MieterMagazin

 November 2003 - aktuell

Symposium zur Stadtentwicklung

Mut zum Experiment

Die ostdeutschen Städte verlieren Einwohner und stecken in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Das ist nichts Neues. Neu ist hingegen, dass man in dieser Situation mit guten Ideen auch ohne viel Geld Perspektiven eröffnen kann. Das war auf dem Symposium "Städtische Kreativität - Potenzial für den Stadtumbau" die einhellige Meinung.

Das Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) lud im September Stadtplaner, Soziologen und andere Experten zu sich nach Erkner. Das Symposium war Teil der Workshop-Reihe "Städtische Kreativität", an der ostdeutsche und westeuropäische Kommunen in den vergangenen Monaten teilnahmen. "Die schrumpfenden Städte Ostdeutschlands können keine Heilung allein durch Städtebau erwarten", sagt Tobias Robischon, wissenschaftlicher Referent der Schader-Stiftung. "Wenn traditionelle Wachstumshoffnungen keine Aussicht auf Lösung der Krise bieten, braucht man Mut zum Experiment. Städte sind nicht nur gebaute Umwelt, sondern vor allem Netzwerke von Menschen." Und Freiräume, die genutzt werden können, gibt es: "Die kreativ handelnden Stadtmenschen studieren, wie man Plätze gut nutzen kann", sagt Karl-Dieter Keim, Leiter des IRS. Gelegenheiten zur Entfaltung und Mitgestaltung müssen geschaffen werden. Die Basis eines offensiven Umgangs mit dem Wandlungsprozess ist eine aktive Bürgerschaft: Menschen, die sich gemeinsam für ihre Stadt einsetzen. "Da können sich westdeutsche Kommunen heute schon einiges im Osten abgucken", so Robischon.

In Schwerin etwa haben sich einzelne Vertreter der Verwaltung, Institutionen sowie Bürger der Stadt zu verschiedenen Arbeitsgruppen zusammengeschlossen. Auch in Leipzig haben sich eine "Händlerinitiative" und Akteursnetzwerke in den Stadtteilen gebildet. Zwickau hat gemeinsam mit vier weiteren Städten das Regionalmarketing Westsachsen gegründet, in dem gemeinsame Strategien einer Entwicklungspolitik erarbeitet werden. Auch hier sind Vertreter der Wirtschaft und Bürger an den Diskussionsprozessen beteiligt.

In der Workshop-Reihe, die mit dem Symposium im September endete, haben auch Vertreter aus englischen, schwedischen und niederländischen Städten von Erfahrungen berichtet, aus denen die ostdeutschen Städte Schlüsse für ihre künftige, lokale Entwicklungspolitik ziehen werden.

Lars Klaaßen

" Es kommt darauf an, die Dinge in einem anderen Licht zu sehen und die sich daraus ergebenden Handlungschancen zu nutzen."
Tobias Robischon

  Beiträge von Workshop-Teilnehmern wurden zusammengefasst und publiziert. Sie sind im Buchhandel erhältlich: Städtische Kreativität - Potenzial für den Stadtumbau, Heike Liebmann, Tobias Robischon (Hrsg.), IRS Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung/Schader-Stiftung: 2003, Taschenbuch, 244 Seiten, Preis: 13 Euro

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