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Klickt man bei www.winterfeldtstrasse25.de auf den Button "Presse", dann kommt die Mitteilung: "Dieser Bereich befindet sich noch im Aufbau. Bitte besuchen Sie uns bald wieder!" Die "Dr. Mebes & Wullinger Immobilien GmbH", die Betreiberin der Homepage, scheint warten zu wollen, bis irgendwo ein positiver Artikel über ihre Aktivitäten erscheint. Das könnte dauern ...
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Das Wort "bitte" und andere Höflichkeitsformen kommen auf der sehr professionell gestalteten Hausbesitzer-Homepage selten vor. Sie hat auch nicht primär die Aufgabe, die Mieter des Hauses oder potenzielle Interessenten an den leer stehenden Wohnungen zu informieren. Vielmehr kann man dort erfahren, wie hoch beispielsweise das Gehalt einer Mieterin des Hauses ist oder welches Auto sie fährt, welcher Mieter über "vermutlich gute Verbindungen zum Bauamt Tempelhof-Schöneberg auf Grund eines Anstellungsverhältnisses in den 90er Jahren" verfügt. Auch welcher Mieter ein "großzügiges Villenanwesen in Frankreich" sein Eigen nennt, ist im Internet nachzulesen. Solche und weitere "Informationen" finden sich über den "Kopf" des "harten Mieterkerns", den "führenden Kopf und Initiator der aktiven Mietergruppe" und die restlichen Mieter auf der Homepage des Vermieters - mit Namen und Hausnummer.
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Aber nicht nur gegen die Mieter wird aus allen Rohren geschossen. Der ehemaligen Bezirksbürgermeisterin Elisabeth Ziemer wird "beispiellose Neutralitäts- und Amtspflichtverletzung" vorgeworfen. "Auch der zurzeit amtierende Baustadtrat des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg, Gerhard Lawrentz, konnte sich trotz Einsicht in die rechtliche Problematik auf Grund politischer Opportunitäten nicht dazu überwinden, Recht gelten zu lassen", meinen Mebes & Wullinger. Ist die Winterfeldtstraße 25 und der Bezirk Tempelhof-Schöneberg - von der Öffentlichkeit unbemerkt - zur rechtsfreien Zone mutiert, in dem der Datenschutz klammheimlich abgeschafft wurde, in dem jeder jeden ausforschen darf und in dem der Zweck jedes Mittel heiligt?
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Die Mieter in dem ehemals besetzten und zweifelsohne sanierungsbedürftigen Haus wehrten sich bereits erfolgreich gegen die Sanierungspläne der Grundag AG und der Rasta Vermögensverwaltung GmbH, die Mebes für circa 1,4 Millionen Euro gekauft hat - einen Tag vor deren Bankrott, und einen Tag, bevor die Mieter vielleicht den Zuschlag erhalten hätten. Als neuer Besitzer bot Mebes & Wullinger den Mietern eine Prämie von 50 bis 100 Euro pro Quadratmeter, wenn sie ausziehen. Die meisten lehnten ab - schließlich wohnen viele schon seit 20 oder 30 Jahren in dem Gebäude. Mit Fördergeldern hatten sie den Innenhof gestaltet, und trotz aller Mängel des alten Hauses fühlten sie sich wohl.
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Inzwischen steht über die Hälfte der Wohnungen leer, aber die Mieter sind entschlossen zu bleiben. Sie haben eine Veränderungssperre durchgesetzt: Bis Ende des Jahres dürfen Mebes & Wullinger das Dachgeschoss nicht ausbauen. Wird auch im neuen Bebauungsplan, der seit Januar im ersten Entwurf vorliegt, wie erwartet festgeschrieben, dass es in der Winterfeldtstraße 25 kein neues fünftes Geschoss geben darf, werden die derzeitigen Besitzer das Haus mit Sicherheit verkaufen. Auf der Webseite der Mieter ( www.w25.de) gibt es bereits einen "heißen Tipp": "Abgestaubt für DM 2,7 Millionen - jetzt im Angebot für 7,3 Millionen (Hausschwamm incl.)!" Und als Warnung: "Das Verschweigen der Existenz des Echten Hausschwammes ist bei dem Verkauf eines Hauses ein Straftatbestand und berechtigt den Käufer zum Rücktritt." Die Seite dokumentiert auch die Beseitigung der preisgekrönten Hofbegrünung durch den Vermieter, den Einbau von Überwachungskameras bis hin zum Einsatz eines von den Eigentümern beauftragten Wachmannes, der seinem Kampfhund auf dem Hof des Hauses gern etwas Auslauf gewährte.
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Der Krieg im Internet geht also weiter. Aber nicht nur dieser: Circa 50 Prozesse haben die Besitzer mittlerweile gegen die Mieter angestrengt.
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Immer mal wieder wird Mebes mit potenziellen Käufern im Haus gesehen. In einem Exposé wirbt er sogar mit der Innenhofbepflanzung, die er gegen den Protest der Mieter entfernen ließ. Jeder Käufer ist ihm recht - nur nicht eine Genossenschaft, an der sich die Mieter beteiligen könnten.
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Reto-Gino Mebes, der in der Schweiz mit einer Dissertation zum Thema "Die Rechtsumgehung im internationalen Privatrecht der Schweiz" die Doktorwürde erlangte, hat die Mieter der Winterfeldtstraße 25 wiederholt als "Sozialschmarotzer" bezeichnet. Die Mieter verlangen eine öffentliche Entschuldigung: "Den Sprachgebrauch des Faschismus wollen wir ihm nicht durchgehen lassen."
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Rainer Bratfisch
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