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Die "Gesellschaft für sozialen Wohnungsbau" (Gesobau) beabsichtigt, in Weißensee 17 Reihenhäuser abzureißen. Leer stehende Wohnungen werden dort nicht mehr vermietet, die Häuser werden nur noch notdürftig instand gehalten. Die verbliebenen Mieter wollen sich jedoch nicht rausgraulen lassen. Die meisten von ihnen würden ihr Reihenhaus sogar selbst kaufen, doch auch das lehnt die Gesobau ab.
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"Es verfällt hier immer mehr", ärgert sich Maybritt Hinz, Mieterin in einem Reihenendhaus in der Straße 245 in Weißensee. Die idyllisch gelegene kleine Siedlung besteht aus sechs Zeilen eingeschossiger Wohnhäuser aus den 30er Jahren und macht teilweise einen maroden Eindruck. "Selbst geringfügige Reparaturen müssen wir ausdauernd anfordern", berichtet Frau Hinz. Größere Investitionen unterblieben in den letzten vier Jahren ganz. Mittlerweile stehen fast zwei Drittel der Wohnungen leer, so Maybritt Hinz, und diese werden auch nicht wieder vermietet. Es gibt Leerstandsgenehmigungen, weil die Wohnungen in einem nicht vermietbaren Zustand sind.
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Am 3. Januar 2001 hat die Eigentümerin, die städtische Gesobau, die 1998 die Wohnungsbaugesellschaft (WBG) Weißensee übernahm, einen Abrissantrag beim Bezirksamt Pankow eingereicht. "Um diese Häuser zu erhalten, wäre ein sehr hoher finanzieller Aufwand nötig", begründet Gesobau-Vorstandsmitglied Jürgen Lüdtke das Abrissbegehren in einem Brief an den Berliner Mieterverein, der von den Mietern eingeschaltet wurde. "Die Kosten einer Sanierung", so Lüdtke weiter, "müssten zu 100 Prozent auf die Miete umgelegt werden. Dies würde zu einem Mietpreis führen, der für ein derartiges Objekt in keinem Verhältnis steht." Sobald der Abrissantrag bewilligt sei, werde die Gesobau die Mieter informieren und ihnen "geeigneten Ersatzwohnraum" anbieten. "Es ist vorgesehen, die Häuser dann abzureißen, und - wenn sich die Situation auf dem Immobilienmarkt erholt hat - dort Neubauten zu errichten", heißt es abschließend in dem Schreiben der Gesobau.
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"An den Haaren herbeigezogen" seien die Gründe für den Abriss, meint Mieterin Hinz. Die Gesobau habe die Häuser absichtlich verfallen lassen, lautet der Vorwurf der Mieter. Schon kurz nachdem die Gesobau die WBG Weißensee übernommen hatte, kündigte sie an, die Siedlung abreißen zu wollen. Im August 2001 schlossen sich 13 der 14 noch verbliebenen Mietparteien zur "Interessengemeinschaft zum Erhalt und zur Sanierung der Reihenhäuser Straße 245" zusammen. "Durch anhaltenden Leerstand und Abrissdrohung entsteht eine Verunsicherung der Mieter, weiterem Leerzug wird Vorschub geleistet", schreibt die Interessengemeinschaft.
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Die Mieter sind trotzdem fest entschlossen zu bleiben. Viele von ihnen haben in den letzten Jahren mit Zustimmung der WBG Weißensee selbst Fenster, Türen oder Heizungsanlagen eingebaut und auf eigene Kosten erhebliche Um- und Ausbauten vorgenommen. Die meisten sind deshalb sogar bereit, ihr Reihenhaus zu kaufen, doch auch dies lehnt die Gesobau mit dem Hinweis auf den geplanten Abriss ab. Dass eine Sanierung sehr wohl möglich ist, zeigt ein Blick auf die Zeile Nr. 27-31a: Diese vier Häuser wurden von ihren Bewohnern nach der "Modrow-Regelung" 1990 gekauft. Heute sind sie mit frischem Putz, gepflegten Vorgärten und Gartenteichen der sichtliche Stolz der neuen Hausbesitzer - ganz im Gegensatz zu den Gesobau-Häusern.
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Der Abrissantrag dürfte nur geringe Chancen auf Genehmigung haben, weil die Häuser bewohnt sind. Weil fast alle Mieter noch einen Mietvertrag aus der Zeit vor dem 3. Oktober 1990 haben, können sie auch nicht wegen "mangelnder wirtschaftlicher Verwertbarkeit" gekündigt werden. Befremdlich ist allerdings, dass hier die Gesobau als landeseigene Gesellschaft den Mietern gegenüber eine Zermürbungstaktik verfolgt, wie man sie sonst nur von schwarzen Schafen unter den Privateigentümern kennt.
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Jens Sethmann
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Gesobau will abreißen
und Mieter wollen bleiben: Reihenhaussiedlung Straße 245 in Weißensee
Foto: Rolf Schulten
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"Warum hat niemand
ein Auge auf die
Geschäftspolitik
der Gesobau?"
Eine Mieterin
aus der Straße 245
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