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Die Sonne schickt keine Rechnung. Getreu diesem Motto nimmt die Zahl der Solaranlagen in Deutschland stetig zu. Das spricht sich auch bei den Wohnungsbaugesellschaften herum. Die "Degewo" hat im Weddinger Brunnenviertel eine solarthermische Anlage zur Brauchwassererwärmung und zur Unterstützung der Heizung installiert. Vorteil für die Mieter: Die Betriebskosten sinken.
"Die Anlage funktioniert - und sie rechnet sich." Das verkündete Klaus-Peter Engelbrecht stolz bei der Präsentation der neuen solarthermischen Anlage auf dem Dach des Hauses Brunnenstraße/Ecke Stralsunder Straße. Sie "fuhr" zu diesem Zeitpunkt zwar schon seit vier Monaten im Probebetrieb, doch im Januar wurde nunmehr der reguläre Dauerbetrieb aufgenommen. Der Degewo-Vorstand hob hervor, dass bei steigenden Energiepreisen "vor allem die Mieter" davon profitierten.
Es sei ein "typisches Wohnhaus im Wedding", erbaut 1969, mit 137 Wohnungen. Im Zuge einer notwendigen Sanierung wurde unter anderem das Dach gedämmt und der alte Heizkessel gegen einen modernen sparsamen Brennwertkessel ausgetauscht. Hierbei stellte man den Brennstoff von Heizöl auf Erdgas um. Aber: Um die Auflagen der neuen Energieeinsparverordnung einzuhalten, hätte man weitere umfangreiche Wärmedämmungen vornehmen und zudem Fenster austauschen müssen. Die Ausgaben für Baumaßnahmen nach solch konventioneller Methode bezifferte Engelbrecht mit "mehr als 850000 Euro".
Doch es ging billiger. Die Einhaltung der gesetzlichen Auflagen ließe sich nämlich durch den Bau einer Solaranlage auf dem Dach ebenfalls erreichen, errechneten die Planer im Vorfeld. Mehr noch: Durch Zuschüsse der Investitionsbank Berlin für die Solartechnik sanken die Baukosten für die Wohnungsbaugesellschaft gar auf rund 340000 Euro. Damit wurden die Anforderungen der Energieeinsparverordnung mit dem geringst möglichen Aufwand erfüllt. Durch die Sonnenstrahlung lässt sich auf einer Kollektorfläche von 165 Quadratmetern außerdem so viel Wasser erwärmen, dass mehr als ein Drittel der bisherigen Heizkosten eingespart wird - ein Äquivalent von immerhin 57000 Litern Heizöl, so die Bauherren.
Das kommt auch den Bewohnern zu Gute. Zwar wurden die Modernisierungskosten anteilig umgelegt, so dass sich die Miete um sechs Cent pro Quadratmeter erhöhte. Gleichzeitig aber sparen die Mieter durch das solar erwärmte Wasser künftig Betriebskosten von etwa 15 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche: unterm Strich eindeutig ein Plus von dauerhaft neun Cent.
Für dieses ökologische und wirtschaftliche Projekt wurde die Degewo als "Klimaschutzpartner des Jahres 2002" ausgezeichnet. Dieser Zusammenschluss Berliner Verbände hat das Ziel, auf freiwilliger Basis den Ausstoß des Treibhausgases CO2 zu minimieren und Solaranlagen weiter zu verbreiten (siehe MieterMagazin 7+8/02, Seite 14: "Schöne Beispiele - zwiespältiges Resümee"). Der Anlagenplaner, die Firma Parabel, wurde für das Konzept der solaren Sanierung mit dem Deutschen Solarpreis 2002 ausgezeichnet. Der Kollektorhersteller Solvis erhielt den Europäischen Solarpreis 2002 - allerdings nicht etwa für besonders schöne Kollektoren bei der Degewo, sondern für den Neubau einer Nullemissionsfabrik am Firmensitz Braunschweig. Die nicht dotierten Solarpreise werden alljährlich europaweit in verschiedenen Kategorien von der Vereinigung für erneuerbare Energien, Eurosolar, verliehen.
Beim Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) zieht man mit diesem jüngsten positiven Beispiel der Nutzung erneuerbarer Energien die Bilanz: "Thermische Solaranlagen für die Warmwasserbereitung sind technisch ausreichend erprobt." Es könnten damit zudem "erhebliche Potenziale zur Wärmekostensenkung erschlossen" und das "Risiko von Energiepreissteigerungen für die Mieter gemindert" werden. Siegfried Rehberg vom BBU-Referat Technik beobachtete zudem eine weitere angenehme Entwicklung fernab aller energetischer Vorteile: In Häusern mit Solaranlagen gebe es so gut wie keinen Leerstand. "Das positive Image der Solarenergie geht auf den Vermieter über", glaubt Rehberg.
alo
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