MieterMagazin

 Mai 2003 - aktuell

Studentendorf Schlachtensee

Für 10 Millionen Euro
an Studenten-Genossenschaft?

Der Senat hat beschlossen, das Studentendorf Schlachtensee für 10 Millionen Euro an die Genossenschaft "Studentendorf Berlin-Schlachtensee e.G." zu verkaufen. Bis zum 30. Juni soll der Liegenschaftsfond einen Kaufvertrag mit der studentischen Genossenschaft ausgehandelt und abgeschlossen haben.

Mit dem Senatsbeschluss ist das jahrelange Tauziehen um die Zukunft des Studentendorfs Schlachtensee jedoch nicht automatisch beendet. Der Genossenschaft ist der Kaufpreis von 10 Millionen Euro zu hoch. Sie hält 7,7 Millionen Euro für einen angemessenen Preis für die insgesamt 27 Häuser auf dem Areal an der Potsdamer Chaussee 31-33/Wasgenstraße 75. "Durch den Leerstand sind in den vergangenen zwei Jahren Frost- und Wasserschäden an zahlreichen Gebäuden entstanden, die sich auf etwa 4,3 Millionen Euro belaufen", sagt Jörg Müller, Aufsichtsratsmitglied der studentischen Genossenschaft. Die Genossenschaft rechne mit Kosten in Höhe von etwa 10 bis 12 Millionen Euro für die komplette Sanierung der denkmalgeschützten Häuser.

Das Geld für den Kauf und die Sanierung will die Genossenschaft über den Verkauf von Genossenschaftsanteilen einnehmen. "Eine Investition in Genossenschaftsanteile im Wert von mindestens 5150 Euro ist insbesondere für Familien mit Kindern lohnenswert", sagt Müller. "Durch die staatliche Förderung über die Eigenheimzulage können Einlagen ab dieser Höhe den Anlegern eine staatlich garantierte Rendite von bis zu 13 Prozent bringen." Die Zeit für diese Anlageform wird für die Genossenschaft und potenzielle Anleger allerdings knapp. Bekanntlich will die Bundesregierung das Gesetz über die Eigenheimzulage demnächst ändern. Auch wenn die Eigenheimzulage gekürzt werde, habe die Genossenschaft noch "weitere attraktive Abschreibungsmodelle" in petto, sagt Müller. Auf welche Summe sich die Höhe der bisherigen Einlagen beläuft, will Müller nicht verraten. Auf jeden Fall sei noch viel Akquisitionsarbeit notwendig. Dazu werde man sich in Kürze der Unterstützung eines bundesweit aktiven Fondsvertriebs bedienen, so Müller. Müller zeigt sich optimistisch: "Wir werden das Geld rechtzeitig zusammenkriegen." Die kleinsten Genossenschaftsanteile kosten 50 Euro. Ein Risiko gingen Käufer von Genossenschaftsanteilen nicht ein. Wenn im schlechtesten Fall nicht genug Geld zusammenkäme, bekämen die Genossenschafter ihre Anteile nach Beschluss der Genossenschafterversammlung einfach wieder ausbezahlt, so Müller.

Schwierigkeiten, für die rund 1000 Wohnplätze Mieter zu finden, befürchtet die Genossenschaft nicht. "Hier im Südwesten Berlins gibt es einen erheblichen Bedarf an günstigen Wohnungen", sagt Müller. Die Wohnungen seien insbesondere für Studierende an der Freien Universität Berlin, an der Uni Potsdam sowie Stipendiaten attraktiv. Bis zum endgültigen Kauf werde die Genossenschaft Wohnungen befristet vermieten, so Müller.

Als Partner hat die studentische Genossenschaft die Potsdamer Bau- und Immobilienberatungsfirma Nippon Development Corporation GmbH (NDC) gewinnen können. NDC wird sich nach Angaben ihres Geschäftsführers Peter Sauter darum kümmern, den Parkplatz im Norden des Geländes "für einen möglichst guten Preis" an einen Investor zu verkaufen, der ihn dann mit Doppel- und Reihenhäusern bebauen kann. "Uns geht es in erster Linie um den Erhalt des Studentendorfes", sagt Sauter. "Das Dorf ist schließlich ein einzigartiges Baudenkmal in der Stadt."

Volker Wartmann

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Gerangel den Kaufpreis, aber das "Denkmal" bleibt erhalten:
Studentendorf Schlachtensee
Foto: Volker Wartmann

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