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Kanada ist mit seinen 10 Millionen Quadratkilometern das zweit-größte Land der Erde. 31 Millionen Menschen bevölkern diesen Staat - statistisch kommen drei Einwohner auf einen Quadratkilo-meter. Doch in Wirklichkeit ist es anders: Die Bevölkerung konzentriert sich auf einen etwa 300 Kilometer breiten Streifen im Süden des Landes, der sich von der westlichsten Provinz British Columbia bis zum östlichen Neufundland erstreckt. Nahezu alle Großstädte und die Hauptstadt des Landes liegen im Osten. Mieter-Magazin-Mitarbeiterin Isabel Knoerrich besuchte Ottawa, Kanadas Hauptstadt mit 1,1 Millionen Einwohnern, deren Schwesterstadt Hull und die 3,5-Millionen-Metropole Montreal.
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Auf den ersten Blick wirkt Ottawa für Europäer ungewohnt, dann wieder wie eine britische Kleinstadt und plötzlich zwischen Straßenschluchten wie jede beliebige Großstadt Europas. Ottawa wurde erst Ende des letzten Jahrhunderts gebaut, weshalb die Straßen fast alle rechtwinklig zueinander angelegt sind, was die Orientierung erheblich erleichtert. Ottawa ist eine Stadt der Einwanderer. Im Norden der Stadt kauft man Lebensmittel in einer unendlichen Zahl chinesischer Supermärkte oder man vergnügt sich in indischen Restaurants, was dem Stadtteil den Beinamen "Chinese Quarter" eingebracht hat. Doch für den Großeinkauf fährt man natürlich in eines der riesigen Einkaufszentren, die auf enormen Flächen etwas außerhalb der Stadt liegen und alles an Lebensmitteln und Waren bieten, was das Herz begehrt. Fast alle Hauptstädter sind mit dem eigenen Auto unterwegs, nur selten werden die Busse genutzt, die aber pünktlich und im vernünftigen Takt fahren.
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Das Zentrum Ottawas prägen moderne Betonbauten mit Spiegel- und Glasfassaden und Apartmenthäuser mit unzähligen Stockwerken. Die Apartments der Wohnblocks sind im Allgemeinen nicht allzu großzügig gehalten: Ein großes Wohnzimmer, das an die "Hall", den Eingangsbereich, anschließt, in dem sich häufig auch der Essplatz befindet - beides zusammen erscheint in den Grundrissen als "Living and Dining Area" -, zwei kleinere Zimmer, die als Schlaf- oder Arbeitszimmer verwendet werden, oftmals zwei Bäder und eine Küche mit der nötigsten Grundausstattung, das alles auf circa 80 Quadratmetern, sind guter Standard. Jedes Apartment hat zusätzlich einen Abstellraum auf dem selben Stockwerk. In den Wohnblocks gibt es mindestens einen hauseigenen Swimming-Pool, eine Sauna und einen Fitnessraum. Luxuriösere Wohnblocks verfügen über einen Friseur, einen Schönheitssalon und eine eigene Wäscherei. Wohnungen mit zwei Schlafzimmern sind in Ottawa für circa 750 bis 1500 kanadische Dollar im Monat zu haben, also für circa 500 bis 1000 Euro. 70 Prozent der Wohnungen werden durch eine Klimaanlage im Winter beheizt und im Sommer gekühlt. Zentral- oder Elektroheizungen werden nur selten verwendet.
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Entfernt man sich vom Zentrum der Hauptstadt in die Seitenstraßen hinein, so ändert sich der Wohnstil vollkommen. Ottawa wirkt plötzlich kleinstädtisch, geradezu provinziell: Schmucke Häuschen aus Holz oder aus Backstein, die englischen Vorbildern folgen, reihen sich aneinander. Hier sieht man häufig Schilder mit "Bed & Breakfast", eine Form der Unterkunft, die dem Reisenden Einblick in das kanadische Familienleben gewährt, sich aber wenig von den ohnehin hohen Hotelpreisen unterscheidet. Die Häuschen sind zweigeschossig mit spitzen Ziegeldächern, und manchmal haben sie einen kleinen Vorgarten. Neben dem Eingang befindet sich stets eine Veranda, auf der man in den Sommermonaten ausgelassen feiert. Dies steht dann ganz im Gegensatz zur sonst üblichen puristischen Lebenstradition der englischsprachigen Volksgruppe, für die Lebensfreude ein Fremdwort zu sein scheint: Ein Nachtleben findet in Ottawa nicht statt. Ab 22 Uhr sind die Straßen wie leer gefegt. Um sich zu amüsieren muss man über eine der zahlreichen Brücken in Ottawas Schwesterstadt Hull fahren. Der Fluss trennt nicht nur die beiden Städte, er bildet auch die Grenze zwischen den Provinzen Ontario und Québec.
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Zum Nachtleben
über den Grenzfluss
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Québec, das bedeutet französisches Lebensgefühl und eine Lebensfreude, die die katholischen Einwanderer aus Frankreich mitgebracht haben und die bis heute spürbar ist. Deshalb haben die Discotheken in Hull bis um 3 Uhr morgens geöffnet, und man findet auch noch spät in der Nacht Leben in den Straßen. Hull hat seine eigene Universität, an der zweisprachig, nämlich Englisch und Französisch, unterrichtet wird.
