Der Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin (IBB) und der Marktmonitor des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) zeigen: Die Mietenkrise hält an und der Lösungsansatz „Bauen, bauen, bauen“ wirkt nicht. Stattdessen werden neue Schuldige gesucht.

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Eine „gute Nachricht“ hatte IBB-Vorstand Hinrich Holm bei der Vorstellung des IBB-Wohnungsmarktberichts: „Der Preisanstieg, über den wir in den letzten Jahren berichtet haben, stagniert.“ In den Wohnungsangeboten ist die mittlere Nettokaltmiete mit 15,78 Euro pro Quadratmeter auf dem Niveau des Vorjahres geblieben. Allerdings liegt sie in der Innenstadt bei 19,22 Euro und in Neubauten bei 19,97 Euro.

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Bausenator Christian Gaebler (SPD) will die Preiskrise weiterhin mit Neubau bekämpfen, obwohl die angepeilten Ziele bislang verlässlich verfehlt wurden. Statt der geplanten 100.000 Wohnungen werden in der Legislaturperiode 2021 bis 2026 nur 80.000 neue Wohnungen fertig. Gaebler ist trotzdem nicht unzufrieden: „80 Prozent Zielerfüllung – das erreicht zurzeit niemand.“ Mit dem Schneller-Bauen-Gesetz und dem Einfacher-Bauen-Gesetz möchte er den Rückstand aufholen. Hinrich Holm fordert zudem: „Die Enteignungsdebatte muss schnell vom Tisch.“
BMV: Neubau löst die Wohnungsmarktkrise nicht
Der Berliner Mieterverein (BMV) findet die Zahlen alles andere als beruhigend: „Besonders alarmierend sind die hohen Angebotsmieten und der viel zu geringe Neubau bezahlbarer Wohnungen“, erklärt Geschäftsführerin Wibke Werner. Neubau könne die Wohnungsmarktkrise nicht lösen und der Schutz des noch bezahlbaren Wohnraums sei „unabdingbar“.

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Der BBU bemüht sich, in seinem Marktmonitor die Mietenkrise milder darzustellen. Die Berliner BBU-Mitglieder – überwiegend landeseigene Wohnungsunternehmen und Genossenschaften – haben die Bestandsmieten im letzten Jahr um 3,6 Prozent auf durchschnittlich 7,10 Euro pro Quadratmeter erhöht. Bei Wiedervermietungen verlangten sie aber 11 Prozent mehr als im Vorjahr, im Schnitt 9,54 Euro. Bei der Erstvermietung von Neubauten werden 13,55 Euro verlangt. „Unsere Unternehmen dämpfen nach wie vor die Mietenentwicklung“, ist BBU-Vorständin Maren Kern überzeugt.

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Sie hat neue „schwarze Schafe“ ausfindig gemacht, die für die hohen Angebotsmieten verantwortlich seien: „Profitorientierte Untervermieter.“ Das sei eine gravierende Fehlentwicklung. „Unsere Unternehmen schätzen die illegale Untervermietung auf 15 Prozent ein.“ Die Schätzung beruht auf Stichproben-Kontrollen der Namen auf den Klingelschildern. Es gibt allerdings keinen Beweis, dass viele Mieter:innen von ihren Untermieter:innen überhöhte Mieten kassieren.
Auf die Frage, ob das BBU-Mitglied Vonovia, das Mieterhöhungen mit selbst erfundenen Mietspiegel-Merkmalen begründet hat, nicht auch zu den „schwarzen Schafen“ gezählt werden muss, antwortet Maren Kern ausweichend: „Wir legen großen Wert darauf, dass sich unsere Unternehmen am Mietspiegel orientieren.“
„Schwarze Schafe oder die Vergesellschaftungsdebatte verantwortlich zu machen, ist nur eine Ausrede für politische Fehlentscheidungen der letzten Jahre“, kommentiert BMV-Geschäftsführerin Werner. „Die Wohnraumversorgung darf nicht dem Markt überlassen bleiben. Berlin braucht Vermietende, die sozial und gemeinwohlorientiert handeln.“
Jens Sethmann
„Geringe Mieten sind eher keine gute Nachricht“
In den BBU-Wohnungen sind die Bestandsmieten zwischen 2021 und 2025 um 11 Prozent gestiegen. Verglichen mit dem gleichzeitigen Baukostenanstieg von 45 Prozent sei das „moderat“, meint BBU-Vorständin Kern. Sie betont die vielen Aufgaben, die Wohnungsunternehmen mit den Mieteinnahmen erfüllen müssen: „Mieten finanzieren das Wohnen in all seinen Aspekten. Eine schwache Mietentwicklung ist deshalb nicht automatisch eine gute Nachricht für Mieterinnen und Mieter.“
js
www.ibb.de/wohnungsmarktbericht
28.03.2026




