Pressemitteilung Nr. 29/26
Der Berliner Mieterverein lehnt die vom Bundesbauministerium geplanten Kürzungen beim Wohngeld entschieden ab. Der Referentenentwurf zur „Vereinfachung und Fortentwicklung des Wohngeldgesetzes“ sieht drei gleichzeitige Einschnitte vor: die dauerhafte Halbierung der Heizkostenkomponente, die Aussetzung der jährlichen Anpassung für 2027 sowie eine Erhöhung der Einkommensanrechnung um 58 Prozent. In der Summe bedeutet das: dauerhaft weniger Wohngeld für weniger Haushalte bei weiter steigenden Mieten und Energiekosten.
„In einer Stadt mit anhaltender Wohnungsnot, steigenden Mieten und wachsender Armut wäre eine Kürzung des Wohngeldes sozialpolitisch unverantwortlich und kurzsichtig.“ sagt Wibke Werner, Geschäftsführerin des Berliner Mietervereins
Das Wohngeld ist kein überdimensioniertes System — im Gegenteil: Rund 54.000 Berliner Haushalte sind Wohngeldhaushalte – davon 30.000 Rentner:innen und Senior:innen – sowie Alleinerziehende werden von den Kürzungen besonders betroffen sein. Schätzungsweise 50.000 weitere anspruchsberechtigte Berliner Haushalte nehmen die Leistung aus Gründen wie Scham, Unwissenheit oder wegen des bürokratischen Aufwands gar nicht erst in Anspruch. Kürzungen treffen also ein ohnehin unternutztes Sicherheitsnetz.
„Wer das Wohngeld kürzt, zwingt Menschen in die Grundsicherung — mit strengeren Mitwirkungspflichten und schärferen Sanktionen, den verkürzten Karenzzeiten sowie dem Verlust an Selbstbestimmung. Diesen Preis zahlen die Betroffenen, die Kommunen und am Ende die Gesellschaft.“, so Werner. Die Einsparungen von über einer Milliarde Euro jährlich (ab 2029) sind nur auf dem Papier echte Einsparungen. Wohngeld wird gemeinsam von Bund und Ländern finanziert. Die Kosten der Unterkunft in der Grundsicherung tragen maßgeblich die Kommunen. Was der Bund einspart, erscheint als Mehrbelastung bei Berliner Bezirken und im Landeshaushalt — die schon heute unter erheblichem finanziellen Druck stehen. Fällt das Wohngeld weg, drohen Mietrückstände, Verdrängung und im schlimmsten Fall Wohnungsverlust.
Wir fordern den Berliner Senat auf, sich gemeinsam mit anderen Bundesländern gegen die Kürzungspläne zu stellen und im Bundesrat alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Verschlechterungen beim Wohngeld zu verhindern. Wer die Ausgaben für Wohngeld dauerhaft senken will, muss die Mieten senken — durch mehr Mieter:innenschutz, den Ausbau des gemeinwohlorientierten Wohnungssektors und massive Investitionen in den sozialen Wohnungsbau.
Berlin, den 29. Juni 2026
29.06.2026




