MieterMagazin

 März 2002 - aktuell

Vermieter in Zahlungsverzug

Neuer Fall von drohender Wassersperre

Erneut droht Mietern das Wasser abgedreht zu werden, weil ihr Vermieter die von ihnen bezahlten Beträge nicht an die Berliner Wasserbetriebe weitergeleitet hat. Für sieben seiner Häuser in Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln habe Vermieter Rolf Klose bis zu zwei Jahre lang keine Wassergebühren mehr bezahlt, sagt Eike Krüger, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Klose sei bei den Wasserbetrieben mittlerweile mit mehr als einer viertel Million Euro in Zahlungsrückstand.

Weil Klose keine "nennenswerte Bereitschaft" zur Tilgung seiner Zahlungsrückstände gezeigt habe, gingen die Wasserbetriebe mittlerweile "auf juristischem Wege" gegen Klose vor, so Krüger. Er betonte, es täte den Wasserbetrieben "Leid, den Konflikt mit dem Vermieter Klose auf dem Rücken der Mieter auszutragen". Nachdem Klose auch nach mehreren Angeboten einer Schuldentilgung per Raten nicht wie vereinbart gezahlt habe, sähen die Wasserbetriebe jetzt keine andere Möglichkeit mehr, als in seinen Häusern den Hahn zuzudrehen. Die Wasserbetriebe hätten in der Vergangenheit bereits versucht, Klose dadurch unter Druck zu setzen, dass sie ihm das Wasser in seinem Privathaus abdrehten. Dieser habe daraufhin auf seinem Grundstück einen Brunnen zur eigenen Wasserversorgung gebohrt, so Krüger. Vermieter Rolf Klose war zu einer Stellungnahme nicht bereit.

Nach der "Euroim GmbH" ist Klose der zweite bekannt gewordene "große Fall" innerhalb weniger Monate, bei dem Rechnungen der Berliner Wasserbetriebe über einen längeren Zeitraum unbezahlt blieben. So stand die Euroim GmbH bei dem Wasserversorger zuletzt mit annähernd einer Million Euro in der Kreide. Gegen die Euroim wurde mittlerweile vom Amtsgericht Charlottenburg ein Insolvenzverfahren eröffnet. Das hat wahrscheinlich zur Folge, dass die Wasserbetriebe das von der Euroim GmbH geforderte Geld so schnell nicht sehen werden.

"Im Schnitt haben wir in den vergangenen Jahren einen Großkunden pro Jahr, der in Zahlungsverzug in diesen Dimensionen gerät", so Krüger. In schwierigen wirtschaftlichen Zeiten hätten zwar einige Kunden Zahlungsschwierigkeiten, sagt er. "Aber wir unterstellen ja nicht immer gleich kriminelle Machenschaften, wenn ein Kunde nicht pünktlich zahlt", so Krüger, und weiter: "Mit einer Verbesserung unseres internen Controlling-Systems wollen wir erreichen, den Kunden eher auf die Schliche zu kommen, die uns willentlich betrügen wollen."

Um die Wassersperre abzuwenden, rät der Berliner Mieterverein (BMV) den betroffenen Mietern, sich zu so genannten Notgemeinschaften zusammenzuschließen. Die Mieter sollen die laufenden Kosten dann direkt an die Wasserbetriebe und nicht mehr an den Vermieter zahlen, so Hartmann Vetter, Hauptgeschäftsführer des BMV. Erfahrungsgemäß gestaltet sich die Einrichtung einer solchen Notgemeinschaft in vielen Häusern als ein schwieriges Unterfangen, zumal die Mieter davon ausgehen können, dass im Notfall der Bezirk einspringt und die Kosten übernimmt.

Volker Wartmann

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Eine viertel Million Euro Schulden bei den Wasserwerken: Hauseigentümer Klose
(hier: betroffene Häuser Wiener Str. 28 und 29
in Kreuzberg)
Foto: Volker Wartmann

  Die Betroffenen
Häuser, die von der Wassersperre bedroht sind: Friedrichshain-Kreuzberg: Reichenberger Straße 115 a, Oppelner Straße 14, Urbanstraße 175, Wiener Straße 28, Wiener Straße 29 und Wiener Straße 34, Neukölln: Walterstraße 11-15

Nachgehakt: Welche Konsequenzen?

MieterMagazin: Wie können die Wasserbetriebe verhindern, dass sie in Zukunft um so hohe Summen wie im Fall der Euroim GmbH geprellt werden?
Krüger: Die Ablauforganisation im Kundenmanagement wurde optimiert.
MieterMagazin: Wie hoch ist der jährliche Gesamtverlust der Berliner Wasserbetriebe durch Kunden, die ihre Rechnungen nicht zahlen?
Krüger: Die Ausbuchungsquote liegt bei circa 0,1 Prozent bezogen auf den Umsatzerlös.
Eike Krüger ist Sprecher der Berliner Wasserbetriebe.
vw

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Eike Krüger
Foto: Volker Wartmann

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