MieterMagazin

 November 2003 - aktuell

Service "Rund ums Alter"

Anruf genügt

Was junge Mieter in der Regel problemlos bewältigen können, kann für ältere Menschen, die allein in den eigenen vier Wänden leben, zunehmend zum Problem werden: Die Badewanne oder das Becken der Dusche sind zu hoch, der Weg in den dritten oder vierten Stock ist ohne Aufzug kaum zu bewältigen, die Türen sind zu schmal für Gehhilfen oder Rollstühle. Doch viele Wohnungen lassen sich durch einfache Baumaßnahmen altenfreundlich gestalten.

"Rund ums Alter" heißt die Koordinierungsstelle, die auch im Bezirk Marzahn-Hellersdorf ältere Mieter berät und praktisch unterstützt, wenn sie die eigene Wohnung altersgerecht umrüsten wollen. "Wir bekommen Anrufe von älteren Mietern, die zum Beispiel Schwierigkeiten haben, ihren Balkon oder ihre Dusche zu betreten, weil die Schwelle viel zu hoch ist", sagt Manfred Hopp, Leiter der Koordinierungsstelle in Marzahn-Hellersdorf. Geschulte Mitarbeiter prüfen vor Ort, wie das Problem des älteren Mieters behoben werden kann. "Manchmal reicht es, einen Haltegriff anzubringen, in anderen Fällen müssen größere bauliche Veränderungen vorgenommen werden." Das Beratungsangebot ist kostenlos.

Die Koordinierungsstelle, die Ansprechpartner für die Zielgruppe "50 Plus" sein will, klärt mit dem Hauseigentümer oder Vermieter, welche baulichen Veränderungen möglich sind und wie sie finanziert werden können. "Wenn der Betroffene Leistungen der Pflegeversicherung bekommt, kann ein Großteil der Finanzierung darüber abgedeckt werden." Andernfalls würden die Kosten vom Vermieter auf die Miete umgelegt werden.

"Gute Vermieter haben ein Interesse daran, dass ältere langjährige Mieter mit ihrem Wohnumfeld zufrieden sind und in der Wohnung bleiben." Ältere Menschen würden großen Wert darauf legen, so Hopp, weiter in der vertrauten Umgebung zu leben, wenn die wohnlichen Voraussetzungen dies ermöglichen.

Nicht allein bauliche Anpassungen vereinfachen altersgerechtes Wohnen. Im Bezirk bieten Vermieter und Wohnungsbaugesellschaften zahlreiche Hilfen, die das Wohnen im Alter erleichtern: Alte oder kranke Mieter können sich zum Beispiel an einem Hausnotrufsystem beteiligen. "Einige Mieter tragen ein Notrufsystem am Körper, das bei Stürzen einen Alarm auslöst, mit dem ein Helfer angefordert wird", erklärt Hopp.

Dieses Verfahren rechnet sich auch für die Wohnungsbaugesellschaften: "Wir legen großen Wert darauf, dass sich ältere Mieter bei uns wohlfühlen", sagt Erika Kröber, Sprecherin der Wohnungsbaugesellschaft Marzahn. Gerade ältere Mieter, die sich engagieren und "Verantwortung für das Haus und die Gemeinschaft übernehmen, wollen wir an unser Unternehmen binden", erläutert die Sprecherin das Konzept. Die WBG Marzahn setzt neben baulichen Anpassungen auch auf Serviceangebote. Von denen profitieren nicht nur ältere Mieter: Inzwischen nutzen die Bewohner von zwölf Hochhäusern einen Concierge-Service, der vom "Vogelfüttern übers Blumengießen bis zur Paketannahme" zahlreiche Dienstleistungen anbietet. Viele Marzahner der "ersten Stunde", die langsam selbst "in die Jahre gekommen sind", würden dieses Angebot schätzen. "Wir haben aber auch Mieter im Blick", sagt Erika Kröber, "denen es in den hippen Innenstadtbezirken langsam zu laut und unruhig wird."

Altersgerechtes Wohnen wird in Zukunft wohl zunehmend ein Thema sein. Inzwischen sind 20,1 Millionen Menschen in Deutschland über 60 Jahre alt, hat das Statistische Bundesamt gerade mitgeteilt. Tendenz steigend. Bis zum Jahr 2030 erwarten die Statistiker, dass ein gutes Drittel der Bevölkerung älter als 60 Jahre sein wird. Diese Entwicklung trifft auch für Marzahn-Hellersdorf zu: In zehn Jahren werden mehr als 40 Prozent der Bewohner über 60 Jahre alt sein. "Darauf müssen wir uns als Wohnungsunternehmen einstellen", sagt Erika Kröber.

Volker Engels

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Barrierefrei auf den Balkon durch kleinen Umbau: Die Mitarbeiter von "Rund ums Alter" helfen
Foto: Kerstin Zillmer

" Stabile Mietverhältnisse sind für uns wie Perlen."
Erika Kröber, Wohnungsbau-gesellschaft Marzahn

  Die Koordinierungsstellen "Rund ums Alter" bieten in allen Berliner Bezirken Informationen für ältere Menschen und ihre Angehörigen. Sie sind von Montag bis Freitag in der Zeit von 9 bis 18 Uhr unter der einheitlichen Berliner Rufnummer 0180-5950059 zu erreichen.

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