MieterMagazin

 Dezember 2001 - aktuell

"team 2" saniert in Mitte

Mieter nicht mehr vorgesehen

"In den schönsten Lagen von Berlin entwickeln wir Immobilien mit hoher Wertsteigerung und interessanten Steuervorteilen", verspricht die "team 2 Gesellschaft für Stadtentwicklung" aus Tübingen auf ihrer Homepage. Mieter sind allerdings in den "entwickelten" Häusern nicht mehr vorgesehen. Jüngstes Beispiel für die Aktivitäten dieses Spekulanten-Teams ist die Brunnenstraße 183 im Bezirk Friedrichshain.

"Dürfen wir Sie kennen lernen?", fragt "team 2" auf seiner Homepage. Die acht in der Brunnenstraße 183 verbliebenen Mietparteien würden diese Frage seit dem Morgen des 10. Oktober mit Sicherheit verneinen. Da standen plötzlich Polizei, Bauaufsicht und der Schlüsseldienst vor ihren Türen. Und Günther Stach von team 2, seit September Besitzer des Hauses. Die Gesellschaft hatte bereits im Mai behauptet, neuer Eigentümer zu sein. Den Mietern flatterte damals die Aufforderung ins Haus, gefälligst auszuziehen. "Wir wollen sanieren."

Dass das auch durchaus mit den Mietern funktionieren kann, scheint Günther Stache nicht gewusst zu haben. Seine "Sanierungen" laufen immer nach dem gleichen Schema ab: Die Mieter werden mit Drohungen oder Versprechungen vertrieben, dann wird das Haus "entwickelt" und Gewinn bringend weiterverkauft.

Die ehemaligen Mieter in der Anklamer Straße 1 beispielsweise warten allerdings noch heute auf die versprochenen Entschädigungen. Um den Auszug des letzten Mieters zu beschleunigen, wurden dort "versehentlich" die Versorgungsstränge gekappt. Die Mieter verklagten mittlerweile team 2, das Verfahren stockt jedoch, weil sich der Beklagte der Vollstreckung "entzieht", wie Rechtsanwalt Moritz Heusinger einen Vorgang beschreibt, den die Mieter am 10. Oktober als simple Flucht des "kleinen Möchtegern-Baulöwen" erlebten. Die Mieter versperrten schnell die Eingänge, um den Schlüsseldienst zu hindern, die Schlösser auszutauschen. Ihr Anwalt alarmierte den Gerichtsvollzieher, der Stach seit längerem nicht nur wegen nicht bezahlter Entschädigungen, sondern auch wegen nicht bezahlter Rechnungen von Baufirmen auf den Fersen ist. Als der Gerichtsvollzieher erschien, brach Günther Stach alle Gespräche ab und verschwand. Da waren selbst die anwesenden Beamten verdutzt.

Die Beamten besichtigten die Treppenhäuser und den Dachboden - festgestellte Mängel werden die Mieter selbst beheben, wie sie auch in den letzten Jahren alle anfallenden Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten selbst getragen haben. Denn im Gegensatz zu team 2 verstehen sich die Mieter als wirkliches Team. Seit 1990 entwickelte sich hier ein offenes Wohn- und Kunstprojekt mit Ateliers, Bandübungsräumen und einem kleinen Café. Die Räumung des total vermüllten Hofes soll allerdings der Eigentümer besorgen. Zurzeit ist nicht einmal gewährleistet, dass bei einem Brand die Feuerwehr Zugang hat.

Das Haus gehörte erst der WBM, dann einer Erbengemeinschaft. Die Mieter zahlten pünktlich ihre Miete, auch wenn nicht alle schriftliche Mietverträge hatten. Denn das Haus gehörte zu den Anfang der 90er Jahre besetzten Häusern, und für Stach sind die Mieter noch immer Besetzer.

Zurzeit verweigert Stach jede Kommunikation mit dem Bezirksamt und den Mietern. Seine Anwältin werde sich äußern. Inzwischen hat er das Haus bereits zum Weiterverkauf angeboten. Die Mieter werden es team 2 oder potenziellen Käufern auch in Zukunft nicht einfach machen.

Rainer Bratfisch

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Als der Gerichtsvollzieher kam, türmte der Eigentümer: Hof der Brunnenstraße 183
Foto: Kerstin Zillmer

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