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"Manches Schöne, manche Dramen, spiegeln sich in Straßennamen", reimte einst ein Dichter. Die Namen von Straßen und Plätzen sind nicht Schall und Rauch, sie erleichtern nicht nur die Postzustellung, sondern vermitteln den Einwohnern auch ein Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit und geben Auskunft über die Geschichte und Gegenwart einer Stadt.
Revolutionen und andere gesellschaftliche Umwälzungen gingen immer auch einher mit der Umbenennung von Straßen und Plätzen. Mehr als 3700 Berliner Straßennamen sind inzwischen aus dem aktuellen Straßenbild verschwunden. Das betrifft nicht nur den Adolf-Hitler-Platz in Charlottenburg, der ab 1947 wieder Reichskanzlerplatz hieß, bis er 1963 seinen heutigen Namen Theodor-Heuss-Platz erhielt. Als die Verbrechen Stalins publik wurden, verschwand mit seinem Denkmal auch sein Name aus dem Straßenbild. Und wer weiß schon heute noch, dass die Turmstraße in Moabit 1945 Ernst-Thälmann-Straße hieß - etwa ein halbes Jahr lang? Namen von Gestalten aus Märchen, Sagen und Mythen, von Tieren und Pflanzen, Städten, Ortschaften, Flüssen und Seen sind da beständiger. Am häufigsten vertreten ist in Berlin wohl die Bahnhofstraße - 30 Einträge verzeichnet das "Lexikon Berliner Straßennamen". Und was wäre Berlin ohne seine Berliner Alleen, Chausseen, Plätze, Straßen und Wege? Zwei Kuriosa: Der Architekt Rudolf Mönnich wurde infolge eines Lese- oder Schreibfehlers mit einer Wönnichstraße geehrt, der französische Theologe Pierre Vieu bekam eine Vienstraße. Dieses Buch erzählt 10230 Geschichten - so viele Straßennamen gibt es in der Stadt.
Rainer Bratfisch
Lexikon Berliner Straßennamen,
herausgegeben von Sylvia Lais und Hans-Jürgen Mende,
Haude & Spener, Berlin 2004,
495 Seiten, 29,80 Euro, ISBN 3-7759-0477-8
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