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"Die Wohnanlage in der Sömmeringstraße 8-22 ist von der Degewo offensichtlich bereits aufgegeben worden. Man kann den Eindruck gewinnen, dass den Menschen das Wohnen hier vermiest werden soll." Das sagt Otto Eigen, stellvertretender Vorsitzender der Bezirksgruppe Charlottenburg-Wilmersdorf des Berliner Mieterverein. Bröckelnder Putz an den Außenwänden und Risse in den grauen Fassaden, gesprungene Fenster, defekte Haustüren und Schimmelflecken sind nur einige von "zahlreichen Missständen", mit denen die Bewohner laut Eigen leben müssen. "Die Degewo lässt die Häuser verkommen", sagt Eigen. "Offensichtlich plant die Wohnungsbaugesellschaft hier einen kalten Abriss."
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Die Degewo (Deutsche Gesellschaft zur Förderung des Wohnungsbaus) widerspricht solchen Anschuldigungen. "Wir halten die Häuser instand und vermietungsfähig", sagt Degewo-Pressesprecher Manfred Schörnick. "Wir investieren in die Häuser mehr, als wir durch die Mieteinnahmen hereinbekommen." Die Degewo plane nicht, die Häuser zu entmieten, um sie abreißen zu können. "43 der 52 Ein-Zimmer-Wohnungen mit Ofenheizung in der Sömmeringstraße 8-16 sind zurzeit vermietet", so Schörnick. Er bestätigt jedoch, dass die Degewo für das Gebäude Sömmeringstraße 20-22 eine Aufhebung des Denkmalschutzes beantragt habe. Bei diesem Haus mit 20 Wohnungen (davon 12 vermietet) handelt es sich um so genannte Holzbehelfsbauten, die unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg errichtet wurden.
Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) sieht nicht nur die Tage des "Provisoriums Sömmeringstraße 20-22" gezählt, sondern auch die der zwei Nachbarhäuser in der Sömmeringstraße 8-16, die im Rahmen des Aufbauprogramms 1952 errichtet wurden. Durch den Umbau des Kraftwerks Charlottenburg "vom Stromproduzenten zum Stromverteiler" auf dem angrenzenden Grundstück werde es "in den kommenden Jahren für den gesamten Abschnitt einen Veränderungsbedarf geben", so Gröhler.
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Der Bezirk hatte der Degewo die drei Häuser 1987 mit der Auflage übergeben, sie instand zu halten. Das Sozialamt Charlottenburg-Wilmersdorf hat das Belegungsrecht für die Häuser, in dem fast ausschließlich Sozialhilfeempfänger wohnen. Das Verhältnis zwischen Bewohnern, Degewo und Bezirksamt ist bereits seit längerer Zeit gespannt und konfliktgeladen. Eindrucksvolles Beispiel ist die Wohnung in der Sömmeringstraße 8, Hochparterre rechts: Die Tür ist nur angelehnt, das Schloss aufgebrochen. Auf dem Boden liegen hunderte leerer Bierflaschen und -dosen, vermoderte Jeans und Pullover, dazwischen abgegriffene Boulevardmagazine und steinharte Brotreste. Die Toilette ist verstopft und ein strenger Geruch dominiert die Luft in allen Räumen. Nach Auskunft von Nachbarn befindet sich die Wohnung bereits seit 1997 in diesem Zustand.
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Mieter der Wohnung war seit Mai 1997 Uwe W. Dieser habe die Wohnung jedoch nur wenige Monate genutzt und sie daraufhin in diesem vermüllten Zustand zurückgelassen, so ein Nachbar. Das Sozialamt Charlottenburg-Wilmersdorf bezahlte dennoch bis Ende des vergangenen Jahres die Miete für diese Wohnung. Der vermüllte Zustand der Wohnung war dem Bezirksamt und der Degewo spätestens seit einer gemeinsamen Begehung mit einem Vertreter des Berliner Mieterverein im Frühjahr 1999 bekannt. Verantwortlich für die Beseitigung dieses Zustandes fühlten sich jedoch weder Degewo noch Bezirksamt. Dass die Degewo nichts unternommen habe, begründet Pressesprecher Manfred Schörnick damit, dass für die Wohnung regelmäßig Miete gezahlt worden sei. "Zu vereinbarten Terminen ist der Mieter nie erschienen", so Schörnick. "Wir haben nicht das Recht, ohne Einwilligung des Mieters die Wohnung zu betreten." Nach dem Stopp der Mietzahlungen Ende des vergangenen Jahres habe die Degewo dem Mieter Uwe W. mittlerweile fristlos gekündigt. Schörnick kündigt an, dass die Degewo die Wohnung demnächst entmüllen und renovieren lassen werde.
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Martina Schmiedhofer (Bündnis 90/ Die Grünen), Sozialstadträtin in Charlottenburg-Wilmersdorf, begründet die Haltung des Bezirksamtes in den vergangenen Jahren folgendermaßen: "Ein Sozialhilfeempfänger hat Anspruch auf Übernahme der Mietkosten, falls er sie nicht selbst bezahlen kann. Es ist nicht Sache des Sozialamtes zu prüfen, wie der Mieter mit seinem Wohnungsgut umgeht. Das ist Sache des Vermieters." Mietervereinsaktivist Otto Eigen verlangt von Bezirk und Degewo schnellstmöglich Taten: "Das Wohnen unter den jetzigen Umständen hier ist unzumutbar."
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Volker Wartmann
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"Strenger Geruch": Wohnung in der Sömmeringstraße 8
Foto: Volker Wartmann
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"Die Degewo lässt
die Häuser verkommen": Mieteraktivist Otto Eigen
Foto: Volker Wartmann
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