Die landeseigenen Wohnungsunternehmen (LWU) haben am Tag nach der Abgeordnetenhauswahl eine Mieterhöhungswelle gestartet – offensichtlich, um vor einer befürchteten künftigen Mietendeckelung ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Der Berliner Mieterverein (BMV) fordert die Rücknahme der Mieterhöhungen.

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In einer abgesprochenen Aktion verschicken Degewo, Gesobau, Gewobag, Howoge, Stadt und Land, WBM und Berlinovo bis Dezember 90.000 Mieterhöhungen. Die ersten trugen das Datum 21. September 2026 – das ist der Tag nach dem Wahlsonntag, der eine rot-grün-rote Senatskoalition wahrscheinlich gemacht hat. Linke, Grüne und SPD haben angekündigt, die Mietsteigerungen zu begrenzen und die Kooperationsvereinbarung mit den landeseigenen Wohnungsunternehmen neu zu verhandeln.
Den Verdacht, die Unternehmen wollten diese Pläne medienwirksam torpedieren, wies ihr Sprecher Ingo Malter, Geschäftsführer der Stadt und Land, zurück. „Unsere Unternehmen müssen wirtschaftlich stark und handlungsfähig bleiben“, rechtfertigt er die Mieterhöhungen. „Wir rechnen schon heute mit sehr spitzem Bleistift und ziehen alle Register, um moderate Mieten und hohe Investitionen miteinander in Einklang zu bringen. Die Spielräume in diesem Spannungsfeld sind ausgeschöpft.“

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„Mir drängt sich der Eindruck auf, die Unternehmen würden noch einmal die Mieten anheben wollen, bevor eine neue Regierung einen Mietenstopp verhängt“, sagt der Linken-Wohnungspolitiker Niklas Schenker. „Das wäre eine ziemliche Anmaßung.“ Auch der BMV kritisiert das Drehen an der Preisschraube: „Die Landeseigenen stellen damit den Wählerwillen in Frage“, erklärt Geschäftsführer Sebastian Bartels. Er weist darauf hin, dass dies bereits die vierte Erhöhungswelle in der dreijährigen Regierungszeit von CDU und SPD ist.
Der BMV fordert von den Wohnungsgesellschaften die Rücknahme der Mieterhöhungen und vom künftigen Senat deutliche Mietbegrenzungen. „Die landeseigenen Wohnungsunternehmen dürfen nicht mehr den Marktbedingungen unterworfen sein, sondern sollten noch stärker als bisher das zentrale Berliner Instrument für die soziale Wohnraumversorgung sein“, so Bartels.
Jens Sethmann
27.10.2026




