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Einkaufszentren haben die Käufer jahrelang auf die grüne Wiese gelockt, nun drängen die Großmärkte wieder zurück in die Innenstadt. Zum Beispiel nach Moabit auf die Industriebrache der ehemaligen Paechbrot-Großbäckerei. Ein Investor plant dort im Sanierungsgebiet "Stephankiez" ein Hotel nebst großflächigen Einzelhandelsdiscountern, kleineren Läden, Restaurants und einigen wenigen Wohnungen. Ein Parkhaus mit rund 600 Stellplätzen soll der Investition den Erfolg garantieren. Der Ausschuss für Sanierung und Quartiersentwicklung des Bezirks Mitte hat die Entwicklungspläne inzwischen gebilligt.
Seit mehr als zehn Jahren bleiben auf dem 15000 Quadratmeter großen Industrieareal zwischen Stephan-, Birken- und Havelberger Straße die Backöfen kalt. Die Tore sind mit Stacheldraht gesichert, in großen Placken platzt die Farbe von der Fassade. Das unzugängliche Gelände nimmt einen großen Teil der Sanierungsgebietsfläche ein. In der Umgebung weisen leer stehende Ladengeschäfte, wie überall in Berlin, auf die schwierige wirtschaftliche Lage in der Stadt hin. "Wir sind hier in Tiergarten-Nord zum Hinterhof der Nation degradiert", meint Jutta Schauer-Oldenburg.
Sie wohnt schon lange in der Turmstraße und hat die negativen Folgen der Schließung des Krankenhauses Moabit vor Augen. Im Quartiersentwicklungsausschuss hat sie für die SPD dem 54-Millionen-Euro-Projekt zugestimmt. In den letzten Jahren waren viele Diskussionen, Vorschläge und Planungen zur Wiederbelebung der Brache immer wieder im Sande verlaufen. Nun scheint sich das Problem mit dem finanzkräftigen Investor, der "Wanzl GmbH" aus Leipheim, und der "ICI-Projektentwicklungsgesellschaft" samt deren schlüsselfertigem Gesamtpaket endlich auf einen Schlag zu lösen - "... eine Chance, die man nicht durch langes Rumlavieren vertun sollte", wie auch Stefan la Barré vom Betroffenenrat Stephankiez bekräftigt. Voraussichtlich werden auf dem Areal die Etap-Hotelkette, "Kaufland", ein Bau- und Elektronik-Fachmarkt sowie ein Möbeldiscounter einziehen. Kleinere Läden und einfache Restaurants, Bowlingzentrum und Fitnessstudio sollen den individuellen Mix bringen. "70 Prozent sind vermietet, die Verträge mit den Ankermietern, den Großen, liegen unterschriftsreif vor", sagt Eigentümervertreter Clemens Lammek, der die Planungen juristisch begleitet. Unter anderem werden rund 200 Arbeitsplätze versprochen. Die Bebauung soll zwei- bis sechsgeschossig mit Tiefgeschoss erfolgen, eine öffentliche Durchwegung ist geplant. Sven Diedrich, PDS-Ausschussmitglied, sieht allerdings die Wohnqualität des Sanierungsgebiets beeinträchtigt, sollte es bei der geplanten Bemessung der Handelsflächen und deren Nutzung bleiben. "Wenn sich ein Bau- oder Teppichmarkt mit überörtlichem Einzugsbereich ansiedelt, kommen viele mit dem Auto. Die gigantische Zahl an Stellplätzen wird nicht nur einmal am Tag angefahren werden." Gut zwei Kilometer in nordöstlicher Verlängerung der Stephanstraße kann man schon jetzt an der Pankstraße in Wedding beobachten, wie stark dort der Media-Markt und Möbel-Höffner von PKW-Kunden frequentiert werden. Im Stephankiez überlegt man derweil, wie durch Verkehrslenkung und Straßenrückbau der Fahrzeugstrom gebremst werden könnte. Ursprünglich waren sogar 750 Parkplätze gefordert worden, bei 600 sieht der Investor die Wirtschaftlichkeitsgrenze erreicht und macht unverhohlen Druck. Mehrere Gutachten habe man auf eigene Kosten anfertigen lassen, um Bezirksamt und Senat vom Sinn und der Kiez-Verträglichkeit der Unternehmung in dieser "noch nicht mal 1bb-Lage" zu überzeugen. "Wir tun alles, um das Verfahren zu beschleunigen", so Lammek. Sollten die Pläne allerdings scheitern, werde man "die Gebäude abreißen lassen, um die Grundsteuer zu reduzieren". Laut Sanierungsrecht müsste der Bezirk den Abriss bezahlen. Ein Stopp könnte von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung kommen, die die Turmstraße als zentralen Einzelhandelsstandort sieht. Die Frage, ob das Paechbrot-Gelände den Aufschwung oder den sicheren Todesstoß für die Turmstraße bedeutet, will man noch einmal "mit einer externen Untersuchung, die die Interessenslagen von Senat, Bezirk und Investor abwägt, prüfen lassen", so Stadtentwicklungssprecherin Petra Rohland. Vor Mitte Mai werden keine Entscheidungen fallen.
Sabine Schuster
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