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Die Bauarbeiten in der Oranienburger Straße 22 lassen nicht vermuten, dass das Haus noch bewohnt wird. Doch elf Mietparteien leben hinter den Baugerüsten und wehren sich heftig gegen die "Herausmodernisierung" durch den Eigentümer "Trend Immobilien Schneider". Die bezirkliche Sanierungsverwaltung sieht sich indes nicht mehr in der Lage, den Mietern zu helfen.
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Ein "Schmuckstück mit viel Charme" werde hier saniert, verheißt das Transparent der "Trend Immobilien" am Haus Oranienburger Straße 22. Doch im Moment ist das Haus eine Baustelle mit viel Lärm und Dreck. Seit Januar saniert die Firma "Trend Immobilien" das Mietshaus, um es in Eigentumswohnungen aufzuteilen und zu verkaufen. Auf Grund der attraktiven Lage in der Spandauer Vorstadt mit Blick auf die Museumsinsel werden Spitzenpreise von über 3000 Euro pro Quadratmeter erzielt. Die Mieter stehen dem profitablen Umwandlungsgeschäft im Wege und fühlen sich nicht erst durch die Baumaßnahmen vom Eigentümer massiv unter Druck gesetzt. "Die zehnjährige Kündigungssperrfrist ist kein echter Schutz", sagt Hartmann Vetter, Hauptgeschäftsführer des Berliner Mieterverein. Die Wohnungen werden mit ganz neuen Grundrissen verkauft. So soll im Vorderhaus ein Aufzug durch die heutigen Küchen fahren. Nicht nur die im Rahmen der senatsgeförderten Mietermodernisierung vorgenommenen Eigeneinbauten bleiben bei den Bauplänen unberücksichtigt. Auch werden kleinere Wohnungen im Seitenflügel gleich ganz "weggeplant". Das Treppenhaus im rechten Seitenflügel wird bereits abgerissen. Weil der Hofkeller weggerissen wurde, kommen die Bewohner des linken Seitenflügels zurzeit nur durch den Keller in ihre Wohnungen. Aus einer "kurzzeitigen" Gasabschaltung im Januar wurden sechzehn Tage, an denen die Hausbewohner kein Warmwasser hatten und zum Teil weder heizen noch kochen konnten.
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Von den einst 24 Mietparteien sind schon vor Baubeginn 13 ausgezogen. In den leeren Wohnungen wird alles bis auf die tragenden Wände rausgerissen, weil die Balkendecken angeblich von Schwamm und Fäule befallen sind und deshalb ausgetauscht werden müssen. "Das Holzschutzgutachten spricht aber dagegen", sagt Mieter Michael Kanter. Nur unter dem Dach und im Keller sei an einigen Stellen Schwamm festgestellt worden. "Trotzdem stellt sich der Eigentümer auf den Standpunkt, dass dies eine Instandsetzung sei, die wir dulden müssen", berichtet Kanter.
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Eines Tages musste er feststellen, dass von der leeren Nachbarwohnung aus ein Loch in seine Badezimmerwand gestemmt worden war. Erst nach vielen Schreiben an die Hausverwaltung ist es von den Bauarbeitern wieder geschlossen worden. Wie Mieter berichten, kündigte der Vermieter schon vorsorglich an, dass ihre Hochparterre-Wohnung unbewohnbar werde, weil ins Souterrain eine Gaststätte ziehen soll.
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Die elf jetzt noch verbliebenen Mietparteien wollen erklärtermaßen auch in Zukunft bleiben. Eine Modernisierungsvereinbarung zwischen Mieter und Eigentümer wurde auch in keinem Fall geschlossen, obwohl ein Einvernehmen mit den Bewohnern des Hauses im Sanierungsgebiet Spandauer Vorstadt Voraussetzung für eine Baugenehmigung ist. "Die Sanierungsverwaltungsstelle müsste die Genehmigung zurückziehen", meint Michael Kanter. Doch im Bezirk sieht man sich nicht mehr in der Lage, diesen Schutz der Mieter vor Verdrängung durchzusetzen. "Der Bezirk hat schon reihenweise Prozesse verloren", berichtet Andreas Wilke vom Sanierungsbeauftragten "Koordinationsbüro". Das Verwaltungsgericht gibt Hauseigentümern immer öfter Recht, wenn sie dagegen klagen, dass die Genehmigung von Sanierungsmaßnahmen mit der Auflage verbunden ist, sich mit den Mietern zu einigen. "Danach ist es ein privatrechtlicher Streit zwischen Mieter und Vermieter", so Wilke.
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"Trend Immobilien" scheut auch den Gang vor die Gerichte nicht: Sechs Mieter wurden auf Duldung der Baumaßnahmen verklagt, vier Mietparteien wurde fristlos gekündigt. Zwei Räumungsklagen sind schon gegen die Mieter entschieden worden: In einem Fall, weil der Mieter Besichtigungstermine mit angeblichen Kaufinteressenten nicht eingehalten habe. Ein weiterer Mieter, der seit 45 Jahren im Haus lebt, soll wegen umstrittener Mietzahlungsrückstände und einer 20 Jahre zurückliegenden "Kellerbesetzung" die Wohnung räumen.
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Auch nach einem Treffen mit den Mietern beharrt "Trend Immobilien"-Chef Schneider auf den Räumungen. Doch langsam gerät er in Zeitnot: Einer Käuferin ist die Fertigstellung der Wohnung zum Oktober 2002 vertraglich zugesichert. Die Mieter hoffen, dass der Eigentümer durch den Zeitdruck einsichtig wird und sich mit den Bewohnern einigt.
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Jens Sethmann
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Durch den Keller in die Woh-
nung: Modernisierung in der Oranienburger Straße 22
Foto: Jens Sethmann
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" Schneider ist absolut nicht daran gelegen, Frieden herzustellen."
Mieter Hartmut Pätzke
über den Eigentümer
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