Beim Hansaviertel steht meist die Gebäude-Architektur im Mittelpunkt. Doch auch die Grünflächen sind prägender Bestandteil des Modell-Wohnviertels aus den ersten Nachkriegsjahren West-Berlins. Ein junger Verein setzt sich für den Erhalt und die behutsame Weiterentwicklung der parkähnlichen Außenräume ein.

Foto: Sabine Mittermeier
Der Verein „interbau e. V. – Hansaviertel neu denken“ hat sich ganz selbstbewusst nach der berühmten Internationalen Bauausstellung benannt, in deren Rahmen das Hansaviertel 1957 entstanden ist. „Die meisten von uns wohnen hier, dazu kommen Stadtplaner:innen und Menschen aus der Zivilgesellschaft“, erklärt Katharina Lemke, Ko-Vorsitzende des Vereins. In das Klagelied über den Niedergang des Hansaviertels will sie nicht einstimmen: „Wir wollen uns seine Schönheit vor Augen führen, und damit es noch schöner wird, müssen wir an ein paar Stellschrauben drehen.“
Nach einer Konferenz zum Thema Energieversorgung der Zukunft und dem Projekt „Wohnen von morgen“ hat sich der Verein nun einen neuen Schwerpunkt gesetzt: die Grünflächen. „Das Grün wurde schon in den frühen Planungen als entscheidender Bestandteil des Hansaviertels verstanden“, sagt der Vereinsvorsitzende Henrik Adler. Die Vision war eine „gebaute Stadtlandschaft“, die durch das Zusammenspiel von Gebäuden und großzügigen Grünräumen entsteht. Auf Zäune und Abgrenzungen wurde bewusst verzichtet. Die großzügigen Grünflächen werden von allen geteilt. Es sei eine schöne Idee von Freiheit und Demokratie, die aber nicht immer einfach zu leben ist, sagt Katharina Lemke: „Wie gehen wir zum Beispiel damit um, wenn Obdachlose im Garten nächtigen?“
Gemeinsam gärtnern – Gemeinsinn stärken

Foto: Sabine Mittermeier
Im Herbst 2025 startete der Verein das Projekt „Die Gärten von morgen“. Es geht zum einen darum, die Grünflächen an den Klimawandel anzupassen. Beispielsweise brauchen die Rasenflächen viel Wasser. Da sie zudem inzwischen durch hohe Bäume verschattet werden, sehen sie eher nach einer Steppe aus. Schon lange gibt es zudem Kritik an der nicht fachgerecht ausgeführten Grünpflege. In Absprache mit einer Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) haben einige aus dem Verein die Pflege nun in die eigene Hand genommen. Zum anderen geht es um Nachhaltigkeit, und die hat für Katharina Lemke immer eine soziale Komponente: „Auch bei uns geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander.“ Das gemeinsame Gärtnern, der Austausch über Zukunftsvisionen für das Hansaviertel sollen den Gemeinsinn stärken.
Zum Start des Projekts im letzten Herbst fanden in der Hansabibliothek eine Reihe von Veranstaltungen statt, darunter Wildkräuterspaziergänge und Gartenwerkstätten. So wurde hinter dem U-Bahn-Eingang mit Freiwilligen ein Blumenbeet mit leuchtend roten Tulpen und Kaiserkronen angelegt. Zweites sichtbares Ergebnis: eine Installation mit Beeten und Holzelementen auf einem ungenutzten Rewe-Parkplatz auf dem Hansaplatz. Sie sollte zum Austausch anregen: Wie kann hier wieder ein attraktiver Ort mit Aufenthaltsqualität für alle entstehen? Kürzlich musste die temporäre Installation auf Geheiß des Denkmalamts wieder abgebaut werden. Der Verein hätte sich gewünscht, dass sie zumindest so lange bleiben kann, bis etwas mit der Fläche passiert.
Birgit Leiß
Nicht ohne den Denkmalschutz
Der „interbau e. V.“ bekommt Fördermittel vom Landesdenkmalamt, der Stiftung Naturschutz und über das Förderprogramm FEIN (Freiwilliges Engagement in Nachbarschaften). Davon können Honorare für Aufträge sowie Sachmittel bezahlt werden. Die Projektarbeit wird ehrenamtlich geleistet. Da das gesamte Hansaviertel unter Denkmalschutz steht, müssen sämtliche Aktivitäten mit dem Denkmalschutzamt abgestimmt werden, bei den privaten Flächen zusätzlich mit den verschiedenen Wohnungseigentümergemeinschaften.
www.von-morgen.berlin/gaerten
26.05.2026




