Ersetzt eine effiziente Heizung künftig die Gebäudedämmung? Wie können Nahwärmenetze die Versorgung unterstützen? BMV-Geschäftsführer Sebastian Bartels und Franziska Schulte, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, diskutierten beim zweiten Wahlforum des Berliner Mietervereins mit Vertretern der demokratischen Parteien Fragen der Wärmewende.

Foto: Christian Muhrbeck
19. März, im Haus der Demokratie: Auf dem Podium Danny Freymark, Sprecher für Klima- und Umweltschutz der CDU und die Spitzenkandidaten von SPD und Bündnis 90/Die Grünen, Steffen Krach und Werner Graf. Zur Runde gehörten außerdem Michael Efler, Sprecher für Klima- und Energiepolitik der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus und Christoph Meyer, Landesvorsitzender der FDP.
In seiner Einleitung erinnerte BMV-Geschäftsführer Sebastian Bartels an das vorgeschriebene Tempo laut Berliner Energiewendegesetz: Die CO₂-Emissionen im Land Berlin sollen bis 2030 um mindestens 70 Prozent, bis 2050 um mindestens 85 Prozent verringert werden. „Bei mehr als 37.000 landeseigenen Wohnungen haben wir aber noch die schlechte Energieklasse E.“ Durch Contracting sei außerdem ein „Heizkostenschock“ entstanden.

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Von kleinen Abweichungen abgesehen, herrschte an diesem Abend oft Konsens. Die Klimaziele wollte niemand infrage stellen. Danny Freymark, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, war positiv gestimmt: „Die Klimaschutzziele haben wir immer erreicht.“ Einzig Christoph Meyer, Landesvorsitzender der FDP, sprach sich für ein langsameres Vorgehen aus. „Wir sollten das 2045-Ziel auf 2050 legen“, sagte er. Gemeint ist das Ziel der Bundesregierung, Deutschland bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu machen.
Einigkeit bei den Klimazielen
Die Wärmewende ist sehr teuer. Eine möglichst wirtschaftliche Verwendung dieser Ausgaben sieht der Linke-Abgeordnete Michael Efler darin, den Schwerpunkt auf die klimagerechte Modernisierung der Heizungen zu setzen anstatt auf die Dämmung von Gebäuden. Häuser sollten aber auch weiterhin energetisch modernisiert werden, darin waren sich alle einig. „Wir müssen mehr energetisch sanieren und vor allem bei den Gebäuden anfangen, die am schlechtesten saniert sind“, mahnte Michael Efler mit Blick auf die landeseigenen Wohnungsunternehmen (LWU). Dem pflichtete Danny Freymark bei: „Die LWU sind kein Vorbild.“ Werner Graf vom Bündnis 90/Die Grünen stieß ins gleiche Horn: „Worst first“, also „schlechteste zuerst“, sei die Devise. Dabei müssten unbedingt bestehende Fördertöpfe genutzt werden.
Weshalb das „Förderprogramm Soziale Wohnraummodernisierung 2023“ nur von einigen kommunalen Wohnungsunternehmen genutzt wurde, wollte die Moderation wissen. Ob es daran lag, dass es nicht genug beworben wurde? Den anwesenden Politikern waren Details des Förderprogramms unbekannt.
Äußerungen dazu, wie Berlin mit dem Thema Contracting umgehen soll, ließen aufhorchen. Eine Preisaufsicht scheint denkbar, der CDU-Umwelt-Experte Danny Freymark möchte sie bei der Wohnungsaufsicht ansiedeln. Der Linke-Politiker Michael Efler plädierte dafür, Contracting zu verbieten, zumindest bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen.
Zum Schluss ging es noch um die Frage, ob sich lokale Nahwärmenetze gegen den Ausbau des Fernwärmenetzes behaupten können – insbesondere in den Stadtgebieten, die der Berliner Wärmeplan als sogenannte Prüfgebiete kennzeichnet. Steffen Krach von der SPD plädierte dafür, dass der Fernwärmenetzbetreiber BEW und lokale Akteure zusammenarbeiten. Nach Ende der Veranstaltung sagte ein Besucher: „Dafür, dass das alles so schnell gehen muss, waren die erstaunlich ruhig.“
Carola Rönneburg
Nächste Veranstaltung: BMV-Wahlforum III, 21. Mai 2026, 19 Uhr, Haus der Demokratie, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin: „Chancen für die Wohnraumversorgung – was bringt ein Wohnungswirtschaftsgesetz?“:
Preistreiber Wärme-Contracting
Beim „Wärme-Contracting“ lagern Vermieter die Versorgung ihrer Wohnungen mit Wärme und Warmwasser an einen Dienstleister aus, der oft mit ihnen wirtschaftlich verbunden ist. Neben der Energie stellt dieser Dienstleister alle Tätigkeiten in Rechnung, die er zum Betrieb der Heizungsanlage verrichtet oder seinerseits beauftragt. Die Kosten daraus werden komplett von den Mieter:innen getragen. Wo Contracting eingeführt wird, steigen nach Beobachtung der Mietervereine die Heizkosten enorm an – um circa 1 Euro pro Quadratmeter im Monat.
cr
22.04.2026




