„Ist deine Miete nun offiziell Wucher? Mach den Conny-Check!“ Mit solchen Versprechen wirbt das Legal-Tech-Unternehmen Conny auf Instagram. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, für Mieter:innen die Mietpreisbremse durchzusetzen.

Illustration: Julia Gandras
Im Durchschnitt, so die Werbung, könnten Mieterinnen und Mieter 400 Euro Miete einsparen. Angesichts hoher Mieten und knappen Wohnraums klingt das verlockend. Doch wie transparent ist das Geschäftsmodell, und ist Conny tatsächlich die beste Möglichkeit, sich gegen eine überhöhte Miete zu wehren?
Zweifel daran äußert eine ehemalige Anwältin aus dem Unternehmen, die anonym bleiben möchte. Auch Erfahrungsberichte von Kund:innen fallen unterschiedlich aus. Das Grundproblem ist unbestritten: Die Mietpreisbremse soll verhindern, dass Vermieter:innen bei neuen Mietverträgen mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete verlangen. Gegebenenfalls müssen Mieter:innen aktiv werden.
Eine Auswertung des Berliner Mietervereins von 330 neuen Mietverträgen ergab, dass 95 Prozent der überprüften Mieten zu hoch waren. Conny setzt hier an und verspricht, die Ansprüche der Mieter:innen auf Absenkung durchzusetzen, notfalls vor Gericht. Für Mieter:innen kann die Sache allerdings auch schlecht ausgehen. Ein Fall aus Berlin zeigt die Risiken, wie die Tageszeitung taz berichtete. Ein Mieter wollte zunächst nur sein Sparpotenzial prüfen. Nach mehreren Kontakten bemerkte er erst spät, dass bereits ein Vertrag mit Conny zustande gekommen war. Als das Unternehmen wegen fehlender Mitwirkung Schadensersatz verlangte, wurde ihm die Tragweite bewusst. Der Dienstleister erklärt dazu, Ziel sei nicht gewesen, Kund:innen Geld abzunehmen, sondern sie zur Mitwirkung zu bewegen.
Gerade beim Vertragsschluss sieht die ehemalige Conny-Anwältin aber ein Transparenzproblem. Nach der Registrierung folgt eine E-Mail mit Angebot, Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Erfolgsvereinbarung. Wer darauf mit „Okay“ antwortet, kann damit bereits einen Vertrag abgeschlossen haben.
Wer Alternativen prüft, fährt eventuell günstiger
Problematisch auch das Vergütungsmodell. Conny wirbt damit, dass Kund:innen zunächst kein Geld zahlen müssen. Kostenlos ist die Dienstleistung deshalb nicht. Bei erfolgreicher Durchsetzung treten Mieter:innen die Ansprüche auf Rückzahlung der überzahlten Miete an Conny ab.
Deshalb lohnt ein Vergleich mit Alternativen. Ein Mieterverein kann beispielsweise die Miete prüfen und bei einer Rüge helfen. Auch anwaltliche Beratung ist möglich. Conny kann einen Vorteil ins Feld führen: Das Unternehmen nimmt Mieter:innen die Durchsetzung weitgehend ab und kann Ansprüche auch gerichtlich verfolgen. Kund:innen berichten durchaus auch von positiven Erfahrungen: Nach einigen Monaten sank ihre Miete um mehrere 100 Euro monatlich. Das zeigt: Das Modell kann funktionieren. Es ändert aber nichts daran, dass die Bedingungen genau geprüft werden sollten. Wer den Dienst nutzt, sollte Vertragsbedingungen und Vergütung genau lesen und sich fragen, ob eine Beratung beim Mieterverein oder eine eigene Rüge ausreicht. Denn aus „kein Geld vorab“ wird schnell „Ansprüche abtreten“. Und aus einem simplen „Okay“ kann ein weitreichender Vertrag werden.
Stefan Klein
Warum Expats Conny nutzen
Gerade für Expats kann Conny attraktiv sein: Wer neu in Berlin ist, kennt die Mietpreisbremse, den Mietspiegel und die rechtlichen Möglichkeiten gegen eine überhöhte Miete oft nicht. Zu beachten ist allerdings: Sprachliche Unsicherheiten verstärken die Abhängigkeit von einem Dienstleister, der die komplette Durchsetzung übernimmt. Das niedrige Zugangshindernis ist Teil des Geschäftsmodells: Statt selbst Beratung zu suchen, geben Mieter ihre Ansprüche an Conny ab. Die spätere Rückzahlung der überhöhten Miete wird zur Vergütung des Unternehmens.
stk
25.09.2026




