MieterMagazin

 Juni 2002 - aktuell

Ausstellungs-Tipp

Kiezalltag in Kreuzberg und Friedrichshain - Die ungleichen Schwestern erzählen

Zwei Straßen, zwei Kieze treffen sich. Der sonst kaum beachtete Alltag in der Boxhagener Straße in Friedrichshain und in der Oranienstraße in Kreuzberg steht im Zentrum der Ausstellung "Ungleiche Schwestern", die gerade im KreuzbergMuseum läuft. Zwei Verkehrsadern aus fusionierten Bezirken, die die soziale Stadterneuerung zu unterschiedlichen Zeiten durchlaufen haben. In Ost wie in West sind die Fassaden nach außen hin bunter geworden. Doch welche Eindrücke und Erfahrungen spielen im Leben der Bewohner eine Rolle nach all den planerischen Stadterneue-rungsabsichten, nach Mauerfall und Hauptstadtstatus? Eine Suche nach den ganz persönlichen Beobachtungen und Gefühlen von Anwohnern und Geschäftsleuten zu "ihrer" Straße wurde gewagt. Insgesamt 64 Interviews fanden in beiden Straßen statt. Die Straßenzüge selbst wurden für die Ausstellung als große Fassadenfotokulissen nachgebaut. Sofort erkennbar also, in welchem Haus genau der jeweilige Erzähler wohnt.

Mit Zitaten, Porträtfotos und Tonaufnahmen werden an diesen Interview-stationen subjektive Momente eingefangen, die Einblicke hinter Fenster und Türen zulassen. Vom Ex-Hausbesetzer über den alteingesessenen Farbenhändler, die türkische Migrantin, die neu hinzugezogene junge Kleinfamilie, bis hin zur 100-jährigen Lotte Kirchberger, die sich erst nach fünf Jahren an ihr frisch saniertes Haus gewöhnen konnte: Ein vielstim-miges Geflecht aus Gegenwart und Vergangenheit wird gewoben, dessen Fäden sich überlagern oder kreuzen.

Kerima Bouali und Thomas Ammerl, die die Ausstellung für die Mieter-beratungsgesellschaft ASUM erstellt haben, haben bewusst darauf verzichtet, den unterschiedlichen, ganz individuellen Sichtweisen, die auf den beiden 700 Meter langen Straßenabschnitten zum Vorschein kommen, eine abschließende Bewertung überzustülpen. Stattdessen informieren knappe Hintergrundtexte über die Stadtentwicklung.

Sabine Schuster

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Ausstellung
"Die ungleichen Schwestern" KreuzbergMuseum, Adalbertstraße 95 a,
Mittwoch bis Sonntag
von 12 bis 18 Uhr,
bis 1. September.
Der Eintritt ist frei.
Foto: Michael Schroedter

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