Der Dreifaltigkeitsfriedhof III in Mariendorf ist eine Oase der Stille, mit alten schattenspendenden Bäumen und Fliederbüschen. Nun soll ein Teil davon bebaut werden. Eine Bürgerinitiative protestiert.

Foto: Sabine Mittermeier
„Wir haben in der Corona-Zeit gemerkt, wie wichtig solche Orte sind. Gerade ältere Menschen gehen hier gerne spazieren“, sagt Christiane Nastarowitz-Bien, während sie auf einer Wiese steht, auf der demnächst die Bagger anrollen sollen. Seit 30 Jahren wohnt sie direkt am Friedhof. Im Sommer sei es hier besonders angenehm, weil es stets ein paar Grad kühler ist als in der Umgebung. Zusammen mit ihrem Mitstreiter Marco Albus engagiert sie sich in der Bürgerinitiative Mariendorf-Nord. Wenn gebaut wird, würde Christiane Nastarowitz-Bien auf einen Viergeschosser blicken statt auf Bäume. „Aber darum geht es nicht“, betont sie. Dass ihnen von den Anhängern des Bauprojekts im Bezirksamt unterstellt wird, es gehe ihnen nur um ihren exklusiven Ausblick, ärgert sie genauso wie das Totschlag-Argument „Wohnungsmangel“. „Ja, wir brauchen Wohnungen, aber all die Menschen, die dann hier wohnen werden, brauchen doch auch Luft zum Atmen!“ Rundherum entstehen bereits viele Neubauten. Immer mehr Grünflächen verschwinden, auch eine nahegelegene Kleingartenanlage musste weichen.
Hoffen auf einen Planungsstopp
Auf einem Teil des Friedhofs in der Eisenacher Straße will ein Investor den „Campus Schätzelberge“ bauen. Geplant sind derzeit – die Zahl ändert sich immer mal wieder – rund 260 Wohnungen, davon 30 Prozent Sozialwohnungen in Vier- und Achtgeschossern. Außerdem soll es einen „Inklusionsbaustein“ geben: barrierefreie Wohnungen, betreute Wohngruppen und Beratungsangebote. Das mache weniger als 5 Prozent des gesamten Projekts aus, argumentiert die Initiative. Dass nur ein Teil des Friedhofs bebaut werden soll – der Investor spricht gar von einer Lagerfläche – ändert nichts daran, dass hier eine für den Klimaschutz wertvolle grüne Lunge geopfert werden soll. „Zusammen mit dem Friedhof Zum Heiligen Kreuz und dem Park Schätzelberge ist das ein funktionierendes Ökosystem aus drei zusammenhängenden Grünflächen“, erklärt Marco Albus.

Foto: Sabine Mittermeier
Doch noch hofft die Bürgerinitiative, dass die Pläne gestoppt werden können. Sie sammelt Unterschriften, hat einen Einwohnerantrag in die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg eingebracht und organisiert Dialogveranstaltungen. Bis Ende September lief das Beteiligungsverfahren zum Bebauungsplan. „Wohnungsbau ohne Naturzerstörung ist möglich“, heißt es beim Berliner Landesverband des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V.), der die Bürgerinitiative unterstützt. Eine bereits versiegelte Alternativfläche ganz in der Nähe wüsste man auch: ein derzeit für den Autohandel genutztes Gewerbegebiet in der Ullsteinstraße. Warum dieser Alternativvorschlag vom Bezirk abgelehnt wird, will die Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung in Tempelhof-Schöneberg, Eva Majewski Sparacino (CDU), nicht beantworten. Kein Geheimnis ist, dass es innerhalb des Bezirks unterschiedliche Auffassungen gibt. Ausgerechnet die Grünen gelten als Verfechter des Bauvorhabens.
Birgit Leiß
Baufelder statt grüner Oasen?
Durch den Trend zur platzsparenden Urnenbestattung werden immer weniger Friedhofsflächen benötigt. Weil die Kirchengemeinden kein Geld für den Unterhalt haben, wurden 2009 rund 45 Friedhöfe in den neu gegründeten Friedhofsverband eingebracht. Seine Aufgabe ist es, Konzepte für die Nachnutzung zu entwickeln. Einige Flächen wurden als Bauland verkauft, andere als Park genutzt. In allen Fällen handelt es sich um Flächen, wo schon lange keine Gräber mehr sind oder die – wie im Fall des Dreifaltigkeitsfriedhofs – nie für Bestattungen genutzt wurden.
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bi-mariendorf-nord.de
25.09.2026




