Die Wärmewende kann nur gelingen, wenn sie sozial gerecht ist. Darüber waren sich die Teilnehmenden des Berliner Wärmegipfels am 29. August einig. Doch wie kann das erreicht werden?

Foto: Nils Richter
Im „Refugio“ in der Neuköllner Lenaustraße waren Ende August Vertreter:innen aus der Zivilgesellschaft wie etwa der Mieten- und Klimabewegung mit Akteuren der Energiewende zusammengekommen. Veranstaltet wurde der Wärmegipfel vom BUND Berlin e. V., dem Berliner Energietisch und dem Verein Klimaneustart. Beim Stichwort „klimafreundliches Heizen“ denken wohl die meisten an Fernwärme. Der Ausbau des Netzes sowie die Dekarbonisierung, sprich Umstellung auf nicht fossile Energiequellen, sind in der kürzlich veröffentlichten kommunalen Wärmeplanung für Berlin ein wichtiges Ziel. Doch die Fernwärme hat bei Mieter:innen keinen guten Ruf, weil sie derzeit vergleichsweise teuer ist. Das kann jedoch auch am Wärmecontracting liegen, wie Dirk Cieslak, Gewerbemieter im Neuen Kreuzberger Zentrum, herausgefunden hat. Nach Heizkostennachzahlungen von mehreren 1000 Euro wurde die Nachbarschaft aktiv und stieß auf eine Tochtergesellschaft der Gewobag, die für die gewerbliche Wärmelieferung die Hände aufhält. Theatermacher Cieslak hat aus seiner Odyssee zu Heizungskellern und Expert:innen ein Agitprop-Musical gemacht. Es heißt „Was kostet unser Gas?“ und wurde im September uraufgeführt.
Nahwärme als Alternative?
Kann Nahwärme als lokale Lösung für Quartiere eine Alternative sein? Darunter versteht man kleine Wärmenetze mit maximal 400 Anschlüssen. Reiner Wild, langjähriger Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, hat vor einigen Jahren zusammen mit anderen Anwohnenden ein genossenschaftliches Nahwärmenetz für die Siedlung Eichkamp gegründet. Noch kämpft die Initiative um Fördermittel, doch schon bald sollen bis zu 150 Häuser mittels oberflächennaher Geothermie und Sole-Wasser-Wärmepumpen mit klimaneutraler Nahwärme versorgt werden. Und was kostet das? „Ganz billig ist es wegen der notwendigen Investitionen nicht, aber man sollte es auch nicht mit Gas- oder Ölpreisen von vor fünf Jahren vergleichen“, sagte Wild.

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50 Prozent des CO₂‑Ausstoßes gehen bekanntlich auf den Wohnbereich zurück. Es muss also dringend etwas passieren im Bestand. „Mieter:innen befürworten energetische Modernisierungen, sofern sie sozialverträglich sind“, betonte Mietervereins-Geschäftsführer Sebastian Bartels. Doch viele hätten die Erfahrung gemacht: Es bringt nichts und kostet nur. Ohne eine stärkere Einbindung und Beteiligung der Mieter:innen gebe es keine Akzeptanz solcher Maßnahmen. Entscheidend ist aus seiner Sicht, die Belastung der Mieter:innen zu verringern, etwa durch Absenkung der Modernisierungsumlage. „Berlin muss hier mit gutem Beispiel vorangehen und in der Kooperationsvereinbarung zwischen Senat und den landeseigenen Wohnungsunternehmen entsprechende Absenkungen einführen.“ Zu den zehn von Bartels vorgetragenen Forderungen gehört auch die langfristige Warmmietenneutralität auch bei Contracting, das heißt: Die Warmmiete darf nach Heizungstausch oder Umstellung auf Fernwärme, anders als derzeit gesetzlich geregelt, länger als nur im ersten Jahr der Umstellung nicht steigen.
Birgit Leiß
Forderungen für eine leistbare Wärmewende ohne Armut
Auf dem Wärmegipfel wurden konkrete Forderungen an die Berliner Politik beschlossen. Sie sollen Teil der künftigen Koalitionsvereinbarung werden. Dazu gehört beispielsweise eine wirksame Preisaufsicht und ein Preisdeckel für die Fernwärme. Außerdem wird der Aufbau einer zentralen Leitstelle Nahwärme gefordert. Der Berliner Energieversorger BEW soll in eine gemeinwohlorientierte Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) überführt werden. Notwendig sei zudem ein Sanierungsprogramm für die energetisch schlechtesten Gebäude. Modernisierungen, die zu Mietwucher führen, müssten unterbunden werden.
bl
www.waermegipfel.berlin/diskussion-forderungen
25.09.2026




