Leerstehende Bürotürme und Kaufhäuser, aufgegebene Fabrikgebäude und nicht mehr benötigte Schulen: Hier schlummert ein Riesenpotenzial für den Wohnungsbau – und zwar ohne dass man zusätzliche Flächen versiegeln müsste. Nun hat der Bund Fördergelder für den Umbau zur Verfügung gestellt.

Foto: Sabine Mittermeier
„Endlich ist das Problem des Gewerbeleerstands auf Bundesebene angekommen“, kommentierte der Berliner Mieterverein den Start des Förderprogramms zum 1. Juli 2026. 300 Millionen Euro stellt der Bund bereit. Gefördert werden 30 Prozent der Umbaukosten, bis zu 30.000 Euro davon werden als nicht rückzahlbarer Direktzuschuss gezahlt – ohne irgendwelche Vorgaben. Und das ist problematisch. „Ohne Höchstmieten und Sozialbindungen droht der Zuschuss faktisch zu einem Geldgeschenk an Investor:innen zu werden“, kritisiert Sebastian Bartels, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins (BMV).
Ein Blick auf die bereits realisierten Bauprojekte belegt, dass nur selten preisgünstige Mietwohnungen geschaffen wurden. So entstanden auf dem historischen Schlachthofgelände zwischen Prenzlauer Berg und Friedrichshain vor allem Townhouses. In Spindlersfeld werden derzeit auf ehemaligen Industrieflächen rund 500 Eigentumswohnungen gebaut. Eines der eher wenigen Positivbeispiele: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land plant zurzeit 160 Wohnungen in einer ehemaligen Möbelfabrik am Maybachufer.
Unverständlich ist aus Sicht des BMV außerdem, dass nur eine einzige Wohnung entstehen muss, um die Förderung in Anspruch nehmen zu können – und diese nach zehn Jahren auch wieder in Gewerbe umgenutzt werden kann. Der BMV fordert pro Maßnahme ein Minimum von zehn neu geschaffenen Wohnungen. „Nur so lässt sich verhindern, dass das Programm bei kleinteiligen Einzelmaßnahmen verpufft, statt einen spürbaren Beitrag zur Linderung der Wohnungsnot zu leisten“, erklärt Bartels.
Birgit Leiß
26.08.2026




