Sprachbarrieren, fehlendes Wissen über das deutsche Mietrecht und ein extrem angespannter Wohnungsmarkt führen dazu, dass in Deutschland ankommende Migranten überdurchschnittlich häufig in prekären Wohnverhältnissen landen. Informelle und illegale Untermietverhältnisse, überhöhte Mieten oder Wohnungen ohne Möglichkeit der Anmeldung trifft man ausgesprochen häufig dort an. Ein Weg aus der Sackgasse könnten mehrsprachige Beratungsangebote sein.

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Die fehlende Möglichkeit, sich bei der Meldebehörde zu registrieren, erlaubt im weiteren Verlauf weder Kontoeröffnung noch Arbeitsaufnahme. Gleichzeitig nutzen manche Vermieter:innen diese Notlage aus. Hinlänglich bekannt sind zum Beispiel Gemeinschaftswohnungen, in denen sich mehrere Lieferdienstfahrer ein Zimmer teilen und mehr als 500 Euro pro Person zahlen müssen. Wer neu nach Berlin kommt und seine Rechte nicht kennt, kann sich gegen überhöhte Mieten oder rechtswidrige Zustände kaum wehren.
Auswirkungen hat das nicht nur auf die unmittelbar Betroffenen: Was an der einen Stelle widerstandslos durchgeht, wird bald auch an anderer Stelle praktiziert. Und schließlich fließen solche völlig überhöhten Mieten auch in den Mietspiegel ein und verschieben das Preisgefüge insgesamt. Deshalb liegt es im Interesse aller Berliner Mieter:innen, dass neu Zugewanderte ihre Rechte kennen und durchsetzen können.
Hier kommt dem Berliner Mieterverein eine wichtige Rolle zu. Er erreicht viele Menschen, doch neu Zugewanderte, die Beratung und Unterstützung dringend nötig haben, tun sich mit dem Angebot schwer, weil es häufig sprachlich oder organisatorisch nicht ausreichend zugänglich ist. Der BMV bietet zwar spezielle englischsprachige Beratungen an. Schriftliche Informationen, etwa zu Mietverträgen, Nebenkosten, Mängeln oder Kündigungen, sind aber auf Deutsch. Sie sollten in diversen Sprachen verfügbar und leicht verständlich sein. Ebenso wichtig sind Kooperationen mit Nachbarschaftszentren, Sprachschulen, Beratungsstellen und migrantischen Initiativen, die in den Communitys bereits Vertrauen genießen.
Gleichzeitig brauchen Menschen in informellen Wohnverhältnissen oft mehr als klassische Rechtsberatung. Niedrigschwellige Erstinformationen, mehrsprachige Online-Angebote oder Kooperationen mit sozialen Trägern können Betroffene frühzeitig unterstützen und an die richtigen Stellen vermitteln.
Eine Aufgabe des Mietervereins
Beim Common Ground Forum im Juni 2026 wurde deutlich, welche Ressourcen beim Ankommen in Deutschland oder Berlin tatsächlich helfen: Freund:innen, Nachbar:innen, Communitys oder WhatsApp-Gruppen, die Wissen weitergeben. Es gehört auch deshalb zur Aufgabe des Berliner Mietervereins und seiner Mitglieder, neu Zugezogene über ihre Rechte und die Angebote des Vereins zu informieren, weil die Erfahrung zeigt, dass es da, wo Mieter:innen sich im Haus vernetzt haben, für Migrant:innen leichter ist, an Informationen zu kommen.

Migration ist Teil der Realität des Berliner Wohnungsmarktes. Ein Mieterverein, der sprachlich zugänglich ist, Kooperationen mit migrantischen Initiativen ausbaut und neue Formen
der Beratung entwickelt, hilft nicht nur einzelnen Mitgliedern. Er trägt dazu bei, dass das Recht auf gutes und sicheres Wohnen für alle Berliner:innen ein realistisches Ziel wird.
Rilana Krick
Common Ground Forum
Mit dem Common Ground Forum fand im Juni 2026 erstmals ein berlinweites Treffen statt, welches das Recht auf Stadt aus migrantischer Perspektive beleuchtet. Im Mittelpunkt standen migrantische Organisationen und stadtpolitische Initiativen, die einen Tag lang über Wohnen, Leben und Teilhabe in Berlin debattiert und sich untereinander kennengelernt und vernetzt haben. Organisiert wurde das Forum von Ciudad Migrante gemeinsam mit Anmeldung für Alle und weiteren Berliner Initiativen.
rk
28.08.2026




