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Die erste ganzjährig geöffnete Notübernachtung für wohnungslose Frauen hat ihre Pforten im Bezirk Mitte eröffnet. Die Notübernachtung bietet acht Schlafplätze sowie zwei Notbetten für Frauen, die ohne feste Bleibe auf der Straße leben. Unterbringung und Beratung erfolgen auf Wunsch anonym.
Die Frauen übernachten in einem von vier Doppelzimmern. Neben einem warmen Abendessen gibt es ein Frühstück. Zwei Sozialberaterinnen stehen abends oder tagsüber als Ansprechpartnerinnen bei Gesundheitsfragen zur Verfügung oder leiten zum Beispiel Hilfen bei der Schuldner- oder Suchtberatung ein. Für die wohnungslosen Frauen sind Unterbringung, Essen und Beratung kostenlos. Träger der Einrichtung ist die "Gemeinnützige Gesellschaft zur Betreuung Wohnungsloser" (GeBeWo). "Wir wollen die Obdachlosigkeit der Frauen beseitigen und sie langfristig an das bestehende Hilfesystem anbinden", sagt Lothar Fiedler, Geschäftsführer der GeBeWo. Nach Schätzungen der Wohlfahrtsverbände übernachten rund 300 Wohnungslose in den Notübernachtungen oder Nachtcafes der Berliner Kältehilfe. Der Anteil der wohnungslosen Frauen wird auf 20 bis 25 Prozent geschätzt. Aufgenommen werden Frauen, die mindestens 18 Jahre alt sind. Eine Grenze nach oben gibt es nicht: "Zu uns kommen Frauen, die weit über 60 Jahre alt sind", sagt Susanne von Boetticher, eine der beiden Sozialarbeiterinnen der Einrichtung. Anders als bei Einrichtungen für Männer, in denen besonders die Alkoholsucht eine große Rolle spiele, hätten die wohnungslosen Frauen häufig mit psychischen Problemen zu kämpfen. Eine ältere Frau aus Süddeutschland, der die Rente gekürzt wurde, "wartet in Berlin auf einen Termin beim Bundeskanzler, um sich zu beschweren", erzählt die Sozialarbeiterin. Von Angstzuständen über Verfolgungswahn bis zum Waschzwang reicht die Palette der psychischen Erkrankungen oder Auffälligkeiten. Auch Gewalterfahrungen in der Ehe oder mit Partnern führten dazu, dass Frauen auf der Straße landen. Manche Not hat aber auch handfeste materielle Ursachen: Eine Mutter, die regelmäßig mit ihrer volljährigen Tochter in der Tieckstraße übernachtet, hat die Wohnung verloren, "weil der Bruder die Miete durchgebracht hat und deshalb die Wohnung geräumt wurde". Die beiden Frauen, die "ziemlich verängstigt" seien, hätten zwar schnell eine neue Wohnung gefunden: "Das Sozialamt hat es aber abgelehnt, die Miete zu übernehmen, weil die Wohnung zwei Quadratmeter zu groß war." Bei diesem Vorgehen des Amtes ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen: "Wir haben Widerspruch eingelegt", sagt Susanne von Boetticher.
Volker Engels
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