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Mit rund 62 Hektar ist das Gleisdreieck die größte noch unbebaute Freifläche im Zentrum Berlins. "Auf dem Gleisdreieck ist für die nächsten Jahre die Entwicklung neuer, lebendiger Stadtquartiere geplant", verkündet der Grundstückseigentümer, die "Vivico Real Estate". Für den auf dem Gelände geplanten Park streitet seit kurzem die Parkgenossenschaft Gleisdreieck.
Nachdem bereits seit mehreren Jahren auf dem Gleisdreieck die Erlebnisgastronomie "Pomp Duck and Circumstance" gastiert, kann die gleiche vermögende Klientel demnächst auf dem Gelände auch golfen. "Global Golf Berlin" eröffnet auf dem Gelände eine Driving Range mit Clubhaus. Im Gegensatz zum von "World Wheel Berlin" geplanten Riesenrad handelt es sich hierbei allerdings um Zwischennutzungen. Trotzdem: Alle Aktivitäten richten sich an ein zahlungskräftiges Publikum, die Anwohner bleiben außen vor. Bereits 1990 hatte es einen Wettbewerb "Sechs Ideen für einen Park" im Rahmen der geplanten Bundesgartenschau 1995 gegeben. Circa 60 Hektar Grünflächen sollten entstehen. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Gelände für die Baulogistik am Potsdamer Platz gebraucht. 1994 wurden im Bebauungsplan Potsdamer Platz 16 Hektar Ausgleichsfläche auf dem Gleisdreieck festgeschrieben - zu wenig, fanden Bürgerinitiativen. Sie schlossen sich zu Beginn des Jahres 2000 zur Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck zusammen, um gemeinsam für einen Park zu streiten. Denn das Eisenbahnimmobilienmanagement, der Vorgänger der Vivico Real Estate, blockierte seit Jahren mit der juristischen Konstruktion "planfestgestelltes Bahngelände" alle im Flächennutzungsplan, dem Planwerk Innenstadt und dem Bebauungsplanentwurf des Bezirks Kreuzberg vorgesehenen Parkprojekte - obwohl die Flächen offensichtlich nicht mehr für Bahnzwecke benötigt wurden. Die Kommune könnte deshalb die Entlassung aus der so genannten "Planfeststellung" beim Eisenbahnbundesamt beantragen - wenn sie wollte. Aber der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg scheut sich offensichtlich, die Verantwortung für einen neuen Park zu übernehmen, obwohl seit 1998 20 Millionen Euro auf einem Konto bei der Stiftung Naturschutz liegen und sofort abgerufen werden könnten. Die Pflege würde die Parkgenossenschaft Gleisdreieck übernehmen, die sich im März diesen Jahres gegründet hat. Norbert Rheinlaender vom Vorstand der Parkgenossenschaft, die bereits über 30 Mitglieder hat, nennt als Vorbilder die Community Gardens in Manhattan und Detroit. Diese Bewegung hat der städtischen Verwaltung, die in den 70er Jahren in die Rolle des größten Besitzers abbruchreifer Wohnungen geraten war, viele verwahrloste Grundstücke zur Gartennutzung durch die Nachbarschaft abgerungen. Andere Projekte sind Greenwich Peninsular in London und der Parc de la Villette in Paris. Aber auch in Deutschland gibt es Beispiele: Der Bürgerpark Bremen wird seit 137 Jahren durch einen privaten Verein getragen. Warum soll das nicht auch in Berlin funktionieren? Mit einem Eintrittsgeld von 25 Euro ist man dabei, ein Geschäftsanteil kostet 50 Euro. Matthias Bauer von der Parkgenossenschaft: "Wir hoffen, dass möglichst viele Einzelpersonen, Vereine und Institutionen Mitglied werden und sich an der Gestaltung des Parks beteiligen." Bei Ben Wargin im Anhalter Garten in der Ladestraße kann jeder schon mit zupacken. Erstes Projekt der Genossenschaft ist das Anlegen von Wegen auf dem Parkgelände. Hinweisschilder sollen über die natur- und heimatkundliche sowie industrie- und kulturgeschichtliche Bedeutung einzelner Orte auf dem Gelände informieren. Wenn die Genossenschaft stark genug ist, will sie mit dem Bezirk, dem Land, der Vivico und anderen Eigentümern Überlassungsverträge aushandeln, um Flächen für den Park zu pachten oder zu kaufen. Franz Schulz, Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, kann sich vorstellen, dass "einige Brachen von Bürgerinitiativen als Gärten oder Spielplätze angelegt und gepflegt werden", und auch die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, will sich bei der Gestaltung des Gleisdreiecks "mehr auf die Bürger einlassen". Die wollen weder Golfplätze noch das Riesenrad, sondern ihren Park.
Rainer Bratfisch
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