MieterMagazin

 Juni/Juli 2004 - aktuell

BBU-Bilanz

Große Unterschiede zwischen Berlin und Brandenburg

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. (BBU) zog im April Bilanz: Berlin und Brandenburg entwickeln sich sehr unterschiedlich. Während die Berliner Unternehmen sich als finanziell stabil präsentieren und der Leerstand mit einer gewissen Gelassenheit betrachtet wird, fordern die Brandenburger mehr Geld. Neben Investitionen soll auch der Abriss von Wohnungen stärker gefördert werden.

"Ohne weitere Unterstützung können wir mit der sinkenden Nachfrage nicht Schritt halten", sagt Ludwig Burkardt, Vorstandsmitglied des BBU mit Blick auf Brandenburg. Der Verband erwartet, dass beim gegenwärtigen Tempo des Stadtumbaus der Leerstand im so genannten äußeren Entwicklungsraum - also außerhalb des Berliner Rings - massiv zunimmt. Die Leerstandsquote der BBU-Unternehmen in Brandenburg beläuft sich derzeit auf 14,9 Prozent. Ohne den Abriss von 4920 Wohnungen im Jahr 2003, so Burkardt, würde der Leerstand aber bei 20 Prozent liegen. Den Löwenanteil steuerten hier die Grenzstädte Guben, Frankfurt (Oder), Schwedt und Cottbus bei.

Ganz anders in der Hauptstadt: Dort werden von den BBU-Mitgliedsunternehmen rund 717000 Wohneinheiten verwaltet. Davon stehen rund 39000 leer, also etwa 5,5 Prozent. In Ost-Berlin sind es 7,4 Prozent (weiterhin rückläufig) und in West-Berlin sind es 3,4 Prozent (stagnierend). Aber es kommt noch besser: "Wegen echter Vermietungsschwierigkeiten stehen lediglich 16710 Wohnungen oder 2,3 Prozent leer", verkündet der BBU ganz entspannt.

Die Belegungsquote spiegelt sich auch in den Finanzen wider: Die Brandenburger fordern, von Altschulden bei leer stehenden Wohnungen entlastet zu werden. 1993 wurden die Wohnungsunternehmen bis zu einem Sockelbetrag von ihren Altschulden befreit. Dafür stellt die Bundesregierung bereits 931,8 Millionen Euro zur Verfügung. Die verbleibende Summe sollte aus Mieteinnahmen getilgt werden. Doch das schaffen die BBU-Unternehmen in Teilen nicht. Auch hier bietet sich in Berlin ein völlig anderes Bild: Die Unternehmen präsentieren sich als "finanziell absolut stabil" (BBU). 290 Millionen Darlehensmittel aus Wohnungsbauprogrammen der 70er seien bis Ende 2003 vorzeitig an den Senat zurückgezahlt worden. Außerdem hätten die städtischen Wohnungsbaugesellschaften in den letzten Jahren im Rahmen ihrer Kreditverpflichtungen ihre Tilgungsraten gesteigert.

Auch in Sachen Modernisierung hallen Erfolgsmeldungen aus der Hauptstadt: In Ost-Berlin seien "lediglich 18 Prozent" der Wohnungen noch nicht oder nur geringfügig modernisiert. "Eine enorme Leistung", lautet das Eigenlob. Die Brandenburger sehen hingegen noch größeren Bedarf - vor allem hinsichtlich der Förderung von Modernisierungsmaßnahmen. Der Bund zahlte etwa 20 bis 25 Millionen Euro von 313,4 Millionen Euro, die die BBU-Unternehmen 2003 investierten. Burkardt: "Angesichts des Leerstands und der restriktiven Vergabe von Modernisierungskrediten sind die Unternehmen in hohem Maß auf die Zulage angewiesen, wenn sie weiter investieren wollen." Die Zulage müsse es auch über das Jahresende hinaus geben.

Am Jahresende laufen die gesetzlichen Regelungen zur Investitionszulage aus. Ob und in welcher Form sie fortgeführt wird, ist gegenwärtig offen. Erste Entwürfe sehen vor, die Zulage künftig nur noch für Modernisierungen in den Innenstädten zu gewähren. Der Deutsche Mieterbund plädiert dafür, die Gelder aus der gestrichenen Eigenheimzulage künftig für die Modernisierung von Mietwohnungen einzusetzen.

Doch die Brandenburger BBU-Mitglieder können von Modernisierung und Abriss gar nicht genug kriegen. Sie fordern: Das Land sollte ferner mit einem Umschuldungsprogramm den Abriss auch sanierter, "mit Modernisierungskrediten belasteter" Wohnungen erleichtern. Erst soll der Staat also die Modernisierung bezahlen und anschließend den Abriss - den Brandenburger Wohnungsunternehmen geht es offensichtlich wirklich nicht gut!

Lars Klaaßen

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Trotz massiver Abrisse beträgt die Leerstandsquote in Brandenburg 15 Prozent: Plattenbau-Abriss in Cottbus
Foto: Paul Glaser

 Steckbrief

Der BBU-Wohnungsbestand
Dem BBU gehören in Berlin 145 Wohnungsunternehmen an, die insgesamt 717000 Wohnungen verwalten, davon im eigenen Bestand 604000 Wohneinheiten. Der BBU wird häufig als Verband der "Städtischen" gesehen. Die Mitgliedsunternehmen kommen jedoch aus den verschiedenen Rechtsformen. Rund 330000 der von BBU-Mitgliedern in Berlin bewirtschafteten Wohnungen sind im nichtöffentlichen Bereich angesiedelt.

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