MieterMagazin

 Dezember 2001 - aktuell

"Euroim" in Zahlungsverzug

Versorger drohen mit Strom-
und Wassersperre für Mieter

Durch ihre Bereitschaft, die Wasserrechnungen zu übernehmen, haben mehrere Bezirksämter verhindert, dass Mietern der "Euroim Immobilien GmbH" von den Berliner Wasserbetrieben (BWB) der Hahn abgedreht wird. Die Euroim hat nach Angaben von BWB-Pressesprecher Stephan Natz mehr als 1,8 Millionen DM, die sie bereits von ihren Mietern zur Bezahlung der Wasserkosten kassiert hat, nicht an die Wasserbetriebe weitergeleitet. Die Wasserbetriebe hatten daraufhin Anfang November angedroht, in den rund 20 Häusern und Wohnanlagen der Euroim ab dem 20. November das Wasser zu sperren.

Auch der Bewag schuldet die Euroim rund 800000 DM. Die Bewag hat ihre Stromlieferungsverträge mit der Euroim deshalb zu Ende November gekündigt. Falls die Euroim ihren Zahlungsverpflichtungen nicht noch nachkomme, werde ab dem 3. Dezember der Betriebsstrom in rund 20 Häusern abgedreht, kündigte Bewag-Pressesprecher Uwe Lemm an. Weil die Euroim keine "ernsthaften Anstrengungen zur Tilgung ihrer Zahlungsrückstände" unternommen habe, werden BWB und Bewag "auf juristischem Wege" gegen die Euroim vorgehen und versuchen, das Geld einzuklagen. Die Sprecher von Bewag und BWB betonten, es täte ihnen leid, diesen Konflikt mit ihrem Kunden Euroim auf dem Rücken der Mieter auszutragen. Wegen der Zahlungsunwilligkeit der Euroim sähen sie jedoch keine andere Handlungsmöglichkeit mehr.

Kemal Degirmenci, Geschäftsführer der Euroim Immobilien GmbH, war zu einer persönlichen Stellungnahme zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen nicht bereit. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat gegen Degirmenci mittlerweile Strafanzeige gestellt, weil er die von Mietern seines Wohnblocks an der Else-Lasker-Schüler-Straße 10-22 und Einemstraße 2-8b gezahlten Betriebskosten nicht ordnungsgemäß an die Versorgungsbetriebe abgeführt hat. "Die Staatsanwaltschaft wird jetzt prüfen, ob Betrug, Unterschlagung oder Untreue vorliegt", sagt Gerhard Lawrentz, Baustadtrat des Bezirks. Zudem habe das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg einen Antrag auf Konkurseröffnung gegen die Euroim gestellt. Der Baustadtrat stellte klar, dass der Bezirk durch Bezahlung der kommenden Wasserrechnungen auf jeden Fall gewährleisten werde, dass die Wohnungen der Euroim-Mieter bewohnbar bleiben.

Um die Wassersperre abzuwenden, hatte der Berliner Mieterverein den Mietern geraten, sich zu so genannten Notgemeinschaften zusammenzuschließen. Die Mieter sollten die laufenden Kosten dann direkt an die Wasserbetriebe und nicht mehr an den Vermieter zahlen, so Hartmann Vetter, Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins. Gerade in größeren Häusern gestaltet sich die Einrichtung einer solchen Notgemeinschaft jedoch häufig als ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen, zumal die Mieter ja auch wissen, dass der Bezirk im Notfall einspringen und die Kosten übernehmen wird. Die Mieter der Wohnanlage in der Else-Lasker-Schüler-Straße 10-22/Einemstraße 2-8 haben sich darauf verständigt, "auf freiwilliger Basis" den Anteil für die Wasserkosten von der Miete abzuziehen und direkt an die Wasserwerke zu überweisen, wie Mieter-Aktivist Carsten Heeß im Anschluss an eine Mieterversammlung erklärte. "Bei diesem Schuldenstand ist zu erwarten, dass für diese Wohnanlage bald ein Zwangsverwalter eingesetzt wird", sagt BMV-Mitarbeiter Heinz Kleemann.

Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) haben offensichtlich rechtzeitig eine effektivere Umgangsform mit der Euroim Immobilien GmbH gefunden als Bewag und BWB, die sich seit mehr als einem Jahr immer wieder auf vage Zahlungszusicherungen der Euroim eingelassen haben. Die BSR habe "beizeiten die Reißleine gezogen. Nachdem die Euroim nicht rechtzeitig bezahlt hatte, haben wir zur Durchsetzung unserer Forderungen umgehend rechtliche Schritte gegen das Unternehmen eingeleitet", sagt BSR-Pressesprecherin Sabine Thümler. "Nach einem entsprechenden Gerichtsurteil haben wir unser Geld dann immer bekommen." Jedoch ständen noch einige Urteile aus.

Volker Wartmann

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Aufgebracht: Euroim-Mieter auf einer Versammlung in der Einemstraße am 16. November
Foto: Kerstin Zillmer

  Nähere Einzelheiten zur Gründung einer Notgemeinschaft können Mieter dem Info Nr. 163 des Berliner Mietervereins entnehmen, das auch unter www.berliner-mieterverein.de abrufbar ist.

 Zur Sache

Wer ist betroffen?
Häuser und Wohnanlagen, bei denen die Euroim Immobilien-GmbH beziehungsweise die Degermenci-Gruppe mit der Zahlung der Kosten für Wasser und/oder Strom im Rückstand ist:
Neukölln: Pannierstraße 57, Reuterstraße 79, Isarstraße 3, Allerstraße 17, Erlanger Straße 8;
Mitte: Torstraße 225, Wilhelmshavener Straße 38, Stettiner Straße 18, Oudenarder Straße 21, Exerzierstraße 14, Osloer Straße 116-116a, Chausseestraße 54;
Tempelhof-Schöneberg: Else-Lasker-Schüler-Straße 10-22, Einemstraße 2-8, Kielganstraße 6-7;
Charlottenburg-Wilmersdorf: Sophie-Charlotten-Straße 19, Spandauer Damm 78-80;
Spandau: Wustermarker Straße 36 + 37;
Friedrichshain-Kreuzberg: Großbeerenstraße 68, Yorckstraße 67;
Reinickendorf: Granatenstraße 36.

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