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Nicht unproblematisch ist das Zusammenspiel von Ehrenamtlichen und hauptberuflichen, bezahlten Kräften. Man kennt das aus Parteien, Gewerkschaften und anderen politisch oder sozial wirkenden Organisationen: Die unbezahlt Tätigen werfen den Bezahlten oft mangelndes Engagement vor, die bezahlten "Profis" den Ehrenamtlichen mangelndes Fachwissen. Der Berliner Mieterverein - selbst auf ein umfangreiches Kontingent an freiwillig Engagierten bauend - wollte wissen, wie das in seinen Reihen ist und hatte Anfang November seine Ehren- und Hauptamtlichen zu einer gemeinsamen internen Arbeitstagung geladen.
Ohne seine rund 200 ehrenamtlich engagierten Mitglieder wäre der Berliner Mieterverein (BMV) mit seinen jetzigen Strukturen nicht denkbar: Ob als Delegierte bei der alljährlich stattfindenden Delegiertenversammlung, ob als Bezirksvorsitzende im Beirat, als Engagierte in den bezirklichen Beratungsstellen und diversen anderen Gremien: Freiwillige und unbezahlte Kräfte dirigieren politische Leitlinien und organisatorische Neuerungen des BMV ebenso, wie sie "vor Ort" praktische Arbeit leisten. "Basis war und ist die Steuerung der Geschicke des Mietervereins durch einen ehrenamtlichen Vorstand sowie ehrenamtliche Bezirksleitungen", so Vorstandsmitglied Dr. Regine Grabowski. Doch anders als vor 100 Jahren, als der Mieterverein als Selbsthilfeorganisation gegründet wurde, ist das umfangreiche Dienstleistungsangebot, das der BMV seinen mittlerweile rund 100000 Mitgliedern zur Verfügung stellt, ohne ein Heer bezahlter Angestellter nicht aufrechtzuerhalten. Stellt sich die Frage: Wie kooperieren Haupt- und Ehrenamtliche, wo gibt es Probleme, wie kann man es besser machen? Thomas Koch vom Berliner Mieterverein (hauptamtlich) hatte die vereinsinterne Tagung zum 3. November organisiert, bei der 105 Teilnehmer - ein Viertel Angestellte, drei Viertel Ehrenamtliche des BMV - vor allem der Frage nach dem Verhältnis von Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen auf den Grund gehen wollten. Eins vorab, das der Vereinsvorsitzende Edwin Massalsky erst in seiner Schlussrede - und erleichtert - feststellen konnte: "Wer ein Schlachtfest erwartet hatte, hat sich getäuscht". Die mehrheitliche Meinung: Es gibt keine tiefen Gräben, in jedem Fall keine unüberwindbaren. "Beide Gruppen brauchen sich, und beide haben die gleichen Ziele: eine optimale Versorgung der Mitglieder und eine wirksame politische Interessenvertretung", so Christiane Jürgens von der BMV-Leitung des Bezirks Lichtenberg. Gleichwohl wurden nüchtern die Unterschiede analysiert, als deren größter sich ein unterschiedlicher Wissensstandort entpuppte: Die BMV-Rechtsberater sind ausgezeichnete Mietrechtsexperten, arbeiten aber "vom Schreibtisch aus". Die Mitglieder der Bezirksgruppen sind mit den Verhältnissen in den Wohnanlagen bestens vertraut, also "Vor-Ort-Experten", aber keine juristischen Fachleute und dürfen als solche auch keine Beratungsgespräche führen. Folglich ist ein Austausch zwischen beider Expertenwissen erforderlich - und daran hapert es hin und wieder. Christiane Jürgens: "Der Draht zwischen den Beteiligten muss kürzer werden." Auch die Aufgabenverteilung und die Kompetenzen sind nicht jedem klar. Stefanie Gerlach, (bezahlte) Betreuerin in der Mieterberatungsstelle am Walther-Schreiber-Platz: "Die Zuständigkeiten müssen klarer definiert werden." Dass der Draht kürzer wird, dafür hat nicht zuletzt die Tagung selbst schon gesorgt, denn viele Haupt- und Ehrenamtliche saßen sich zum ersten Mal im persönlichen Gespräch gegenüber. Ihr Credo danach: Wir müssen im Gespräch bleiben. Und mit der Auswertung der Tagungsergebnisse will Organisator Thomas Koch auch einen Wegweiser der Zuständigkeiten von Haupt- und Ehrenamtlichen erstellen. Ein weiterer Arbeitskreis der Tagung befasste sich mit der Frage der Kommunikation zwischen Mietervereinsmitarbeitern (Ehren- wie Hauptamtlichen) und den beim BMV Ratsuchenden. Hier gab es Kommunikationstraining unter professioneller Anleitung, zum Beispiel in Form von Rollenspielen. Und schließlich widmete sich eine Arbeitsgruppe der Frage, wie ehrenamtliche Mitarbeiter sich in die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins stärker einbeziehen und diese auch nutzen können. Wenn auch der kleinste Arbeitskreis, so wird von ihm die Initiative ausgegangen sein, wenn demnächst die ersten Bezirksleitungen mit eigenen Seiten im Internet-Angebot des Mietervereins zu finden sind.
uh
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