Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat die Gründung einer „Bundesgesellschaft für bezahlbaren Wohnungsbau“ vorgeschlagen. In den nächsten Monaten will er das Konzept mit der Bauministerin Verena Hubertz (SPD) ausfeilen. Es gibt aber ein Problem: Das Grundgesetz müsste geändert werden.

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Weil die private Bauwirtschaft es nicht allein schaffe, genug bezahlbaren Wohnraum zu bauen, müsse der Staat ran – so Klingbeils Grundidee. Nach einer Studie des Pestel-Instituts fehlen in Deutschland 1,4 Millionen Wohnungen. In den letzten Jahren wurden jeweils deutlich weniger als 300.000 Wohnungen gebaut – Tendenz sinkend, denn die Baukosten steigen. Das Bauforschungsinstitut ARGE hat ermittelt, dass in Großstädten ein neugebauter Quadratmeter Wohnfläche heute 4630 Euro kostet, mit Grunderwerb sogar 5400 Euro. „Das bedeutet: Minimum 18 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter“, sagt ARGE-Studienleiter Dietmar Walberg. „Und das ist zu teuer für jeden Durchschnittsverdiener.“

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Klingbeil möchte mit der Bundesgesellschaft die Baukosten auf unter 3000 Euro herabdrücken. Es soll „keine Baufirma und keine Behörde“ sein. Gedacht ist an eine Gesellschaft, an der der Bund zu 51 Prozent und private Firmen zu 49 Prozent beteiligt sind. Sie werde „in großem Stil“, so Bauministerin Hubertz, Wohnungsbauprojekte im bezahlbaren Preissegment entwickeln, deren Umsetzung öffentlich ausschreiben und Kredite zur Verfügung stellen. Weil der Staat Kredite günstiger aufnehmen kann, wird das Bauen billiger. Zudem sollen Aufträge zu größeren Paketen gebündelt werden, was Kostenvorteile gegenüber kleinen Einzelvergaben verspricht. Auch auf das serielle Bauen möchte man verstärkt setzen.
Der Deutsche Mieterbund (DMB) begrüßt die Pläne. „Mehr öffentlich geförderter und dauerhaft bezahlbarer Wohnraum ist dringend notwendig. Eine starke Rolle des Bundes kann hier ein wichtiger Schritt sein“, erklärt DMB-Bundesdirektor Florian Becker. Allerdings reiche eine neue Bundesgesellschaft allein nicht aus. Es brauche auch bessere Förderbedingungen, weniger Bürokratie und eine Stärkung der bestehenden kommunalen Wohnungsunternehmen.
Klägliche Bilanz der BlmA in der Kritik

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Für die neue Bundesgesellschaft müsste allerdings das Grundgesetz geändert werden, denn das Wohnungswesen ist Sache der Länder. Für die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit müsste die SPD ihren skeptischen Koalitionspartner CDU/CSU noch überzeugen. Die Linken-Baupolitikerin Caren Lay ist hingegen erfreut, dass die SPD eine ihrer Forderungen aufgreift. Sie verweist auf die bisher klägliche Baubilanz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die dem Finanzminister Klingbeil unterstellt ist. Im Jahr 2025 hat sie in ganz Deutschland nur 276 Wohnungen gebaut. „Die BImA zur Bundeswohnungsbaugesellschaft umzubauen – da helfen wir gern!“, so Caren Lay.
Jens Sethmann
Idee von anno 1923
Die Bundesrepublik hatte bis vor 29 Jahren eine staatliche Baugesellschaft: die Gemeinnützige Deutsche Wohnungsbaugesellschaft, kurz „Deutschbau“. Sie wurde 1923 gegründet und errichtete vor allem Wohnungen für Militär-, Post- und Bahnbedienstete. Ihr letztes staatliches Projekt war die sogenannte Bundesschlange auf dem Moabiter Werder: Die Wohnanlage für Beschäftigte des Bundes, die beim Hauptstadtumzug von Bonn nach Berlin wechseln sollten, wurde 1997 bis 1999 gebaut. Die Nachfrage der „Bonner“ war aber so gering, dass auch Menschen einziehen konnten, die nicht beim Bund arbeiteten. Die Bundesregierung hat 1997 die Deutschbau mit ihren 39.000 Wohnungen privatisiert. Inzwischen gehört sie zum Vonovia-Konzern.
js
26.05.2026




