MieterMagazin

 Mai 2003 - aktuell

Sanierungsgebiet Kolonnenstraße wird aufgehoben

Schatten voraus

Viele Bewohner des Crellekiezes befürchten, dass sie nach der Aufhebung des Sanierungsgebiets Kolonnenstraße mit erheblichen Mietpreissteigerungen rechnen müssen. Das Sanierungsgebiet im Stadtteil Schöneberg soll nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bereits in diesem Frühsommer seinen bisherigen Status verlieren. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land hat angekündigt, daraufhin die nicht- oder nur teilsanierten Häuser in dem Gebiet zu verkaufen.

Der Berliner Mieterverein (BMV) kritisiert, dass Mieter, die nicht zum Kauf ihrer Wohnungen bereit beziehungsweise in der Lage sind, im Falle eines Verkaufs an andere lediglich einen auf zehn Jahre begrenzten Kündigungsschutz erhalten und keinen unbefristeten. Bei den Gebäuden, die die Stadt und Land zu verkaufen plant, handelt es sich um die Häuser in der Kolonnenstraße Nr. 56 bis 58, 60 und 61, in der Crellestraße 6, 11, 38, 39 und 48, in der Hauptstraße 146 und 147, in der Helmstraße 6 und am Kaiser-Wilhelm-Platz 5. Der Verkaufspreis soll sich an dem aktuellen Verkehrswert orientieren, den das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg kürzlich ermittelt hat. Er liegt, je nach Lage und Zustand der Wohnungen, zwischen 350 und 590 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Nach eigenen Angaben will Stadt und Land die Häuser "zunächst und vorrangig" den Mietern zum Kauf anbieten. Auch wer Mieter bleibe und nicht kaufe, sei künftig vor Luxusmodernisierungen geschützt. Denn mögliche Investoren müssten sich verpflichten, bei Modernisierungen nur Maßnahmen durchzuführen, die den "allgemein üblichen" Standard "nicht erheblich" überschreiten, so die Angaben von Stadt und Land. Als "allgemein üblich" gilt der Standard von geförderten Wohnungsbaumaßnahmen. "Aber selbst Mieterhöhungen für diesen Standard werden sich vermutlich nicht alle Betroffenen leisten können, die teilweise seit Jahrzehnten in sehr preiswerten Ofenheizungswohnungen leben", sagt Elisabeth Voß, Mitbegründerin der Initiative der MieterInnen im Sanierungsgebiet Kolonnen-/Haupt-/ Crellestraße.

In einigen Häusern, die zum Verkauf anstehen, denken Mieter darüber nach, diese selbst zu kaufen, so Voß. Sie hält Genossenschaftsgründungen zum Kauf der Häuser für "die sozial verträglichste Form der Privatisierung". "Liegt der Kaufpreis pro Quadratmeter jedoch über 400 Euro, sind auch für Genossenschaften keine akzeptablen Mieten mehr erreichbar", sagt Voß. Es erweise sich jedoch als schwierig, die heterogenen Interessen der Mieterschaft im Crellekiez unter einen Hut zu bringen. So hätten erst die Mieter aus zwei Häusern die Möglichkeit genutzt, bezüglich eines möglichen Kaufs beim Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg eine Beratung zu beantragen.

Im Sanierungsgebiet um den Crellekiez hat Stadt und Land seit 1984 mit staatlicher Förderung mehr als zwei Drittel der Häuser saniert. Die Crelle-, Helm-, Herbert- und Ebersstraße wurden verkehrsberuhigt, zwei neue Spielplätze gebaut. Rund 2500 Menschen leben hier, annähernd die Hälfte davon ist nichtdeutscher Nationalität.

Volker Wartmann

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