MieterMagazin

 Mai 2003 - aktuell

Immobilien

Zwangsversteigerungen auf Rekordniveau

Die Zahl der Zwangversteigerungen von Immobilien hat im vergangenen Jahr erneut einen Höchststand erreicht - sowohl bundesweit als auch in Berlin. In Berlin wurden 2002 erstmals mehr als 3000 Immobilien in einem Jahr zwangsversteigert, in Brandenburg annähernd 4000, in Deutschland waren es insgesamt 87800. Diese Zahlen veröffentlichte kürzlich die Ratinger "Argetra GmbH". Die Argetra GmbH ist der Verlag, der regelmäßig sämtliche Zwangsversteigerungstermine der deutschen Amtsgerichte veröffentlicht.

Die Zahl der Zwangsversteigerungen in Deutschland nimmt seit Anfang der 90er Jahre stetig zu. Waren es 1992 noch 20800 Objekte, die unter den Hammer kamen, waren es 1995 bereits 26200. Innerhalb von weiteren vier Jahren verdoppelte sich die Zahl auf 52800 Zwangsversteigerungen im Jahr 1999. Im Jahr 2000 waren es 57600. 2001 stieg die Zahl auf annähernd 80000 und im vergangenen Jahr auf fast 88000. Mit einer Zunahme um 9,3 Prozent lag die Region Berlin/Brandenburg 2002 erstmals unter dem Bundesdurchschnitt, der im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2001 bei rund 10 Prozent lag. Die größten Zunahmen an Zwangsversteigerungen im Vergleich zum Vorjahr gab es in Niedersachsen/Bremen mit fast 22 Prozent und in Bayern mit 18 Prozent. Einzig in Baden-Württemberg konnte im vergangenen Jahr ein minimaler Rückgang (minus 0,5 Prozent) beobachtet werden. Bezogen auf die Einwohnerzahl wurden 2002 in den neuen Ländern Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die meisten Immobilien zwangsversteigert, in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg die wenigsten.

Der Verkehrswert der versteigerten Immobilien lag 2002 in Berlin/Brandenburg bei annähernd 2 Milliarden Euro, in Gesamt-Deutschland bei etwa 18 Milliarden Euro. Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der versteigerten Objekte sind Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser, ein knappes Viertel (23 Prozent) Mehrfamilien-, Wohn- und Geschäftshäuser sowie Gewerbeobjekte. 5 Prozent der versteigerten Objekte sind Grundstücke, 2 Prozent Objekte wie Garagen und Wochenendhäuser.

Der Traum von den eigenen vier Wänden endet also für zunehmend mehr Wohnungskäufer und Häuslebauer im Fiasko. Ein Ende dieses Trends ist nicht abzusehen. "Man kann davon ausgehen, dass die Zahl der Zwangsversteigerungen in diesem Jahr noch weiter zunehmen wird", sagt Winfried Aufterbeck, Geschäftsführer der Argetra GmbH. Häufigste Ursachen einer Zwangsversteigerung seien die Folgen des Verlusts des Arbeitsplatzes und Scheidungen, bei denen sich die zerstrittenen Partner nicht auf eine gemeinsame Vorgehensweise einigen könnten, so Aufterbeck.

"Im Fall einer absehbaren Zwangsversteigerung verhalten sich viele Betroffene unklug, so dass sie noch nicht einmal das mögliche Maximum aus dieser Situation herausschlagen können", so Aufterbecks Erfahrung. Folge dieses Verhaltens sei, dass viele Betroffene Schulden für den Rest ihres Lebens mit sich schleppten, so Aufterbeck.

Des einen Leid, des anderen Freud: "Immobilien aus Zwangsversteigerungen sind heute so günstig wie schon lange nicht mehr", sagt Aufterbeck. Sein Ratschlag für potenzielle Wohnungskäufer: "Sie sollten über Eigenkapital von etwa 25 bis 30 Prozent des Kaufpreises und einen gesicherten Job oder ein bombastisches dauerhaftes Einkommen verfügen."

Volker Wartmann

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Leere Taschen bei immer mehr Immobilienbesitzern: Fast 90000 Zwangsversteige-rungen bundesweit im letzten Jahr
Foto: Volker Wartmann

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