MieterMagazin

 November 2003 - aktuell

Wohnungsbaugesellschaft Eberswalde

Mit Strom Geld verdienen?

Um sich neue Einnahmequellen zu sichern, greifen Wohnungsunternehmen zu ungewöhnlichen Mitteln: Im brandenburgischen Eberswalde will die städtische Wohnungsbau- und Hausverwaltungsgesellschaft (WHG) mit riesigen Photovoltaikanlagen auf den Dächern ihrer Häuser Strom erzeugen und Gewinn bringend verkaufen.

Insgesamt 6500 Quadratmeter Photovoltaikpaneele, die aus Sonne umweltfreundlichen Strom erzeugen, sollen nach den Plänen der WHG bis zum Jahr 2006 auf den Hausdächern ihres Wohnungsbestandes installiert werden. Bis zu 700000 Kilowattstunden Strom lassen sich damit jährlich abgasfrei produzieren. Ökologische Aspekte standen allerdings bei der Entscheidung, ins Energiegeschäft einzusteigen, nicht im Vordergrund.

"Wir wollen ein weiteres wirtschaftlich sicheres Standbein aufbauen", sagt Rainer Wiegandt, Geschäftsführer der WHG. Denn von "neuen Einnahmequellen" und einem "wirtschaftlich gesunden Wohnungsunternehmen" würden auch die insgesamt 15000 Mieter profitieren: "Das Geld, das wir über den Solarstrom einnehmen werden, investieren wir wieder in den Wohnungsbestand." Denn die teure Pflege von Grünanlagen oder der Hausfassaden, die "das Stadtbild deutlich verbessern", steigere den Wohnwert. "Mieter fühlen sich wohler in einer gepflegten Umgebung."

Doch selbst, wenn die Wohnwertverbesserung in Eberswalde eine zentrale Rolle spielt: Die Einnahmen aus dem Stromgeschäft sind auch willkommen, um Mietausfälle auszugleichen, die durch leer stehende Wohnungen entstehen, "das steht für uns aber nicht an erster Stelle".

Insgesamt 3,5 Millionen Euro will das Wohnungsunternehmen in den kommenden drei Jahren in die Solarflächen investieren. Ein Großteil der Kosten soll über Kredite finanziert werden, vom Landkreis erhofft sich das Unternehmen einen Zuschuss. "In acht Jahren hat sich diese Investition amortisiert", so Wiegandt. Über die erwarteten Einnahmen kann der Geschäftsführer noch keine genauen Angaben machen: "Da müssen wir abwarten." Es sei aber sicher, "dass sich die Sache für uns rechnet".

Die WHG kann bereits auf Erfahrungen mit umweltfreundlichen Technologien zurückblicken. 1999 hat die Gesellschaft Sonnenenergie eingesetzt, um Wasser zu erwärmen. "Damit haben wir die Betriebskosten für 850 Mieter gesenkt." Moderne Technologien haben es dem Wohnungsunternehmen offensichtlich angetan: Im kommenden Jahr werden 1000 Wohnungen mit einem Internetzugang ausgerüstet. "Damit werden unsere Wohnungen", glaubt Rainer Wiegandt, "deutlich attraktiver."

Solartechnik ist auch für die Berliner Wohnungswirtschaft kein Neuland: "Wir beschäftigen uns seit Jahren mit dem Thema", sagt Manfred Schörnick von der Berliner Wohnungsbaugesellschaft Degewo. Allein die Sonnenkollektoren, die die Wohnungsbaugesellschaft an den Hochhäusern am Helene-Waigel-Platz angebracht hat, produzieren seit vier Jahren jährlich 25000 Kilowattstunden Strom. Damit arbeite in Marzahn Europas größtes Fassadenkraftwerk auf der Basis von Photovoltaik. Auch in Zukunft sei Solarenergie für die Degewo ein Thema: "Wir sondieren gerade entsprechende Projekte", sagt Schörnick.

Volker Engels

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Wenn Wohnungsunternehmen unter die Stromproduzenten gehen: Degewo-Photovoltaik-Anlage am Helene-Waigel-Platz
Foto: Rolf Schulten

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