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Allein die Grenzlage hatte dazu geführt, dass das ehemalige Dorf Bytown von Königin Victoria 1857 zur Hauptstadt Kanadas bestimmt wurde - ein Holzfällerdorf mit einigen Hütten, Sägewerken und Pelzjägern, die in den weiten Wäldern umherstreiften. Immerhin gab es hier bereits eine Eisenbahn. Das Dorf Bytown erhielt den Namen Ottawa, der die Ortsbezeichnung der lokalen Indianersprache war. Die "echten" Städte, die sich um den Hauptstadtsitz beworben hatten, darunter Toronto und Montreal, nahmen die hinterwäldlerische Konkurrenz zunächst nicht ernst. 1859 wurde dann das sehenswerte Parlamentsgebäude auf dem Parliament Hill erbaut, in seiner Nähe befindet sich auch ein Schloss. Doch Ottawa ist den Ruf der Trostlosigkeit und Provinzialität bei den Kanadiern nie losgeworden: "Das beste an Ottawa ist der Zug nach Montreal" ist ein geflügeltes Wort.
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Montreal ist zwei bis drei Autostunden von Ottawa entfernt, es gibt hervorragende Verbindungen mit der Bahn oder in richtig bequemen Bussen - beides keine preiswerten Transportmittel, aber ihr Geld wert. Montreal mutet an wie eine amerikanische Großstadt mit breiten Ringstraßen, einem dichten U-Bahn-Netz und einem lebendigen Zentrum. In den Sommermonaten scheinen alle Einwohner Montreals am Alten Hafen am St.-Lorenz-Strom oder zwischen den Jahrmarktbuden in der Altstadt zu promenieren oder auf den Terrassen der italienischen Restaurants zu sitzen. Der Nordosten der Stadt ist multiethnisch: Hier stößt man häufiger auf schlechtere Quartiere, der Wohnstil ist ein anderer: einfache graue Holzhäuser, Wäscheständer in den kleinen Vorgärten oder auf der Straße.
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Die westlichen Viertel, Outremont und Westmount, sind dagegen wieder eher britisch geprägt, sie sind wirtschaftlich stärker, bieten eine bessere Wohnqualität. Die Altstadt ist historisch. Junge Leute leben gerne in Lofts, in umgebauten Fabrikationshallen, und sie zelebrieren einen eigenen Lifestyle. Ein Loft in der Nähe des Zentrums mit circa 70 Quadratmetern Fläche ist für rund 275 Euro Kaltmiete im Monat zu haben - günstiger als eine Vierzimmerwohnung.
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In den Hochhäusern Montreals ist das Wohnen erheblich teurer, da hier Sicherheitsdienste und sonstige Annehmlichkeiten bezahlt werden müssen. Neben den Wolkenkratzern gibt es auch Viertel mit traditionellen, hübsch bemalten und verzierten Häuschen. Diese meist dreistöckigen Bauten haben die Eigenheit, dass der Eingang nicht im Erdgeschoss liegt, sondern im ersten Stockwerk, und über eine Außentreppe zu erreichen ist. Solch ein Häuschen ist schon für rund 600 Euro Miete zu haben. In der Hauptstadt Ottawa dagegen reichen die Mieten von 1000 bis 1800 Euro, je nach Größe, Lage und Ausstattung.
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Hohe Eigentumsquote
in Kanadas Städten
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Die Schaffung von Eigentum wird in den kanadischen Medien fleißig propagiert, vor allem als Altersvorsorge. Die Banken geben die entsprechenden Kredite, wenn das Einkommen stimmt. Die Eigentumsrate ist mit 64,2 Prozent der Haushalte relativ hoch.
Die durchschnittlichen Ausgaben für die Bruttomiete in der Stadt betragen 380 Euro monatlich bei einem durchschnittlichen Familieneinkommen von 35800 Euro pro Jahr. Gut die Hälfte der Haushalte wohnt in frei stehenden Einfamilienhäusern, weitere 10 Prozent in Reihenhäusern und ein Drittel in Apartmenthäusern. Die durchschnittliche Personenzahl pro Haushalt beträgt 2,5 und die Zahl der Räume pro Wohneinheit beträgt sogar sechs.
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Die Mietgesetze werden in Kanada von den Provinzen erlassen. So hat Ontario sein eigenes Mieterschutzgesetz. Es äußert sich beispielsweise zu den Kündigungsfristen: Zwei Monate hat der Mieter einzuhalten. Der Eigentümer hat ein Kündigungsrecht bei Eigenbedarf, aber auch bei größeren Reparaturen. Der Mieter darf das Objekt untervermieten.
Wohnungsangebote finden sich zum Teil in den Tageszeitungen, häufiger noch in Immobilienzeitungen, die kostenlos in Zeitungsständern auf der Straße angeboten werden.
Natürlich hat das Internet in Kanada eine größere Bedeutung als in Europa: "Canada's Internet Apartment Guide" hat Angebote im ganzen Land, in allen Provinzen und zeigt schöne Bilder der Mietobjekte.
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Eine kanadische Skyline:
Das Wohnen in Montreals Hochhäusern
ist teuer
alle Fotos: Isabel Knoerrich
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Traditionell
und englisch: Stadtvilla
in Montreal
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Ottawas Zentrum: Hochhäuser mit Glas- und Spiegelfassaden;
vom Holzfällerdorf zur Haupt-stadt: Ottawa hat noch immer den Ruf
der Provinzialität
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Unterschiedliche Baustile,
unterschiedliche
Wohn-qualitäten:
mal modern amerikanisch ...
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... mal konventionell europäisch
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