Eine Unterschriftenaktion für den Erhalt der Späth’schen Baumschule in Treptow-Köpenick sorgte für einen Besuch des Stadtentwicklungssenators. Nun wurde ein Struktur- und Nutzungskonzept beschlossen.

Foto: Sabine Mittermeier
Die Späth’schen Baumschulen im Bezirk Treptow-Köpenick lohnen einen Besuch. Auf dem historischen Gelände steht ein denkmalgeschütztes, über 150 Jahre altes Herrenhaus, es gibt einen Hofladen, regelmäßige Veranstaltungen und ein Wirtshaus, das noch Krokant-Eisbecher serviert. Darüber hinaus liegt hier das Arboretum des Botanischen Instituts der Humboldt-Universität – seit fast 100 Jahren erforscht es hier eine große Sammlung lebender Bäume und untersucht hitzeresistente Pflanzen.
Auf den Freiflächen betreibt die Baumschule unter anderem eine Obstplantage, Gewächshäuser und einen Sortengarten. Außerdem können Schüler:innen auf dem sogenannten Weltacker lernen, wie sich Pflanzenvielfalt auf unsere Ernährung auswirkt.
Groß war die Empörung, als der rbb im Mai 2026 über Bebauungspläne an dieser Stelle berichtete. 22.000 Anwohner:innen und Besucher:innen unterschrieben eine Petition, die sich für den Erhalt der Späth’schen Baumschulen einsetzte.

Dass im Gebiet gebaut werden soll, ist bereits länger bekannt. Das 100 Hektar umfassende „Dreieck Späthsfelde“, zwischen der Stadtautobahn A 113, dem Britzer Verbindungskanal und den Restflächen gelegen, gehört zu den 24 Standorten, an denen das Land Berlin seine „Neuen Quartiere“ errichten will. 2500 Wohnungen sollen auf dem „Dreieck“ entstehen.
Noch bevor die Unterschriftenliste samt einer Pflaumenpflanze an Senator Christian Gaebler übergeben war, hatte der sich vor Ort ein Bild gemacht. „Danach gab es Gespräche zwischen dem Planungsteam der Senatsverwaltung und uns“, erzählt Karoline Leu, Tochter des Baumschuleninhabers Holger Zahn. Gemeinsam mit ihrer Schwester und einer langjährigen Mitarbeiterin hat sie im Frühjahr die Geschäftsführung der Firma übernommen.
Anfang Juli teilte die Senatsverwaltung dann mit: „Der Betrieb der Baumschule und die bestehenden kulturellen Nutzungen sollen am Standort planungsrechtlich gesichert werden.“ Ein „großzügiges Grün- und Freiraumband“ solle die Kernfläche der Späth’schen Baumschulen umgeben, „ohne dass das Ziel des Wohnungsbaus in Frage gestellt wird“. Der Weltacker, Obstbaumflächen und Schaugärten sollten in die neu anzulegenden Grün- und Freiflächen integriert werden, das Arboretum bliebe unangetastet. Karoline Leu hofft, dass es dabei bleibt, denn: „Ohne das alles wären wir nur ein Gartencenter.“ Die Chancen stehen nicht schlecht: Am 11. August 2026 beschloss der Senat das entsprechende Struktur- und Nutzungskonzept. Werden hier eine traditionelle Flächennutzung und moderne Anforderungen, die durch die Wohnungsknappheit entstehen, ausnahmsweise versöhnt?
Carola Rönneburg
25.08.2026




