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Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen? Die meisten wollen sich diese Frage lieber nicht stellen und kaufen neue Möbel - die am Ende auf dem Müllberg landen. Dass es auch anders geht, hat die Berliner Stadtreinigung (BSR) bereits mit dem "GebrauchtwarenHaus" an der Holzmarktstraße in Mitte gezeigt. Dort werden alte Möbel, die früher im Sperrmüll gelandet wären, weiterverkauft. Als die BSR damit vor sechs Jahren begann, war das eine bundesweite Premiere. Das Institut für Umweltforschung der Universität Dortmund (INFU) hat diese Idee nun weiterentwickelt.
Früher war bekanntlich alles besser - auch die Möbel. Ein Schrank oder ein Schreibtisch wurden fürs ganze Leben angeschafft und über Generationen hinweg vererbt. Kauft man heute jedoch ein Bücherregal, überlebt es mangels Qualität den ersten Umzug oft nicht. Zudem unterliegen Wohnungseinrichtungen schnelllebigen Modetrends, so dass sie bald auf dem Sperrmüll enden. Dadurch türmt sich ein wahres Möbelmassiv auf. Jährlich werden in Deutschland sieben Millionen Tonnen produziert. "Nur fünf Prozent davon werden wieder verwendet; der Rest geht in die Müllverbrennung, auf die Deponie oder wird zu Hackschnitzeln verarbeitet", weiß Werner Baumann vom INFU. Schon vor sechs Jahren machte die BSR vor, dass vermeintlicher Möbelmüll noch Interessenten findet. Auf anfangs 500 Quadratmetern verkauften die Stadtreinigungsbetriebe im GebrauchtwarenHaus Möbel aus Wohnungsauflösungen oder Sperrmüllfuhren. "Dafür kommen nur gut und sehr gut erhaltene Stücke in Frage", erläutert Bernd Müller, Sprecher der BSR. Mittlerweile hat die BSR ihre Verkaufsfläche auf 1200 Quadratmeter erweitert. Rund 100000 Besucher kommen jährlich ins GebrauchtwarenHaus. "Rund ein Drittel der Besucher", so Müller, "kauft auch etwas." Das INFU hat gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) sowie elf weiteren Partnern diese Erfolgsidee aufgegriffen und weiterentwickelt. Die Forscher wollen gebrauchte Möbel wieder salonfähig machen - durch umweltfreundliche Aufarbeitung. Das zweijährige Projekt "ecomöbel" wird bis September 2004 vom Bundesforschungsministerium (BMBF) gefördert. Etwa 500 Schränke, Tische und Sitzmöbel bezieht ecomöbel jährlich aus Haushaltsauflösungen, die die "Entsorgung Dortmund GmbH" und das Christliche Jugenddorfwerk vornehmen. "Zu Beginn des Projekts haben wir untersucht, welche und wie viele Stücke angeliefert werden, um dann geeignete Handwerker zu finden", sagt Kathrin Hesse vom IML. Mittlerweile sind Dortmunder Tischler, Glaser und Polsterer fester Bestandteil des Netzwerks, was für diese mehr Umsatz bedeutet. Neben der Suche nach neuen Partnern will das IML für ecomöbel eine durchgängige Prozesskette schaffen: "Wir möchten nicht, dass Altmöbel eine Weltreise von der Anlieferung über die Aufarbeitung bis zum Kunden hinter sich haben", betont Hesse. Das INFU untersucht verwertbare Stücke auf Formaldehyd und Schwermetalle. Nur unbelastete Möbel gehen schließlich zur Aufarbeitung an die dem Netzwerk angeschlossenen Handwerker und bekommen das ecomöbel-Siegel, das mittlerweile eine eingetragene Marke ist. Auf der Homepage des Projekts können Interessenten im aktuellen Angebot der beiden ecomöbel-Kaufhäuser stöbern, reservieren und bestellen. Über mangelnde Akzeptanz können sich die Projektpartner nicht beklagen. "Mittlerweile kommen wir mit dem Liefern nicht mehr nach", freut sich Werner Baumann.
Lars Klaaßen
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