Der Senat hat gleich elf neue Quartiersmanagement-Gebiete festgelegt. Nicht nur die Anzahl, auch die Auswahl überrascht. Denn größtenteils handelt es sich nicht um altbekannte Problemkieze in Wedding und Nord-Neukölln.

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Dass auf einen Schlag so viele neue QM-Gebiete in das entsprechende Städtebauförderungsprogramm „Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten“ aufgenommen wurden, liegt daran, dass Ende 2027 gleich 19 Gebiete aus dem QM-Status entlassen werden. Denn nach 15 Jahren ist grundsätzlich Schluss mit der Förderung. Im Idealfall hat sich die Situation vor Ort in dieser Zeit erheblich gebessert und es wurden Strukturen geschaffen, die auch nach dem Ausbleiben der Fördergelder wirken.
Für zwölf QM-Gebiete mit nach wie vor ungünstigen Sozialdaten hat der Senat das neue Landesprogramm „Quartiersmanagement light“ aufgelegt. In diesen Gebieten bleibt, so formuliert es die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, auch weiterhin eine „starke Kümmererstruktur“ vor Ort erhalten. Dazu gehören beispielsweise Mehringlatz und Wassertorplatz (beide Kreuzberg), Sonnenallee Süd/High-Deck-Siedlung (Neukölln) und Soldiner Straße/Wollankstraße (Wedding).
Neues Programm „QM light“
Die elf Neuzugänge sind als „Gebiete mit besonderen sozialen Herausforderungen“ bisher nur zum Teil in Erscheinung getreten. Zum Beispiel der Askanische Platz unweit des Potsdamer Platzes. Gibt es hier eine soziale Schieflage? Eine Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) erklärt, dass die Gebiete in enger Abstimmung mit den Bezirken ausgewählt wurden. Grundlage für die Festlegung sind Indikatoren wie Arbeitslosenzahlen, Transferbezug und Kinderarmut, wie sie im Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2023 ausgewiesen sind. Darüber hinaus sind aber auch bauliche Erfordernisse ausschlaggebend. Dazu konnten die Bezirke notwendige Investitionen in die soziale Infrastruktur und in die Qualität des öffentlichen Raums geltend machen. So ist beispielsweise am Askanischen Platz ein Jugendort am Tempodrom sowie die Neugestaltung des Elise-Tilse-Parks, einer Grünanlage auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Bahnhofs, geplant – ebenso die Herrichtung des Askanischen Platzes als Stadtplatz. Des Weiteren ist ein Sportplatz für die Kurt-Schumacher-Grundschule vorgesehen.
In Britz – ebenfalls bislang nicht als Problem-Quartier bekannt – ist unter anderem eine Aufwertung der Uferflächen am Teltowkanal, ein Umbau des Jugendclubs Feuerwache sowie der Aufbau eines Familienzentrums vorgesehen.
Keine neuen Schwerpunkte
Neue inhaltliche Schwerpunkte gibt es nicht im QM-Programm. Ziele sind weiterhin die Stärkung der sozialen Infrastruktur, die Verbesserung des öffentlichen Raums, die Stärkung des nachbarschaftlichen Miteinanders sowie Maßnahmen zum Klimaschutz. Es geht darum, die Lebensqualität im Quartier nachhaltig zu verbessern. Zusammen mit den 13 bestehenden Fördergebieten gibt es dann in Berlin 24 QM-Gebiete.
An der Städtebauförderung beteiligt sich der Bund zu einem Drittel, zwei Drittel trägt das Land Berlin. Die Mittel für das neue Quartiersmanagement light werden dagegen vollständig vom Land Berlin finanziert.
Birgit Leiß
Verdrängung durch Aufwertung?
Das Quartiersmanagement-Verfahren wurde 1999 aus der Taufe gehoben und soll zusammen mit der Bewohnerschaft die Lebensverhältnisse in genau festgelegten Kiezen verbessern. Ob das gelingt, ist umstritten. Während der Senat eine positive Bilanz für die Ende 2027 aus dem QM-Status fallenden Gebiete zieht, wenden Kritiker ein, dass besser ausgestattete Schulen und schönere Spielplätze Besserverdienende anziehen. Doch was wäre die Alternative? Schmuddelige Grünflächen und fehlende Sportstätten als Bollwerk gegen die Gentrifizierung?
bl
22.04.2026




