Das neue Wohnungsmarktbarometer der Investitionsbank Berlin (IBB) liest sich wie eine Quittung für die fehlgeleitete Wohnungspolitik der letzten Jahre: Während im unteren und mittleren Preissegment nach wie vor ein dramatischer Wohnungsmangel herrscht, gibt es mittlerweile einen deutlichen Überschuss an teuren Wohnungen. Zudem werden die Investitionsbedingungen für den Neubau und für Sanierungsmaßnahmen als schlecht eingeschätzt.

Foto: Christian Muhrbeck
Ergänzend zu ihrem Wohnungsmarktbericht, der jährlich die Zahlen des Vorjahres zusammenfasst, befragt die IBB für das Wohnungsmarktbarometer rund 200 Fachleute zu ihren Einschätzungen der aktuellen Marktlage und der künftigen Entwicklung.
Im Mietwohnungsmarkt stellt das Barometer zwei gegenläufige Trends fest: In den preisgebundenen sowie den unteren und mittleren Preissegmenten ist das Wohnungsangebot weiterhin deutlich geringer als die Nachfrage. „Im oberen Preissegment zeigte sich dagegen erstmals ein deutlicher Angebotsüberschuss“, heißt es in der Studie.
Gute Aussichten für das Quotenmodell
Für Sebastian Bartels, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins (BMV), bestätigt dies die wohnungspolitischen Fehlentscheidungen der jüngeren Vergangenheit. „Seit Jahren entstehen in Berlin Eigentumswohnungen und Mietwohnungen im Luxussegment, während Menschen mit normalen Einkommen kaum noch eine bezahlbare Bleibe finden“, kritisiert Bartels. „Die Wohnungswirtschaft produziert am Bedarf vorbei oder gar nicht. Der normale Mietwohnungsbau wird den landeseigenen Wohnungsunternehmen und dem Staat überlassen.“ Der BMV fordert deshalb, auch die großen privaten Vermietenden wie Vonovia, Adler und Heimstaden endlich stärker in die Verantwortung zu nehmen. „Wer auf dem Berliner Wohnungsmarkt mitmischt, muss auch für die Breite der Gesellschaft Wohnungen bereitstellen“, sagt Bartels. Berlin brauche eine verbindliche Sozialvermietungsquote für alle Wohnungsunternehmen, nicht nur im Neubau, sondern auch im Bestand. Bei der Bildung einer neuen Senatskoalition hat diese Idee möglicherweise gute Chancen: Sowohl Linke als auch Grüne haben im Wahlkampf mit solchen Quotenmodellen geworben.

Foto: Christian Muhrbeck
Ein weiterer Vorschlag des BMV lautet: Berlin sollte prüfen, ob auch bei der Anwendung des neuen „Bau-Turbos“ über städtebauliche Verträge festgelegt werden kann, dass ein bestimmter Anteil der Neubauwohnungen sozial gefördert werden muss. Dies wird bei Bauvorhaben, für die ein Bebauungsplan aufgestellt wird, mit der sogenannten „kooperativen Baulandentwicklung“ seit Jahren erfolgreich umgesetzt.
Das Wohnungsmarktbarometer stellt fest, dass die Baukosten für den Neubau von Mietwohnungen die größte Herausforderung darstellen – und das bereits im fünften Jahr in Folge. „Die Hoffnung, Wohnungsneubau allein werde das Problem lösen, ist offenkundig keine tragfähige Strategie“, kommentiert BMV-Chef Bartels. Deshalb brauche es auch eine konsequente Begrenzung von Mietsteigerungen.
Jens Sethmann
Wärmewende: Gefragt ist Verlässlichkeit
Die IBB hat die Fachleute in diesem Jahr schwerpunktmäßig zu den Herausforderungen der Wärmewende befragt. Es werden erhebliche Investitionen in den Wohngebäudebestand nötig, um Berlin bis 2045 klimaneutral zu machen. Die Akzeptanz dieses Ziels ist aus Sicht der Befragten das kleinere Problem. Die größte Hürde sehen sie in den hohen Kosten. Um die Wärmewende voranzubringen, würden mehr Planungssicherheit, belastbare Finanzierungsmodelle und einfachere regulatorische Abläufe benötigt.
js
www.ibb.de/wohnungsmarktbarometer
29.10.2026




