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Vom 7. bis 9. Juni findet in der "WeiberWirtschaft" in der Anklamer Straße eine Tagung der deutschen Beginen statt. Dr. Erika Riemer-Noltenius stellt das Bremer Beginenhof-Modell vor, am Nachmittag wird diskutiert, wie Frauenwohnprojekte langfristig abgesichert werden können. "Beginen", mag sich mancher fragen, "... schon wieder eine neue Sekte?" Aber die Beginen sind keine Sekte und neu ist diese Form der Frauenbewegung auch nicht.
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Bereits im Mittelalter bot der Beginen-Laienorden den Frauen die Möglichkeit, unabhängig von Männern zusammenzuleben und -zuarbeiten - gegen den Widerstand der Handwerkerzünfte, denen die Beginen heftig Konkurrenz machten. Die Reformation des 16. Jahrhunderts führte zur Auflösung der Beginenkultur - auch Martin Luther vertrat damals die Meinung, dass Frauen ausschließlich als Hausfrauen und Mütter tauglich seien. 1981 starb in Belgien die letzte europäische Begine.
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Das hinderte selbstbewusste Frauen nicht daran, sich in ihrem Kampf um Gleichberechtigung auch auf die Beginen zu berufen. "Gemeinsam leben und arbeiten" - unter diesem Motto stand ein Hausprojekt in der Potsdamer Straße 139 in den 80er Jahren. Frauen versetzten den maroden Altbau in einen bewohnbaren Zustand und richteten 1986 in der ehemaligen Eckkneipe die "Begine" ein - noch heute als Café, Bistro und Bar Treffpunkt der Berliner Frauenbewegung.
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Der "BeginenWerk e.V." in Berlin-Kreuzberg unterstützt seit zehn Jahren wohnungslose Frauen in Berlin bei der Wohnungssuche und bietet Notunterkünfte an. Der Verein hat mehrere Wohnungen angemietet, um Raum für betreutes Wohnen und sozial benachteiligte Frauen und Kinder zur Verfügung stellen zu können. Neuestes Projekt des Vereins ist ein Wohnprojekt für Frauen am Erkelenzdamm. In den nächsten drei Jahren sollen hier 40 bis 45 Wohnungen ausschließlich für Frauen entstehen. Der Kreis der Betroffenen ist groß: Jutta Kämper, als Sozialplanerin seit Jahren im Vorstand des Vereins, geht von 600000 allein wohnenden und allein erziehenden Frauen in Berlin aus. Gut 60 haben bereits Interesse für das Frauenwohnprojekt bekundet. Diese relativ geringe Resonanz resultiert wohl vor allem aus Quadratmeterpreisen zwischen 2100 und 2250 Euro, die für die Eigentumswohnungen (inklusive Gemeinschaftsflächen) in dem Haus zu zahlen sind. Jutta Kämper: "Frauen, die Eigentümerinnen werden, genießen ein Stück mehr soziale Sicherheit. Eine eigene Wohnung ist ein wichtiger Baustein für die Altersvorsorge, gerade auch für Frauen." Eine Stiftung soll das Projekt auf lange Sicht sichern. Bauträger ist die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892, die bereits das Frauenwohnprojekt "Offensives Altern" in Buckow realisiert hat.
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Der Kauf einer Wohnung erfolgt entweder durch Ratenzahlung entspre-chend dem Baufortschritt oder durch Bezahlung des Kaufpreises in einer Summe nach Bauabschluss. Als Aufwandsentschädigung für anfallende Zinsen zahlt der Verein circa 20000 Euro pro Wohnung, verteilt auf fünf Jahre. Jutta Kämper ist auf Seriosität bedacht, schließlich war ein ähnliches Projekt in Bremen im vergangenen Jahr auf Grund von Dreiecks-Geschäften bei der Finanzierung in die Kritik geraten. Das Projekt am Erkelenzdamm soll "Nähe zulassen, ohne einzuengen". Für Gäste kann ein Appartment im Haus gemietet werden, für Feiern, Yoga oder andere Aktivitäten steht ein Gemeinschaftsraum zur Verfügung. Auch die große Dachterrasse ist für alle da. Frauen und Mädchen aus der Umgebung können den Gemeinschaftsraum mitbenutzen. Zunehmende Individuali-sierung schafft neue Freiräume, kann aber auch zur Vereinsamung führen. Das Frauenwohnprojekt ist eine echte Alternative zu tradierten Wohn-formen.
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Rainer Bratfisch
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"Die Zahl der allein erziehen-
den Frauen in Berlin ist riesig": Planerin Jutta Kämper
Foto: Rolf Schulten
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Kurz erläutert
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Beginen
Beginen sind Frauen, die unter einer frei gewählten Vorstehe-rin ohne Klostergelübde in "Beginenhöfen" ein andächti-ges Leben führen, ohne einem Orden im eigentlichen Sinne anzugehören. Ihre Blütezeit war das 13. und 14. Jahrhun-dert in Westeuropa, einzelne Beginenhäuser bestehen heute noch in Belgien und Holland.
Ökomenisches Heiligenlexikon
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