MieterMagazin

 Januar/Februar 2004 - aktuell

Verbrauchsabhängige Kosten

Wasser teurer, Strom und Gas stabil

Während die Verbraucher bundesweit über steigende Stromkosten klagen, bleiben die Bewag-Tarife stabil. Auch die Gasag verzichtet zum Jahreswechsel auf höhere Preise. Dafür langen die Wasserversorger umso kräftiger zu.

"Die Stromkonzerne bereichern sich auf Kosten der Verbraucher", kritisierte im Dezember Edda Müller, Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Allein die beiden größten, RWE und Eon, setzten Steigerungen von jeweils 2,7 Prozent durch, was die Kunden mit zusätzlich rund 16 Euro im Jahr belastet. Bereits im vergangenen Herbst ebnete der drittgrößte Versorger EnBW den Weg und zog die Preise um 5 Prozent an.

Doch die Begründung für die Erhöhung ist fadenscheinig. So wird etwa argumentiert, die Verteuerung sei durch den Einsatz erneuerbarer Energien verursacht. Richtig ist: Die Unternehmen müssen jede aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugte und ins Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde zu einem gesetzlich festgelegten Preis vergüten. Die ihnen daraus entstehenden Zusatzkosten dürfen die Konzerne auf den allgemeinen Strompreis umlegen.

Doch dass ausgerechnet dies die Preise für Strom in die Höhe treibt, ist falsch. Nach Angaben des Präsidenten des Bundesverbandes Erneuerbare Energien, Johannes Lackmann, habe die Stromwirtschaft 2003 ihren Kunden rund 0,42 Cent pro Kilowattstunde für den Stromanteil aus erneuerbaren Energien berechnet. Im Jahr 2004 werden es rund 0,5 Cent sein. "Dieser Wert", so Lackmann, "ist um 25 Prozent überhöht." Dazu muss man wissen: Die Kalkulation dieser Umlage aus der Einspeisevergütung auf den Stromtarif erfolgt im Vorfeld - geschah für das Jahr 2003 also schon 2002 auf Grundlage der damals gezahlten Vergütungen. Doch waren beispielsweise die Stromerträge aus Wind- und Wasserkraft im Jahr 2003 - und damit auch die Ausgaben - wesentlich niedriger als etwa im Vorjahr. Die Kalkulation war mithin zu Lasten der Kunden erheblich überhöht - was den Konzernen bundesweit rund 500 Millionen Euro zusätzlich und ungerechtfertigt einbrachte. Dass die Versorger nun behaupteten, sie müssten wegen einer steigenden Umlage die Strompreise erhöhen, sei "völlig abwegig", so Lackmann. Im Gegenteil: Legten sie sachgerecht die Einspeisevergütungen aus dem Jahr 2003 zu Grunde, müssten die Preise sogar sinken. Mit ihrer Behauptung lenkten die Konzerne davon ab, "dass sie weiterhin Monopolpreise kassieren", so auch Verbraucherschutz-Chefin Müller.

Der vierte große Versorger, der schwedische Konzern Vattenfall Europe - alle vier zusammen kontrollieren über 80 Prozent des Marktes -, dreht vorerst nicht flächendeckend an der Preisschraube. Das hat etwa für Berliner Kunden Vorteile: Die zu Vattenfall gehörende Bewag AG hält den Strompreis zum Jahresbeginn stabil. Als Begründung nennt Bewag-Sprecherin Barbara Meifert, man habe durch "interne Effizienzsteigerungen" noch "einen gewissen Spielraum". Bei einem Jahresbezug von 1500 Kilowattstunden (etwa so viel, wie ein Single benötigt) zahlt man weiterhin rund 313 Euro im Klassik-Tarif.

Die Gasag hat nach eigenem Bekunden in Sachen Preissteigerungen vorerst "nichts konkret geplant". Je nach Tarif liegen die Grundpreise zwischen 3,50 und 26,68 Euro, die Verbrauchspreise zwischen 3,8 und 6,6 Cent pro Kilowattstunde.

Anders sieht es beim Wasser aus. Nach einer mehrjährigen Stillhaltephase im Zuge der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe (BWB) langte man nun erstmals wieder kräftig zu.

Noch vor Weihnachten hatte der Senat eine neue Wassertarif- und Zinsverordnung verabschiedet. Damit dürfen die BWB die Preise um 15 Prozent anheben - und haben dies zum 1. Januar auch getan, wie BWB-Sprecher Stefan Natz bestätigt. In Zahlen: 2003 kostete ein Kubikmeter Wasser noch 4,37 Euro. 2004 sind es 5,03 Euro. Bei einem Jahresverbrauch von durchschnittlich 44 Kubikmetern (pro Person statistisch 121 Liter täglich) steigen die Wasserkosten pro Kopf um rund 2,43 Euro pro Monat (29 Euro im Jahr). Für eine vierköpfige Familie kann dies eine Kostensteigerung um mehr als 100 Euro bedeuten.

Andreas Lohse

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