Pressemitteilung 43/26
Neues Konzept schlägt Ankaufsagentur vor: Gefährdete Häuser sichern, bevor Mieter*innen ihre Wohnungen verlieren.
Berlin erlebt seit Jahren eine wachsende Zahl von Eigenbedarfskündigungen. Die Ursache liegt häufig in der früheren Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen. Während neue Umwandlungen bis 2029 stark begrenzt sind, bleibt der bereits umgewandelte Bestand eine zentrale wohnungspolitische Herausforderung.
Allein seit 2011 wurden in Berlin mehr als 176.000 Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt. Hinzu kommen mehrere hunderttausend weitere Wohnungen aus früheren Umwandlungswellen. In vielen dieser Häuser laufen in den kommenden Jahren gesetzliche Kündigungssperrfristen aus.
Die sozialen Folgen der zurückliegenden Umwandlungswellen treten mit zeitlicher Verzögerung hervor. Mit jeder Umwandlung wuchs der Bestand an Wohnungen, in denen künftig Eigenbedarfskündigungen möglich werden. Die großen Umwandlungsjahrgänge der vergangenen Jahre bilden ein wachsendes Verdrängungspotenzial, das sich in den kommenden Jahren zunehmend auswirken wird. Rund 200.000 Bewohner*innen sehen sich dem Verdrängungsrisiko durch Eigenbedarf ausgesetzt.Die Erfahrung bei der Mieter*innenberatung zeigt zudem, dass Eigenbedarfskündigungen in zahlreichen
Fällen nicht dem tatsächlichen Bedarf der Eigentümer*innen oder Angehörigen dienen. Der
Deutsche Mieterbund schätzt, dass bis zu 50 Prozent der Eigenbedarfskündigungen vorgeschoben sein könnten. Hinter solchen Fällen steht nicht Wohnbedarf, sondern der Versuch, durch Verdrängung und anschließende Verwertung der Wohnung höhere Erträge zu erzielen.
„Wir müssen handeln, bevor eine Eigenbedarfskündigung ausgesprochen wird, und bestehende bezahlbare Mietverhältnisse frühzeitig sichern. Rechtliche Schutzregelungen bleiben wichtig, verändern aber die Eigentumsstruktur nicht. Deshalb brauchen wir zusätzlich ein Instrument, das Wohnungen dauerhaft in gemeinwohlorientierte Strukturen überführen kann“, sagt Florian Schmidt, Bezirksstadtrat für Bauen, Planen, Kooperative Stadtentwicklung in Friedrichshain-Kreuzberg (Bü’90/Die Grünen).
Dafür legt das Bündnis Wohnungsnot durch Umwandlung und Eigenbedarfskündigungen stoppen! gemeinsam mit Expert*innen aus Immobilienwirtschaft, Genossenschaften, Finanzierung und Stadtentwicklung ein Konzept für ein Berliner Sofortprogramm vor.
Anlagen:
PDF – Pressemitteilung (Langversion)
PDF – Konzept Sofortprogramm Ankaufsagentur
PDF – Präsentation der Pressekonferenz
Berlin, den 10. September 2026
10.09.2026




