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Der erste Nahrungsmittel-"Sozialladen" öffnete vor fünf Jahren in Berlin-Friedrichshain seine Tür. Das bis dahin in der Hauptstadt unbekannte Konzept: Leute mit wenig Geld sollten Lebensmittel stark verbilligt einkaufen können. Die Idee hat eine Versorgungslücke aufgespürt, inzwischen gibt es fünf weitere Filialen mit dieser sozialen Einkaufsidee - ein Erfolg, der inzwischen vielen Berlinern mit schmalem Geldbeutel zu Gute kommt.
Nein, seinen Namen will er nicht gedruckt sehen, der Mann um die 30 im schwarzen Szene-Outfit, der gerade im Lebensmittelregal nach etwas sucht. Nicht weil es ihm peinlich wäre, als Kunde des Sozialladens in der Gartenstraße in Mitte bekannt zu werden, ihm geht nur der persönliche Touch ziemlich auf die Nerven. "Der Laden ist eine klasse Idee", stellt er deshalb knapp, aber freundlich klar. Der beste Beweis dafür ist sein Einkaufswagen: Schnittkäse, Joghurt, Salat, Konserven liegen schon darin, der Rundgang ist noch nicht beendet. "Ungefähr 1600 bis 1800 Artikel haben wir", erläutert Eckhard Hähnel, der Einkaufsleiter für alle sechs Berliner Filialen, "und nicht nur Eintopf in Büchsen, sondern auch frische Sachen." Jeden Tag kommt neue Ware, 200 Firmen hat man inzwischen an der Hand. Genau zur Belieferungszeit der Läden trifft auch ein Schwung Kunden ein. Denn ungewiss ist, was genau eintrifft. So muss man schnell zugreifen, wenn süße Backwaren darunter sind. Die Lebensmittel stammen teils vom Hersteller direkt oder vom Groß- und Einzelhandel. Die Verpackung kann Schönheitsfehler haben, oft aber ist gerade das Haltbarkeitsdatum abgelaufen, oder es gibt Vortagsschrippen. Fristgerecht sortieren die Lebensmittelläden aus, die Produkte kommen noch am gleichen Tag in die Sozialläden. "Wir unterliegen natürlich den Hygienebestimmungen und der Lebensmittelaufsicht", sagt Mittes Filialleiter Manfred Schönrock. Ihm ist es vor allem wichtig, den Sozialladen in der Gartenstraße genauso wie ein "normales" Einzelhandelsgeschäft zu führen - mit Einkaufswagen, Kühlregal, Obst- und Gemüseangebot inklusive Wursttheke. Sogar Frischfleisch gibt es Dienstag und Donnerstag. Kosmetika wie Haarwaschmittel finden sich ebenfalls in geringem Umfang. Die Sozialläden wollen sicherstellen, dass die Grundnahrungsmittel für die drei Mahlzeiten Frühstück, Mittag- und Abendessen extrem preiswert angeboten werden. Kartoffeln für 0,36 Euro pro Kilo, Nudeln für 0,20 Euro, zehn Schrippen für 0,30 Euro sind die aktuellen Preise. Die gesamte Preiskalkulation orientiert sich an einem fiktiven Warenkorb für eine vierköpfige Familie: Kauft sie im Sozialladen ein, zahlt sie monatlich im Schnitt zwischen 15 und 20 Prozent weniger als in regulären Geschäften. "Es soll hier alles unter einem Euro kosten", so das Ziel von Schönrock. Einige Kinderspielzeuge hat er zu Weihnachten im Angebot, verbilligte Schoko-Nikoläuse standen saisongerecht schon im November im Regal. Die große Weihnachtsmännerinvasion trifft aber erst im neuen Jahr ein, als Bruchschokolade ist der Nikolaus dann weiterhin gefragt. Der Sozialladen in der Gartenstraße ist von seiner Größe her nicht mit einem Supermarkt vergleichbar. Für einige Anwohner hat er die Stelle des Tante Emma-Ladens eingenommen. Monika Probst, seit Ende 2001 im Mitte-Laden beschäftigt, kennt viele der regelmäßigen Kunden. Für ein kleines Schwätzchen ist meist Zeit. "Vor allem die Rentner fühlen sich hier wohl", hat der Filialleiter festgestellt, "viele trauen sich nicht mehr in die großen Geschäfte." So liegen auch ein paar Beutel Vogelsand im Regal. "1600 Kunden hatten wir am Anfang, inzwischen sind die 12500 überschritten", berichtet Karla Ritter, Vorsitzende des "Sozialverein Friedrichshain e.V.", dem Träger der sechs Läden. "Pro Monat kommen durchschnittlich 20 bis 25 neue Kunden pro Laden hinzu." Die Leute stammen auch aus Spandau und Zehlendorf. Da sich jeder Laden nach fünf Jahren selbst tragen muss, kalkuliert man weitere Neueröffnungen genau. Bedarf wäre vorhanden.
Sabine Schuster
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