MieterMagazin

 Juli/August 2002 - aktuell

Preis "KlimaSchutzPartner des Jahres" verliehen

Schöne Beispiele - zwiespältiges Resümee

Die Wohnungsbaugesellschaften KöWoGe und DeGeWo sowie die BSR haben in diesem Jahr den Preis "KlimaSchutzPartner des Jah-res" gewonnen. Der Preis wurde den drei Unternehmen während der Veranstaltung "Berliner Energietage 2002" Mitte Mai verliehen. Die so genannten KlimaSchutzPartner sind ein Zusammenschluss von 14 Verbänden und Institutionen im Rahmen der "Freiwilligen Vereinbarung der Berliner Wirtschaft und des Landes Berlin zur CO2-Minderung und zur Verbreitung von Solaranlagen". Der undotierte Preis wurde in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben. Insgesamt 13 Teilnehmer wetteiferten um die Auszeichnungen.

"Sinn des Preises ist, Best-practice-Beispiele zum Klimaschutz auszu-zeichnen und bekannt zu machen", so Thomas Hertz, Hauptgeschäfts-führer der IHK Berlin, der stellvertretend für die KlimaSchutzPartner Berlin die Preisverleihung vorgenommen hat.

Die KöWoGe belegte den ersten Platz in der Kategorie "Erfolgreiche Pro-jekte" mit der Niedrigenergie-Sanierung im Albert-Schweitzer-Viertel. Die Jury war insbesondere von der "vorbildhaften Umsetzung einer Vielzahl von klimaschonenden Maßnahmen" beeindruckt. Neben einer verstärkten Wärmedämmung wurde die Nordseite mit K-Wert-optimierter Dreifachver-glasung ausgestattet. Decken und Wanddurchführungen von Heizungs-rohren wurden abgedichtet, die Vor- und Rücklauftemperaturen im Heizungssystem wurden reduziert und moderne Heizungspumpen eingebaut.

Die DeGeWo hatte die Nase in der Kategorie "Erfolgversprechende innovative Ideen und Planungen" vorn. Sie bekam die Auszeichnung für die Umstellung einer bestehenden Kesselanlage von Heizöl auf Erdgas in einem Gebäudekomplex an der Stralsunder Straße 1-5 und in der Ruppiner Straße 29-30 im Stadtteil Wedding. Diese Umstellung ist kombiniert mit dem Einsatz von moderner Brennwerttechnik, der Installation einer Solaranlage für die Warmwasserstation, der Dämmung der Rohrleitung und Ventile gemäß Energieeinspar-Verordnung sowie der Instandsetzung des Daches mit zusätzlicher Wärmedämmung.

Für den Neubau eines Verwaltungs- und Sozialgebäudes in der Kniprodestraße 62 im Stadtteil Pankow erhielt das Grundstücks- und Gebäudemanagement der BSR, den "Anerkennungspreis für öffentliche Einrichtungen". Überzeugt haben die Jury "neben dem Vorbildcharakter insbesondere der in diesem Vorhaben beispielhaft umgesetzte intelligente Mix verschiedener energiesparender Techniken und baulicher Maßnahmen": Das Gebäude wurde konsequent nach Süden ausgerichtet und nutzt einen Wintergarten als Klimapuffer. Zusätzlich verfügt der Neubau über einen Pufferspeicher für die Solarwärme sowie ein Erdkollektorfeld mit einer Gesamtfläche von 4500 Quadratmetern und beheizt die Räume über thermoaktive Decken. Das Regenwasser wird aufgefangen und für die Kehrmaschinen sowie die Bewässerung der Außenanlagen genutzt. Zudem wird eine Wärmerückgewinnungsanlage eingesetzt.

Die freiwillige Klimaschutz-Vereinbarung zwischen der Berliner Wirtschaft und dem Land Berlin läuft Ende des Jahres aus. Ob sie verlängert wird, ist noch offen. Die Berliner Wirtschaft hatte sich 1997 zu der Vereinbarung mit dem Land bereit erklärt, um das Inkrafttreten der geplanten Berliner Solaranlagen-Verordnung zu verhindern. Diese Verordnung hätte bei jedem Neubauprojekt mit zentraler Warmwasserbereitung verbindlich die Installation einer Solarthermie-Anlage vorgeschrieben.

In der getroffenen freiwilligen Vereinbarung mit dem Land Berlin hat sich die Berliner Wirtschaft stattdessen dazu verpflichtet, eine bestimmte Anzahl an Solarthermie-Anlagen zu installieren und den CO2-Ausstoß um eine festge-schriebene Menge zu reduzieren, und zwar aus einem vorher festgelegten Maßnahmenpaket. Das Resümee nach fünf Jahren fällt zwiespältig aus: "Der Zielwert der vereinbarten Solaranlagen konnte in den fünf Jahren nur zum Teil erfüllt werden, der CO2-Ausstoß wurde jedoch deutlich über das vereinbarte Maß hinaus vermindert", sagt Rainer Stock, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Stadt- und Regionalentwicklung, Umwelt, Energie bei der IHK Berlin. Mit Wärmedämm-Maßnahmen und effizienteren Heizanlagen könnten bei gleichem Investitionsaufwand oftmals größere CO2-Einsparungen erzielt werden als mit der Installation einer Solaranlage. "Daher sollte die Politik den Unternehmen mehr freie Hand lassen, auf welchem Weg sie vereinbarte Klimaschutzziele erreichen. Ein positives Beispiel in dieser Richtung stellt die seit Februar geltende Energieeinspar-Verordnung dar. Hier ist der Primärenergieverbrauch eines Gebäudes das Maß der Dinge - der Weg, wie dies erreicht wird, ist weitestgehend freigestellt."

Volker Wartmann

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Auszeichnung für die DeGeWo: Im Gebäudekomplex Stralsunder Straße/Ruppiner Straße kommt moderne Heiztechnik zum Einsatz
Foto: Volker Wartmann

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