1924 wurde in Berlin die Wohnungsfürsorgegesellschaft gegründet. Sie ist eine Vorgängerorganisation der Investitionsbank Berlin (IBB), die somit vor Kurzem ihr 100-jähriges Jubiläum feierte.

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Vor 100 Jahren stieg Berlin in die öffentliche Förderung des Wohnungsbaus ein. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Wohnungsfürsorgegesellschaft Berlin mbH (WFG), die am 2. April 1924 von der Stadt Berlin und dem preußischen Staat gegründet wurde. Aufgabe der gemeinnützigen Gesellschaft war die Verteilung von Förderkrediten zum Wohnungsneubau. Die Gelder kamen vor allem aus der neuen Hauszinssteuer. Sie wurde im selben Jahr auf Anregung des späteren Berliner Stadtbaurats Martin Wagner (SPD) eingeführt. Sie besteuerte den Althausbesitz und schöpfte den finanziellen Vorteil ab, der Hauseigentümer:innen durch die Hyperinflation 1923 zugefallen war: Hypothekenbelastungen hatten sich vollkommen in Luft aufgelöst.
Beteiligt am Neuen Bauen der 20er Jahre
Die WFG förderte insbesondere den Bau von kleinen und kleinsten Wohnungen. Sie sollten in der wirtschaftlichsten Bauweise errichtet werden, aber den Anforderungen an „gesunde, zweckmäßig eingeteilte und solide Dauerwohnungen“ entsprechen. Im Rahmen dieses großen Wohnungsbauprogramms sind die berühmten modernen Siedlungen des „Neuen Bauens“ entstanden – darunter die Hufeisensiedlung, die Siemensstadt und Onkel Toms Hütte – aber auch viele Ein- und Zweifamilienhäuser. Von 1924 bis 1931 sind in Berlin genau 146.598 Wohnungen von der WFG finanziert worden.
Die WFG stellte auch Sonderfonds bereit, etwa für die Beschäftigung von Arbeitslosen im Wohnungsbau oder für die Finanzierung von Gebäuden für Kriegsblinde. Die Gesellschaft nutzte dafür Grundstücke und Baustoffvorräte, die sie als Gründungskapital von der Stadt übernommen hatte.
Nach dem Krieg Geldsammelstelle für Anleger
Nach der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise wurde das Erfolgsmodell aber demontiert. Die Reichsregierung verwendete die Hauszinssteuermittel zunehmend anderweitig. Das Wohnungsbauprogramm kam 1931 zum Erliegen.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nahm die WFG eine eigene Bautätigkeit auf, bis sie 1936 mit acht städtischen Wohnungsunternehmen zur neuen Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW) zusammengeschlossen wurde. Gleichzeitig wurde eine Wohnungsbau-Kreditanstalt (WBK) neu gegründet, die das ursprüngliche Finanzierungsgeschäft der WFG fortführte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die WBK ein mächtiger Akteur im West-Berliner Wiederaufbau. Sie war ab 1964 die Kapitalsammelstelle für die Gelder westdeutscher Anleger:innen, die von der großzügigen Berlin-Förderung profitieren wollten. Durch den Bau von Großsiedlungen im Sozialen Wohnungsbau war die Nachkriegswohnungsnot bald beseitigt. Doch mangelnde Kontrolle führte dazu, dass viel zu teuer gebaut wurde. Baufirmen und Immobilienunternehmen machten riesige Profite, indem sie Baukosten künstlich aufblähten. Vielen Sozialmieter:innen sind die exorbitanten Kostenmieten später zum Verhängnis geworden. Berüchtigt waren auch die engen Vorgaben der WBK-Förderrichtlinien, die kaum etwas anderes zuließen als Wohnungen für die klassische Kleinfamilie – was allerdings schon in den 1970er Jahren am gesellschaftlichen Bedarf vorbeiging.
Jens Sethmann
Von der WBK zur IBB
Seit 1993 firmiert die Wohnungsbau-Kreditanstalt als Investitionsbank Berlin und ist auch für die Wirtschaftsförderung zuständig. Die ursprüngliche Tätigkeit ist ihr abhanden gekommen, als Berlin 1997 die Neubauförderung und 2003 die Modernisierungsförderung eingestellt hat – 2014 beziehungsweise 2023 wurden dafür neue Programme gestartet. Seit 2022 zählt auch die Arbeitsmarktförderung zu ihren Aufgaben. Die IBB ist als Anstalt des öffentlichen Rechts zu 100 Prozent im Besitz des Landes Berlin.
js
24.01.2025