Mit dem Berliner Wärmeplan wird ab Juni 2026 festgelegt, wie Berlin bis spätestens 2045 klimaneutral heizen wird. Den Entwurf dazu hat der Bereich Klimaschutz im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf kritisiert und exemplarisch dargelegt, woran es hakt.

Eigentlich scheint alles klar: Fernwärme soll die Wohnungen der meisten Berliner:innen zukünftig zuverlässig und klimaneutral warm halten, Öl- und Gasheizungen sollen verschwinden. Das Unternehmen Berliner Energie und Wärme GmbH (BEW), vormals Vattenfall, ist seit 2024 wieder in Landeshand und soll mit seinem heißen Wasser, das durch ein gewaltiges Netz fließt, noch mehr Häuser versorgen.

Foto: Christian Muhrbeck
Wohin das Netz ausgebaut werden wird, ist Teil des Wärmeplan-Entwurfs, der im vergangenen Herbst veröffentlicht wurde und zu dem die Bezirke innerhalb von vier Wochen Stellung nehmen mussten. Auch Verbände und Vereine waren eingeladen, den Entwurf innerhalb dieses kurzen Zeitraums zu bewerten.
Der Bereich Klimaschutz des Umwelt- und Naturschutzamtes Charlottenburg-Wilmersdorf beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie sich die Wärmeversorgung im Bezirk klimaneutral und sozialverträglich entwickeln lässt. Er hatte deshalb Ende 2024 eine Studie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen beauftragt und dabei den Schwerpunkt auf die Quartiere Klausenerplatz und Mierendorff-Insel gelegt, in denen Milieuschutzgebiete liegen.

Foto: Christian Muhrbeck
Untersucht wurden verschiedene Wärmeversorgungsszenarien, bei denen zum Beispiel Nahwärmenetze betrachtet wurden, die Abwasserwärme nutzen, oder eine Kombination aus Fernwärme und Grundwasserpumpen. Im Kern stellte die Studie fest, dass derzeit „reine Fernwärmeversorgung die größten Emissionswerte“ und die höchsten Kosten verursacht – einer von mehreren Kritikpunkten aus Charlottenburg-Wilmersdorf am Wärmeplan-Entwurf.
Vor allem fehle ein Fahrplan, wie die BEW ihre CO2-Emissionen reduzieren will – also alternative Energien einsetze, anstatt fossile zu verbrennen. Das sei „der Elefant im Raum“, heißt es in der Stellungnahme. Der Entwurf verwende Daten der Vorgängerin Vattenfall, die noch den Einsatz von sogenanntem grünen Wasserstoff vorgesehen hatte – ein teures Vorhaben, das längst beerdigt ist.
Der Faktor Sozialverträglichkeit
Vorgebracht wurde auch eine beunruhigende Warnung: Je mehr Wärmepumpen in Gebieten ohne Netzbetreiber zum Einsatz kommen, umso mehr steigt die Gefahr für das gesamte Stromnetz. Die entstehende „Lastverschiebung“ müsse daher dringend kontrolliert werden.
Neben weiteren technischen Aspekten thematisiert die Stellungnahme den Faktor „Sozialverträglichkeit“. Die aktuell geplante Nachverdichtung und der Ausbau der Fernwärme im Bezirk würde auch das Milieuschutzgebiet Klausenerplatz betreffen, in dem Wohngebäude „mit dem absolut höchsten Heizwärmebedarf“ liegen, wie man ermittelt hat und auf einer Karte darstellt. Angesichts der hohen Kosten von Fernwärme kämen hier „Fragen hinsichtlich ihrer Genehmigungsfähigkeit durch die Milieuschutzbehörde auf.“ Eine energetische Sanierung der Gebäude, von denen die Hälfte dem kommunalen Wohnungsunternehmen Gewobag gehört, sei unumgänglich.
Carola Rönneburg
BMV: Landeseigene sollen Modernisierungsumlage deckeln
Die Stellungnahme des Bereichs Klimaschutz im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf zeigt exemplarisch, auf was sich Berliner Mieter:innen gefasst machen müssen: Jede Änderung der Wärmeversorgung ist eine Modernisierung, für die Mieter:innen zahlen müssen – auch über den Zeitpunkt hinaus, zu dem die Investition abbezahlt ist. Der Berliner Mieterverein fordert deshalb von den landeseigenen Wohnungsunternehmen, Modernisierungsumlagen bei 1,50 Euro pro Quadratmeter im Monat zu deckeln.
cr
25.02.2026




