MieterMagazin

 Mai 2003 - aktuell

A 100-Verlängerung

Auf alle Fälle Autobahn

Im Herbst wird der neue Bundesverkehrswegeplan verabschiedet. Er sieht unter anderem die Verlängerung der Berliner Stadtautobahn A 100 bis zum Treptower Park vor. Das Geld kommt vom Bund, Baubeginn könnte 2008 sein. Auch im Interesse der Anbindung des neuen Flughafens BBI drängt Stadtentwicklungssenator Peter Strieder auf eine zügige Realisierung.

Die Planungen für die A 100 stammen noch aus den 30er Jahren. Sie wurden in den 50er Jahren - für das damalige West-Berlin - und in der Planungseuphorie Anfang der 90er Jahre - für Gesamt-Berlin - wieder aufgegriffen. Das ehemalige Ost-Berlin sollte nicht länger "stadtautobahnfreie Zone" bleiben, auch wenn es hier mit der B 1/5 (Frankfurter Allee) und der B 96a bereits zwei sechsspurige Ausfallstraßen gibt. Projekte wie die "Schließung des mittleren Straßenrings" basieren unter anderem auf einer Zunahme der Bevölkerungszahl und der Arbeitsplätze, die so nicht eingetreten ist. Der Stadtentwicklungsplan (STEP) Verkehr legt deshalb als "strategische Handlungslinie" eindeutig fest, die Verkehrsinfrastrukturerweiterung auf Kosten des Bestandserhalts zu beenden. Pflege vor Erweiterung ist angesichts eines Rückstands in der Straßenunterhaltung von circa 256 Millionen Euro die einzig mögliche und richtige Strategie.

Senator Peter Strieder sieht das anders. Er bestätigte kürzlich noch einmal, dass die A 100 langfristig bis zur Landsberger Allee verlängert werden soll und auch dieser Abschnitt planerisch gesichert sei. Es ist ihm gelungen, für das Teilstück Neukölln-Am Treptower Park einen "vordringlichen Bedarf" zu konstruieren, obwohl hierfür bisher im Regelfall ein Kosten-Nutzen-Faktor von mindestens 3,0 erforderlich war und die Planer für diesen Abschnitt gerade mal auf magere 2,3 kommen. Verständlich auch, dass Alex Wunschel, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg, und die Industrie- und Handelskammer die Verlängerung der A 100 begrüßen, ist sie doch der Strohhalm für eine gebeutelte Branche.

Im Herbst 2005 soll das Planfeststellungsverfahren beginnen. Ab 2008 könnte der 465 Meter lange Tunnel im Bereich der Grenzallee gebaut werden. Für die Diesel- und die Kiefholzstraße sowie den S-Bahn-Ring sind Brücken vorgesehen. Der erste Abschnitt der verlängerten A 100 könnte 2011 übergeben werden, bis zur Elsenbrücke sollen die Autos ab 2012 rollen. Beim Umbau des Bahnhofs Ostkreuz sollen bereits die Stützen für einen zweistöckigen, 14 Meter breiten Autotunnel integriert werden. Zurzeit formiert sich bei den betroffenen Anwohnern aber der Widerstand. Wer will schon jahrelang an einer kilometerlangen Baugrube leben und später täglich etwa 130000 vorbeirollende Pkw und Lkw ertragen?

Die vorgesehenen Lärmschutzwände und eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h werden den Verkehrslärm zwar mindern, mit der beschaulichen Ruhe in weiten Teilen Treptows wird es dennoch unwiederbringlich vorbei sein. Auch zahlreiche Kleingärten, Teil der "Grünen Lunge" der Hauptstadt, müssen dem Projekt weichen.

Nach neuesten Berechnungen wird der Bund fast 260 Millionen Euro für die Verlängerung der A 100 vom Dreieck Neukölln bis zum Treptower Park und die Anschlussstellen an der Grenzallee, der Sonnenallee und am Treptower Park ausgeben. Dazu kommen 50 Millionen Euro für Grundstückskäufe und Entschädigungszahlungen. Auch wenn die weitere Verlängerung der A 100 bis zur Landsberger Allee in die fernere Zukunft verschoben wurde - Peter Strieder praktiziert die gleiche Salamitaktik wie seine Vorgänger Haase und Klemann: Ist die Autobahn erst am Treptower Park und staut sich dort der Verkehr, folgt mit Sicherheit die nächste Etappe.

Rainer Bratfisch

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"Vordringlicher Bedarf":
geplante Verlängerung
der A 100 in Richtung Treptower Park
Grafik: Susanne Nöllgen/GrafikBüro

 Zitiert

Schlechte Bedingungen
"Verkehrslärm und verkehrsbedingte Luftbelastung in den dichten innerstädtischen Wohngebieten, an bewohnten Hauptverkehrsstraßen, relativ hohe Unfallgefährdung sowie durch Parken reduzierte und entwertete öffentliche Räume verschlechtern die innerstädtischen Lebensbedingungen; diese wirken sich in sozialer Segregation und Leerstand beziehungsweise Abwanderung an den Stadtrand beziehungsweise das Umland aus."
STEP Verkehr

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