MieterMagazin

 Mai 2004 - aktuell

Wohnungsanzeigen-Datenbank "Woli"

Rausgeschmissenes Geld

Nach dem juristischen Erfolg des Berliner Mieterverein (BMV) gegen "Home-Info" haben deren Betreibergesellschaften "Vian" und "Pima" offensichtlich aufgegeben. Trotzdem wird weiterhin in Berlin mit Serviceangeboten für die Wohnungssuche Beutelschneiderei betrieben. Seit kurzem tauchen unter den Wohnungsanzeigen der lokalen Tageszeitungen Inserate einer "Woli GmbH" auf, in denen ein "kostenpflichtiges Login" in eine Wohnungsdatenbank offeriert wird. Der BMV rät Wohnungssuchenden von diesem Angebot dringend ab.

Auch nachdem das Berliner Kammergericht der Praxis von "Home-Info" ein Ende gesetzt hat , werden Wohnungssuchenden weiter zweifelhafte Angebote unterbreitet: Seit März erscheinen in den Tageszeitungen ganz ähnliche, vermeintliche Schnäppchenangebote. Eine Fünfzimmerwohnung mit knapp 150 Quadratmetern in Prenzlauer Berg für eine Kaltmiete von 550 Euro - das erschien dem Wohnungssuchenden Richard Schmitz* ein akzeptables Angebot. "Whg gratis, Login kostenpfl., Woli GmbH", hieß es in der Anzeige. Schmitz rief bei der Woli GmbH an. Die Wohnung sei unter Umständen schon vergeben, man hätte aber noch andere passende Angebote in der Datenbank, erklärte ihm ein Woli-Mitarbeiter am Telefon, am besten sei, er komme in die Woli-Geschäftsstelle am Hardenbergplatz. Dort erhielt Schmitz die Telefonnummer der Hausverwaltung, die die Wohnung anbietet. Außerdem bot man ihm Hilfe für die weitere Wohnungssuche an: Gegen eine einmalige Gebühr von 199 Euro bekäme er ein Passwort, das ihm neun Monate lang den Zugriff auf eine Datenbank erlaube. Nach Angaben der Woli würden im Durchschnitt täglich 50 bis 100 provisionsfreie Wohnungsanzeigen aufgenommen. Man könne in dieser Datenbank nach seinem gewünschten Profil suchen und sich die passenden Anzeigenlisten dann regelmäßig per E-Mail zuschicken lassen.

Die Methode ist eine findige Variante des "Home-Info"-Prinzips. "Woli" steht für "Wohnungslisten Center Berlin", die GmbH wurde erst am 9. März 2004 beim Amtsgericht Charlottenburg ins Handelsregister eingetragen. "Da wurden Lehren aus der Niederlage von éHome-Info' gezogen", stellt BMV-Hauptgeschäftsführer Hartmann Vetter fest. Woli ist darauf bedacht, dass ihre Tätigkeit nicht als Nachweis von Wohnraum im Sinne des Wohnungsvermittlungsgesetzes ausgelegt werden kann. Sie verkauft ihren Kunden nur den Zugriff auf eine Datenbank, was sie nicht als Vermittlung verstanden wissen will.

Für den geforderten stolzen Preis müsste diese Datenbank allerdings außerordentlich gut sein. Die Erfahrungen von Richard Schmitz sprechen jedoch eine ganz andere Sprache. Er rief die ihm genannte Hausverwaltung an, um sich nach der Wohnung zu erkundigen. Im Telefonat stellten sich die Nachteile der vermeintlichen Traumwohnung heraus: Sie lag nicht nur im Erdgeschoss, sondern war auch noch renovierungsbedürftig. Die Hausverwaltung hatte die Wohnung obendrein von sich aus in der "Berliner Zeitung" angeboten. Eine Woli GmbH war der Mitarbeiterin der Hausverwaltung gänzlich unbekannt. Dass jemand Fremdes ihre Wohnung anbietet, fand sie "seltsam".

Wohnungen anderer Anbieter ohne deren Wissen als Lockvögel zu benutzen - "das ist eine Ordnungswidrigkeit", so Hartmann Vetter. Der BMV erwägt, rechtliche Schritte gegen Woli einzuleiten. Unabhängig davon, ob Woli juristisch zu belangen ist, rät der BMV dringend davon ab, solche Verträge abzuschließen. "Die 199 Euro sind rausgeschmissenes Geld", sagt Hartmann Vetter. Wer eine Wohnung sucht, kann für den gleichen Betrag auch neun Monate lang jeden Samstag und Mittwoch alle drei großen Tageszeitungen mit Immobilienteil kaufen, wo die Inserate übersichtlich nach Bezirken und Wohnungsgröße geordnet sind. Aktuellere oder exklusive Wohnungsanzeigen sollte man von Woli nicht erwarten.

Jens Sethmann


*) Name geändert

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"Home-Info"-Variante "Woli": Für 199 Euro Angebote aus zweiter Hand
Foto: Jens Sethmann

  Die Urteile gegen Vian und Pima im Wortlaut unter: www.berliner-mieterverein.de

 Ein Blick zurück

Home-Info und Co.
Die "Home-Info"-Gesellschaften Vian GmbH und Pima GmbH inserierten in der Vergangenheit günstig erscheinende Wohnungen mit dem Zusatz "gebührenpflichtiges Abonnement". Mietinteressenten, die sich darauf meldeten, wurde oft gesagt, die genannte Wohnung sei schon vergeben, man könne aber für 185 Euro mit "Home-Info" einen Abonnementvertrag abschließen und bekomme dann ein Jahr lang auf die persönlichen Wünsche zugeschnittene Wohnungsangebote zugeschickt. Diese Angebote erwiesen sich dann häufig als veraltet oder unbrauchbar. Auf Antrag des BMV erkannte das Kammergericht im Februar 2004, dass die so genannte Abonnementgebühr in Wirklichkeit eine Maklerprovision ist, die nicht kassiert werden darf, bevor tatsächlich eine Wohnung vermittelt worden ist. Geschädigte können ihre 185 Euro zurückverlangen. Bei der Vian ist allerdings nichts mehr zu holen: Sie hat sich in die Insolvenz verabschiedet. Pima-Geschädigte sollten sich mit ihrer Rückforderung beeilen, denn Pima könnte den gleichen Weg gehen. Seit April sind keine Pima-Anzeigen mehr geschaltet, der Telefonanschluss ist laut Ansage "zurzeit nicht erreichbar".
js

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