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Mehr als ein Jahrzehnt nach der Wende übt Wohnen im Grünen noch immer eine große Faszination auf viele Berliner aus. Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Landesamts Berlin zogen im Jahr 2001 annähernd 29000 Hauptstädter ins Umland, in umgekehrter Richtung waren es hingegen nur etwa 15000. In nur einem Jahr sind also per Saldo mehr als 14000 Einwohner aus Berlin in den Speckgürtel abgewandert. Zwischen 1991 und 2001 sind mittlerweile mehr als 270000 Berliner ins Umland gezogen.
Der Höhepunkt der Abwanderungswelle scheint jedoch überschritten. Der Wegzug ins Umland ist nicht mehr so populär wie noch Ende der 90er Jahre. In dieser Zeit verlor Berlin per Saldo jährlich bis annähernd 30000 Einwohner ans Umland. Meist waren es überdurchschnittlich potente Steuerzahler - oft Familien mit Kindern - die der Hauptstadt den Rücken kehrten. Entweder nutzten sie die Gelegenheit, in Brandenburg billiges Bauland zu kaufen, erwarben Eigentumswohnungen in lukrativen Lagen im Märkischen oder bezogen preiswerte Mietwohnungen, die mit einem im Vergleich zu Berlin hohen Komfort ausgestattet sind. Experten beziffern die Steuerausfälle für das Land Berlin als Folge dieser Abwanderung in den Speckgürtel auf rund eine halbe Milliarde Euro. Eckart Elsner, Direktor des Statistischen Landesamts Berlin, sieht im Anwachsen des Speckgürtels einen Nachteil für Berlin und Brandenburg: "Anstelle der in vieler Hinsicht sinnvollen dezentralen Konzentration fand keine Verdichtung der Städte statt, sondern eine konzentrierte Dezentralisation der Fläche um Berlin." Die Folgen der zunehmenden Zersiedlung des Umlandes sind vielfältig: Neben der fortschreitenden Versiegelung von Flächen hat sie vor allen Dingen eine erhebliche Zunahme des Autoverkehrs zur Folge, weil viele Wegzügler weiterhin in Berlin arbeiten und oftmals auch ihren Lebensmittelpunkt in der Stadt behalten. Die Einwohnerzahl Berlins blieb in den vergangenen Jahren nur deswegen einigermaßen konstant, weil die Bevölkerungsverluste an das Umland durch Zuzüge von Menschen aus dem Ausland und den alten Ländern halbwegs kompensiert werden konnten. Dennoch leben in Berlin heute annähernd 100000 Menschen weniger als noch Mitte der 90er Jahre. Zu dieser Entwicklung trug nicht nur die Abwanderung ins Umland bei, sondern auch, dass in der Hauptstadt seit Jahren mehr Menschen sterben als neu geboren werden. Derzeit leben in Berlin etwa 443000 Menschen mit ausländischem Pass aus insgesamt 182 Ländern. Lediglich zehn der 191 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen sind in der deutschen Hauptstadt nicht vertreten. Etwa 68700 der ausländischen Bürger stammen aus EU-Mitgliedsstaaten. Der Anteil der gemeldeten Ausländer an der Berliner Gesamtbevölkerung beträgt 13,3 Prozent. Die verhältnismäßig größten Ausländeranteile haben die Bezirke Mitte (27,3 Prozent), Friedrichshain-Kreuzberg (23,1 Prozent) sowie Neukölln (21,6 Prozent). In den Bezirken Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick haben lediglich rund 3 Prozent der Einwohner eine ausländische Staatsbürgerschaft. Diese Zahlen belegen exemplarisch den unterschiedlich hohen Ausländeranteil in den beiden Stadthälften: Im Westteil liegt er bei 17,7 Prozent, im Ostteil bei 5,9 Prozent.
Volker Wartmann
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