Die klassische Wohnungssuche über Immobilienportale führt nur noch selten zum Ziel – immer mehr Menschen suchen über Social-Media-Plattformen nach ihrer Traumwohnung. Ist das erfolgversprechend oder eher riskant?

Illustration: Julia Gandras
„Suche Dreizimmerwohnung in Neukölln – bin dankbar über jeden Tipp“ oder „Wir sind auf der Suche nach einer Wohnung in Kreuzberg. Wer kennt jemanden, der jemanden kennt …?“. So oder ähnlich beginnen Wohnungsgesuche auf Instagram und Co. Was früher die ans Schwarze Brett gepinnte Anzeige war, wird heute in Gruppen oder über das eigene Profil gespielt – in der Hoffnung, dass das Gesuch sich möglichst weit verbreitet und die dringend gesuchte Wohnung anspült.
Dabei unterscheidet sich die Vorgehensweise je nach Medium. Auf Facebook, das sich eher an eine etwas ältere Klientel richtet, sind vor allem Gruppen verbreitet, in denen Wohnungsinserate oder auch Suchanfragen von privat oder auch von kommerziellen Anbietern geteilt werden. Diese Gruppen sind teilweise öffentlich zugänglich. Die Gruppe „Freie Wohnung/WG in Berlin“ etwa hat mehr als 127.000 Mitglieder, dort finden sich mehrmals täglich neue Angebote. Wer Interesse hat, bekundet dies öffentlich als Nachricht unter der Anzeige oder per „DM“, also Direktnachricht an den Anbietenden. Besonders für die Suche nach einer WG oder nach einem Zwischenmietverhältnis dürfte dies interessant sein. Da gerade in den sehr großen Gruppen viele andere potenzielle Interessent:innen vorhanden sind, gilt es, regelmäßig mitzulesen und schnell zu reagieren – ein nicht unerheblicher zeitlicher Aufwand.
Auf Instagram ist es eher verbreitet, die eigene Suche in einen – möglichst kreativen – Post oder eine Story zu packen und darauf zu hoffen, dass das eigene Netzwerk dies eifrig teilt und weiterverbreitet. Hier läuft alles über persönliche Kontakte oder „Freunde von Freunden“. Mit viel Glück stößt man so auf ein Angebot, das vielleicht noch gar nicht auf dem Markt ist. Die Suche ist allerdings wenig strukturiert und kurzlebig, denn Instagram-Stories verschwinden nach 24 Stunden und Posts rutschen im Feed der anderen weiter nach unten. Zudem ist unklar, wie vielen anderen Nutzer:innen der Algorithmus den Beitrag überhaupt ausspielt. Wichtig ist der gezielte Einsatz von Hashtags wie etwa #wohnungssuche oder #wohnungberlin. Mit Glück und Kreativität kann man eine beachtliche Reichweite erzielen.
Messenger-Dienste: Wohnungsgesuch als Status-Mitteilung
Dies verspricht auch die Videoplattform TikTok, die vor allem eine sehr junge Zielgruppe begeistert. Erfolgversprechend sind hier besondere Videos, die sich über das eigene Netzwerk hinaus verteilen. Auch hier gilt es, schnell zu sein, weil Videos von Angeboten nur kurz zu sehen sind.
In Messengerdienste wie WhatsApp oder Telegram kann man Suchanzeigen in die eigene Statusmeldung packen oder in Gruppen teilen. Man erreicht jedoch nur eigene Kontakte, also eine überschaubare Anzahl an Personen – von denen man aber die meisten auch tatsächlich kennt, was in puncto Sicherheit Vorteile hat.
Social Media kann die Wohnungssuche also ergänzen, sollte aber nicht der einzige Weg sein. Klar ist: Man muss einiges an Zeit und Energie aufwenden – und sollte immer wachsam bleiben.
Katharina Buri
Vorsicht gehört dazu
Verbraucherzentralen und Polizei warnen vor gefälschten Wohnungsanzeigen, bei denen sich die vermeintlichen Besitzer:innen nach hohen Anzahlungen aus dem Staub machen. Immobilienplattformen versuchen, solche Fake-Angebote zu finden und zu löschen. Auf Social-Media-Plattformen hingegen ist der Wildwuchs groß, die Kontrolle aber geringer. Bedenklich können auch datenschutzrechtliche Aspekte sein. Zwar kann es hilfreich sein, in Suchanzeigen ein Foto von sich und Infos zur eigenen Person einzubauen. Wer aber allzu viel auf seinem Profil teilt und potenziellen Vermieter:innen darauf Zugriff gewährt, sorgt womöglich für ungewollte Transparenz.
kb
app.flatsforfriendz.com
27.06.2026




