MieterMagazin

 Dezember 2001 - aktuell

Stadtbad Oderberger Straße

Ende der Trockenzeit

Im Stadtbad Oderberger Straße in Prenzlauer Berg soll man bald wieder schwimmen können. Der Senat verkauft die seit 15 Jahren geschlossene Schwimmhalle an eine Genossenschaft, die das Bad sanieren und wieder öffnen will. Um den Kaufpreis aufbringen zu können, sucht die aus einer Anwohnerinitiative hervorgegangene Genossenschaft weitere Mitglieder.

Seit genau zehn Jahren kämpfen die Anwohner der Oderberger Straße um die Wiedereröffnung des Stadtbades. Die prachtvolle Schwimmhalle in der 1902 vom Stadtbaudirektor Ludwig Hoffmann errichteten Volksbadeanstalt musste 1986 auf Grund von Baumängeln geschlossen werden. 1997 wurden auch die Wannen- und Brausebäder sowie die Sauna geschlossen. Seitdem wird das Gebäude nicht mehr beheizt und verfällt zunehmend.

Zum Jubiläum ist der Bürgerinitiative nun endlich ein erster Teilerfolg gelungen: Nachdem sich die landeseigenen Berliner Bäderbetriebe im Frühjahr von dem Ziel verabschiedet hatten, hier ein Bad zu betreiben, wurde das Gebäude in den Liegenschaftsfonds übertragen und zum Verkauf ausgeschrieben. Im Oktober konnte sich die Anwohner-Genossenschaft gegen einen Konkurrenten durchsetzen, der das Stadtbad als Hotel mit angeschlossener Saunalandschaft nutzen wollte. Das große Schwimmbecken sollte dabei als Restaurant genutzt werden.

Die Anwohner bestanden aber darauf, im Schwimmbad schwimmen zu können und entwickelten ein eigenes Konzept: Bad und Sauna sollen nicht voneinander getrennt sein - "eine Kombination von sportlicher Betätigung und Erholung", erläutert der Schweizer Bäderbetreiber Harald Kannewischer, der von der Genossenschaft als Pächter gewonnen wurde. Dieses "Wellness-Konzept" sei bisher einzigartig in Berlin. Teilweise soll der bauliche Urzustand wiederhergestellt werden. So will man die Lichthöfe wieder öffnen, so dass der Badegast auch unter freiem Himmel schwimmen kann. Kannewischer rechnet mit 280000 Besuchern im Jahr und hat sich bereit erklärt, der Genossenschaft jährlich eine Miete von 1,5 Millionen DM zu zahlen.

"Das Konzept hat überzeugt", sagt der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Andreas Bossmann (für PDS), der in der Steuerungsrunde des Liegenschaftsfonds saß, als der Genossenschaft der Zuschlag gegeben wurde. Der Fonds will das Gebäude noch in diesem Jahr verkaufen. "Ich gehe davon aus, dass das hier klappen wird", so Bossmann.

Auch der Genossenschaftsvorsitzende Bernd Holtfreter zeigt sich optimistisch: "Der Kaufpreis ist nicht das Problem." Rund 34,5 Millionen DM seien für die Sanierung des Gebäudes notwendig. 15 Millionen DM leiht sich die Genossenschaft von einer Bank, 10 Millionen DM werden aus dem EU-Förderprogramm EFRE erwartet, für den Rest soll ein Fonds für Kapitalanleger gegründet werden. Um eine dickere Eigenkapitaldecke zu haben, will die Genossenschaft weitere Mitglieder werben. Dazu wurde direkt vor dem Stadtbad ein Info-Container aufgestellt, wo man an Ort und Stelle eine Beitrittserklärung unterschreiben kann. "Unsere Zielmarke ist erstmal 1000 Mitglieder", sagt Holtfreter. Die Anteile der bisher knapp 400 Genossen betragen jeweils mindestens 100 DM.

Wenn alles klappt, könnten schon Anfang des nächsten Jahres die ersten vorbereitenden Baumaßnahmen beginnen. Harald Kannewischer veranschlagt ein Jahr Planungszeit und zwei weitere Jahre für die eigentliche Sanierung, sodass im Jahr 2005 ein feierliches Anbaden begangen werden könnte.

Jens Sethmann

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"Das Konzept hat überzeugt": Stadtbad an der Oderberger Straße wird genossenschaftlich
Foto: Rolf Schulten

  Info-Container vor dem Stadtbad Oderberger Straße 57-59, geöffnet Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 14 Uhr.
Beitrittsformulare und Informationen auch im Internet unter: www.stadtbad-oderberger.de

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