewohnt haben, wurden 37 in Berlin gefragt, ob sie "schon einmal Ärger mit ihrem Vermieter" hatten. 13 von ihnen beantworteten die Frage mit ja. "Jeder dritte Berliner hat Zoff mit dem Vermieter" und "Hauptstädter Spitzenreiter bei Wohnungszoff" titelten nach Veröffentlichung der Erhebung mehrere Tageszeitungen in Berlin. Solche Schlussfolgerungen sind nach Ansicht von Statistikexperten jedoch voreilig. "Aus dem Ergebnis einer so kleinen Stichprobe von 37 Personen ist es nicht möglich, eine allgemeingültige Aussage für Berlin zu treffen", sagt Armin Hentschel vom Institut Für Soziale Stadtentwicklung in Potsdam. "Für eine einigermaßen repräsentative Erhebung müssten allein in Berlin mindestens 1000 Mieter befragt werden."

Der Deutsche Mieterbund (DMB) betrachtet die Emnid-Studie als "banal und überflüssig", so DMB-Pressesprecher Ulrich Ropertz. "Es macht wenig Sinn, in das Ergebnis auch die Aussagen von Leuten einzubeziehen, die vielleicht vor langer Zeit einmal zur Miete gewohnt haben, aber bereits seit Jahrzehnten in einer Eigentumswohnung leben", sagt Ropertz. "Um ein aussagekräftiges Bild der Schwierigkeiten zwischen Mietern und Vermietern in den einzelnen Regionen zu erhalten, müsste zudem genauer unterschieden werden, was die Mieter unter ‚Ärger' konkret verstehen. Sonst macht eine solche Umfrage wenig Sinn."

Volker Wartmann

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"Was versteht die Studie unter ,Ärger'?":
DMB-Pressesprecher
Ulrich Ropertz
Foto: Bernd Bohlen

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